Ge­be­rit ent­täuscht die An­le­ger für ein­mal

Kein Ge­winn­wachs­tum 2010 – Kon­zern­chef Ba­eh­ny wird auch Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent – Ak­ti­en­rück­kauf ver­dich­tet Ge­winn

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - PE­TER MORF

Ex­pan­si­on in Asi­en

Der Sa­ni­tär­tech­ni­ker Ge­be­rit ist weit­ge­hend un­be­scha­det durch die Re­zes­si­on ge­kom­men, tut sich nun aber schwer mit der Rück­kehr auf ei­nen Wachs­tums­kurs. Wäh­rend sich der Um­satz 2010 knapp ge­mäss den Pro­gno­sen ent­wi­ckelt hat, über­rascht die an­ge­kün­dig­te Ge­winns­ta­gna­ti­on. Das­sel­be gilt für den Vor­schlag, dass Kon­zern­chef Al­bert M. Ba­eh­ny an der GV im April in den VR ge­wählt wer­den und dort zu­sätz­lich zum CEO das Amt des Prä­si­den­ten über­neh­men soll. Die Bör­se hat die An­kün­di­gun­gen am Don­ners­tag mit 7% Kurs­rück­gang quit­tiert. Ge­be­rit er­wirt­schaf­te­te 2010 gut 2,1 Mrd. Fr. Im Ver­gleich zum Vor­jahr er­gibt sich ein Rück­gang von 1,6%, für den vor al­lem der star­ke Fran­ken ver­ant­wort­lich ist. In Lo­kal­wäh­run­gen ge­rech­net stieg das Ver­kaufs­vo­lu­men 5%. Im vier­ten Quar­tal fiel das Wachs­tum et­was schwä­cher aus als in den ers­ten neun Mo­na­ten. Über das gan­ze Jahr ge­se­hen muss­ten le­dig­lich die Be­ne­lu­xlän­der (–1,6%) und vor al­lem die Ibe­ri­sche Halb­in­sel (–8,3%) in Lo­kal­wäh­run­gen Ver­kaufs­ein­bus­sen hin­neh­men. In Eu­ro­pa ins­ge­samt wuchs der Um­satz 4,6%. Sehr stark ent­wi­ckel­ten sich Gross- bri­tan­ni­en (+10,3%), die nor­di­schen Län­der (+7,2%) und der gröss­te Markt Deutsch­land mit 6,9%. In der Schweiz stieg der Um­satz 3,2%. Wei­ter­hin ein ho­hes Wachs­tum er­reich­te Ge­be­rit in der Re­gi­on Fer­n­ost/Pa­zi­fik (+22,2%). Auch Nord­ame­ri­ka hielt sich mit 6,8% gut.

Nach­dem in den ers­ten neun Mo­na­ten 10% Ge­winn­wachs­tum ver­zeich­net wor­den war, durf­te für das gan­ze Jahr mit ei­nem Zu­wachs ge­rech­net wer­den, zu­mal im Vor­jah­res­ver­gleich ei­ne aus­ser­or­dent­li­che steu­er­li­che Be­las­tung weg­ge­fal­len ist. Die­se Hoff­nung wird ent­täuscht – das Er­geb­nis wird ge­mäss Ba­eh­ny auf dem Ni­veau des Vor­jah­res von knapp 400 Mio. Fr. sta­gnie­ren. Wir re­du­zie­ren un­se­re Ge­winn­schät­zung für 2010 auf 10.15 Fr. je Ak­tie. Im vier­ten Quar­tal muss­te dem­nach ei­ne er­heb­li­che Ge­winn­ein­bus­se hin­ge­nom­men wer­den. Das sei für Ge­be­rit üb­lich, es wird vor al­lem auf die Fix­kos­ten zu­rück­ge­führt. Im­mer­hin kön­nen die ope­ra­ti­ven Mar­gen auf ho­hem Ni­veau ge­hal­ten wer­den. Der Ge­schäfts­be­richt wird am 10. März pu­bli­ziert.

Aus­ser mit der zu­rück­hal­ten­den Ge­winn­ent­wick­lung über­rasch­te Ge­be­rit auch mit der Mel­dung, dass Kon­zern­chef Ba­eh­ny zu­sätz­lich das Amt des Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten vom al­ters­hal­ber ab­tre­ten­den Gün­ter F. Kelm über­neh­men wird. Ge­mäss of­fi­zi­el­ler Dik­ti­on wird Ba­eh­ny das Dop­pel­man­dat «für die kom­men­den Jah­re» wahr­neh­men. Das heu­ti­ge VR-Mit­glied Ro­bert F. Spo­er­ry wird neu Vi­ze­prä­si­dent und wird als Le­ad Di­rec­tor für die Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce ver­ant­wort­lich sein.

Es steht aus­ser Zwei­fel, dass Ba­eh­ny fä­hig ist, das Amt des VR-Prä­si­den­ten aus­zu­fül­len. Dass je­doch oh­ne Not ein Dop­pel­man­dat ge­schaf­fen wird, ist eher ne­ga­tiv zu be­ur­tei­len. Ba­eh­ny ga­ran­tiert zwar für Kon­ti­nui­tät und ho­he Füh­rungs­qua­li­tät. Das Dop­pel­man­dat ent­spricht je­doch nicht der Vor­stel­lung ei­ner gu­ten Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce, zu­mal ge­nü­gend Zeit ge­ge­ben war, ei­ne an­de­re Lö­sung zu fin­den.

Zu­rück zum Wachs­tum

Zum Aus­blick auf 2011 mach­te Ba­eh­ny kei­ne kon­kre­ten Aus­sa­gen. Er ist je­doch op­ti­mis­ti­scher als noch vor sechs Mo­na­ten. In Eu­ro­pa dürf­ten der Woh­nungs­bau und die für Ge­be­rit wich­ti­ge Re­no­va­ti­ons­tä­tig­keit wach­sen. In den USA rech­net Ba­eh­ny mit Markt­an­teils­ge­win­nen, und Asi­en, vor al­lem Chi­na, wird zü­gig wei­ter wach­sen. Nach der Ge­winns­ta­gna­ti­on 2010 er­war­ten wir für 2011 ein Wachs­tum von gut 10% auf 11.30 Fr. je Ti­tel.

An­le­ger­freund­lich ist die An­kün­di­gung ei­nes Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramms, das zu ei­ner Ge­winn­ver­dich­tung füh­ren wird. Ab dem 17. Ja­nu­ar bis spä­tes­tens En­de 2012 wer­den über ei­ne se­pa­ra­te Han­dels­li­nie ma­xi­mal 5% des Ak­ti­en­ka­pi­tals im Wert von rund 440 Mio. Fr. zu­rück­ge­kauft. Die Pa­pie­re wer­den da­nach ver­nich­tet. Ge­be­rit sind auf Ba­sis der re­du­zier­ten Ge­winn­schät­zung zum Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 18 be­wer­tet. Sie blei­ben auf­grund der gu­ten Per­spek­ti­ven, der Di­vi­den­den­si­cher­heit und der so­li­den fi­nan­zi­el­len Ver­fas­sung für den An­le­ger at­trak­tiv.

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