Ein Hauch Me­dio­ban­ca

Cor­po­ra­te Fi­nan­ce von Sal. Op­pen­heim geht an Ban­ca Leo­nar­do

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - MH

Die in Mailand an­säs­si­ge Grup­po Ban­ca Leo­nar­do über­nimmt von der Deut­schen Bank die Sal. Op­pen­heim Cor­po­ra­te Fi­nan­ce (Schweiz) und da­mit die Num­mer drei auf dem Markt für Cor­po­ra­te-Fi­nan­ceBe­ra­tung in der Schweiz.

Ro­nald Sau­ser ist ei­ne Mar­ke für sich. Der 54-Jäh­ri­ge ge­hört zu den Gros­sen auf dem Schwei­zer Markt für Trans­ak­ti­ons­be­ra­tung. Des­halb muss­te man um ihn und sein Team kei­ne Angst ha­ben, als die Deut­sche Bank be­schloss, das In­vest­ment Ban­king der von ihr über­nom­me­nen Sal. Op­pen­heim los­zu­wer­den.

Il­lus­tres Ak­tio­na­ri­at

Dass Sau­ser mit ei­nem vier­zehn­köp­fi­gen Team un­ter das Dach der Leo­nar­do zieht, mag er­stau­nen. Die ita­lie­ni­sche, pri­vat ge­hal­te­ne, auf In­vest­ment Ban­king und Ver­mö­gens­ver­wal­tung spe­zia­li­sier­te Grup­pe ist hier­zu­lan­de we­nig be­kannt. Doch Leo­nar­do ist vom Feins­ten.

Das gilt in Be­zug auf das Ak­tio­na­ri­at. 20% hält die fran­zö­si­sche Ver­si­che­rung CNP. Sie ge­hört zum Ein­fluss­be­reich von Al­bert Frè­re, dem bel­gi­schen Fi­nanz­in­ves­tor und star­ken Mann der in der Schweiz ko­tier­ten Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Par­ge­sa. 20% ge­hö­ren Michael Da­vi­dWeill. Der Fran­zo­se ist ehe­ma­li­ger Chef der In­vest­ment­bank La­zard. Mit 15% da­bei ist die Ag­nel­li-Fa­mi­lie (Fi­at). Wei­te­re In­ves­to­ren sind die Al­li­anz-Grup­pe und die Fa­mi­lie Be­net­ton.

Im Ver­wal­tungs­rat sit­zen Leu­te mit Be­zie­hun­gen. Prä­si­dent ist der 76-jäh­ri­ge Gi­u­sep­pe Vi­ta. Der Ita­lie­ner war vie­le Jah­re CEO der deut­schen Phar­ma­gesell­schaft Sche­ring. Er ist heu­te Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Axel Sprin­ger. Frü­her sass er in den Ver­wal­tungs­rä­ten von Hu­go Boss, Con­ti­nen­tal, Sche­ring, De­gus­sa, Ger­ling und et­li­chen wei­te­ren Ge­sell­schaf­ten. Im Leo­nar­do-VR sit­zen aus­ser­dem der Ag­nel­li-Er­be und Fi­at-Chair­man John El­kann, Michael Da­vid-Weill und Pao­lo Li­g­res­ti, des­sen Fa­mi­lie die Ver­si­che­rungs­grup­pe Fon­dia­ria be­herrscht.

Kein Zwei­fel, die Leo­nar­do-Obe­ren sind Strip­pen­zie­her. In ih­rem Auf­bau er­in­nert die Leo­nar­do an die macht­vol­le ita­lie­ni­sche Me­dio­ban­ca. Gi­u­sep­pe Vi­ta be­stä­tig­te an der Me­di­en­kon­fe­renz in Zü­rich: «In Leo­nar­do ist et­was von Me­dio­ban­ca drin.» Dies gilt nicht zu­letzt we­gen Ger­ar­do Brag­giot­ti. Der me­di­en­scheue CEO von Leo­nar­do war vie­le Jah­re in wich­ti­ger Funk­ti­on bei Me­dio­ban­ca.

