As­com mar­schiert mit neu­em CEO vor­an

Tele­com­spe­zia­list rech­net ab kom­men­dem Jahr mit ei­nem kräf­ti­gen Wachs­tums­schub – Zu­kunft des Ar­mee­ge­schäfts un­ge­wiss – Ak­ti­en noch nicht aus­ge­reizt

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - CHRIS­TOPH GISIGER

As­com hat die Kri­se über­ra­schend sou­ve­rän ge­meis­tert. Nun blickt der Tele­com­spe­zia­list vor­wärts und setzt sich für die kom­men­den drei Jah­re ehr­gei­zi­ge Zie­le. Im­pul­se sol­len vor al­lem aus dem Ge­sund­heits­markt und aus dem Mo­bil­funk kom­men.

Wenn Kon­zern­chef Riet Ca­do­nau As­com An­fang April ver­lässt und die Lei­tung von Ka­ba über­nimmt (vgl. Text­kas­ten), ent­steht an der ope­ra­ti­ven Spit­ze kein Va­ku­um. Mit Fritz Mu­mentha­ler nimmt ein rou­ti­nier­ter Nach­fol­ger fort­an das Steu­er in die Hand, der das Un­ter­neh­men bes­tens kennt. Be­reits vor vier Jah­ren wur­de dem bis­he­ri­gen Lei­ter der Pa­ra­de­spar­te Wi­re­less So­lu­ti­ons die Füh­rung der Tech­no­lo­gie­grup­pe ad in­te­rim an­ver­traut, als CEO Ru­dolf Ha­dorn per so­fort frei­ge­stellt wur­de. Ger­ne hät­te Mu­mentha­ler den Pos­ten be­hal­ten, doch ent­schied sich der Ver­wal­tungs­rat, Ca­do­nau als Ka­pi­tän ins Boot zu­rück­zu­ho­len (vgl. Por­trät auf Sei­te 14). Un­ter dem neu­en Chef soll das ge­sund­ge­schrumpf­te Un­ter­neh­men nun Mus­keln an­set­zen und die ope­ra­ti­ve Mar­ge vor Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­tio­nen bis 2013 auf 14 bis 15% stei­gern.

Fo­kus auf Ge­sund­heits­markt

Mit Blick auf sei­nen Leis­tungs­aus­weis ist das dem an­ge­hen­den CEO durch­aus zu­zu­trau­en. Als Lei­ter der Di­vi­si­on Wi­re­less So­lu­ti­ons war er bis­lang für rund die Hälf­te der Ein­nah­men ver­ant­wort­lich und hat über­pro­por­tio­nal zum Ge­winn bei­ge­tra­gen. Das Ge­schäft ist pri­mär auf den Ge­sund­heits­markt aus­ge­rich­tet, wo sich durch die al­tern­de Be­völ­ke­rung in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka Chan­cen er­ge­ben. Im­mer mehr Se­nio­ren ver­brin­gen ih­ren Le­bens­abend in den ei­ge­nen vier Wän­den, wo­bei ih­re kör­per­li­che Ver­fas­sung künf­tig ver­mehrt rund um die Uhr mit Tele­com­diens­ten über­wacht wer­den muss. In die­sem Be­reich sieht sich As­com des­halb seit län­ge­rem nach ei­ner Ak­qui­si­ti­on um und will jetzt zu­schla­gen. Al­ter­na­tiv wä­re auch denk­bar, die Kon­so­li­die­rung in der ei­ge­nen Bran­che vor­an­zu­trei­ben.

Auf ei­nen Schub aus der Tele­com­in­dus­trie war­tet die Di­vi­si­on Net­work Tes­ting. Sie ist welt­weit füh­rend für Soft-so­wie Hard­ware zum Op­ti­mie­ren von Mo­bil­funk­net­zen und er­ar­bei­tet grup­pen­weit die höchs­ten Mar­gen. Mit der Aus­brei­tung in­ter­net­fä­hi­ger Han­dys und neu­en Le­se­com­pu­tern wie dem iPad setzt As­com auf den rasch wach­sen­den Da­ten­ver­kehr, der heu­te be­reits das tra­di­tio­nel­le Sprach­vo­lu­men über­steigt. Die Tele­com­kon­zer­ne müs­sen ihr Netz des­halb mit schnel­le­ren Über­tra­gungs­tech­no­lo­gi­en wie LTE auf­rüs­ten, wo­von sich das Ma­nage­ment nach ei­ner fla­chen Ent­wick­lung im lau­fen­den Jahr ab 2012 über­durch­schnitt­li­ches Wachs­tum er­hofft.

Port­fo­li­odis­kus­si­on ver­tagt

We­ni­ger klar sind die Aus­sich­ten für die Di­vi­si­on Se­cu­ri­ty Com­mu­ni­ca­ti­on. Das Ge­schäft ist we­nig mar­gen­träch­tig und vor al­lem vom Schwei­zer Mi­li­tär ab­hän­gig. We­gen des Spar­drucks in der Ar­mee geht jähr­lich ein nied­ri­ger zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag an Ein­nah­men ver­lo­ren, wes­halb vo­r­erst kei­ne grös­se­ren In­ves­ti­tio­nen mehr ge­spro­chen wer­den. Wenn es bis zum drit­ten Quar­tal nicht ge­lingt, ei­nen Auf­trag als Un­ter­lie­fe­rant für ei­nen glo­ba­len Rüs­tungs­kon­zern zu si­chern, ist ei­ne stra­te­gi­sche Port­fo­li­o­ber­ei­ni­gung nicht aus­ge­schlos­sen. Man­chen Ana­lys­ten dau­ert das zu lang, wie die­se Wo­che an der In­ves­to­ren­kon­fe­renz deut­lich wur­de.

Was An­le­ger im De­tail für 2011 er­war­tet, wird am 9. März dar­legt. Für das ver­gan­ge­ne Jahr sind or­ga­ni­sches Wachs­tum so­wie ge­gen 12% Ebit­da-Mar­ge in Aus­sicht ge­stellt (vgl. In­ter­view in FuW Nr. 101 vom 29. De­zem­ber). Wir rech­nen mit nicht ganz 35 Mio. Fr. Ge­winn oder 95 Rp. pro Ak­tie. Zu­dem wird erst­mals seit fünf Jah­ren ei­ne Di­vi­den­de aus­ge­schüt­tet.

As­com sind zu­letzt kräf­tig vor­ge­rückt. Die Luft wird da­mit zu­se­hends dün­ner. Das hat auch der vor­über­ge­hen­de Dämp­fer nach der An­kün­di­gung des Füh­rungs­wech­sels ge­zeigt. Die Chan­cen sind je­doch in­takt, dass es Fritz Mu­mentha­ler als an­ge­hen­dem CEO ge­lin­gen wird, an den er­folg­rei­chen Tur­naround an­zu­knüp­fen. Nicht un­denk­bar ist zu­dem, dass die ZKB in ab­seh­ba­rer Zeit ei­ne Lö­sung für ihr Ak­ti­en­pa­ket von knapp 27% fin­det.

Fritz Mu­mentha­ler bringt als künf­ti­ger Kon­zern­chef gu­te Vor­aus­set­zun­gen mit und kann auf VR-Prä­si­dent Ju­ha­ni Ant­ti­la (hin­ten) zäh­len.

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