Eu­ro­päi­sche Di­men­si­on

Al­ler­dings ist Leo­nar­do wie ihr Ak­tio­na­ri­at nicht vor­wie­gend ita­lie­nisch. Seit Brag­giot­ti zu­sam­men mit den heu­ti­gen Ak­tio­nä­ren 2006 zur Grup­pe stiess, ist sie im In­vest­ment Ban­king nach Frank­reich, Deutsch­land, Spa­ni­en, Bel­gi­en und in die Nie­der­lan­de ex­pan­diert. Die Bü­ros in Paris und Frank­furt sind grös­ser als das in Mailand. Das In­vest­ment Ban­king (Leo­nar­do & Co) be­schäf­tigt nach An­ga­ben von CEO Be­rent Wal­len­dahl eu­ro­pa­weit 100 Per­so­nen, die Grup­pe hat ins­ge­samt 400 Mit­ar­bei­ten­de.

Mit der Ak­qui­si­ti­on des Teams in Zü­rich wird ei­ne Lü­cke ge­schlos­sen. Ge­mäss Vi­ta wä­re die Über­nah­me des gan­zen In­vest­ment Ban­king der Sal. Op­pen­heim (nicht nur der Schwei­zer Cor­po­ra­te-Fi- nan­ce-Ein­heit) ein zu gros­ser Bro­cken ge­we­sen. Für Sau­ser und sei­ne lang­jäh­ri­gen Mit­strei­ter er­gibt sich aus der Ein­bin­dung ins Leo­nar­do-Netz­werk ei­ne eu­ro­päi­sche Per­spek­ti­ve. Wäh­rend­des­sen be­stand im Rah­men von Sal. Op­pen­heim ein Fo­kus auf den schwei­ze­ri­schen be­zie­hungs­wei­se den deutsch­spra­chi­gen Raum.

Die Chan­ce, im gros­sen eu­ro­päi­schen Kon­zert mit­zu­spie­len und trotz­dem weit­ge­hend ei­gen­stän­dig zu blei­ben, ist es, was das Sau­ser-Team da­von ab­hielt, sich via Ma­nage­ment Buy­out selb­stän­dig zu ma­chen. Sich ei­ner an­gel­säch­sisch do­mi­nier­ten In­vest­ment­bank an­zu­schlies­sen, wur­de eben­falls ver­wor­fen. Er ha­be kei­ne Lust ge­habt, re­gel­mäs­sig nach London zu rap­por­tie­ren und sich dort sa­gen zu las­sen, es ge­be kei­ne in­tel­li­gen­ten Schwei­zer Ban­ker, sag­te er leicht zy­nisch.

Was dem Sau­ser-Team feh­len wird, ist die Un­ter­stüt­zung durch ei­ne Bro­ker­a­geAb­tei­lung, wie sie Sal. Op­pen­heim ge­bo­ten hat­te. Das Le­ad Ma­nage­ment für ei­nen Bör­sen­gang wird das Leo­nar­doTeam nicht über­neh­men kön­nen. Ne­ben den Gross­ban­ken ver­fü­gen heu­te in der Schweiz nur noch Zürcher Kan­to­nal­bank, die Bel­le­vue-Grup­pe und Von­to­bel über die ent­spre­chen­de In­fra­struk­tur.

Was an der Me­di­en­kon­fe­renz klein­ge­re­det wur­de, ist die Tat­sa­che, dass ein Teil der Op­pen­heim-Grup­pe an­de­re We­ge geht. Das Im­mo­bi­li­en­team, das rund die Hälf­te der Mit­ar­bei­ten­den und des Er­trags aus­mach­te, schliesst sich dem spe­zia­li­sier­ten US-Un­ter­neh­men Jo­nes Lang LaSal­le an (vgl. Kas­ten).

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