Hy­po Lenz­burg setzt den Trend

Grös­se­res Ge­schäfts­vo­lu­men, nied­ri­ge­rer Zins­er­folg – Un­ver­än­der­te Di­vi­den­de – Ak­ti­en no­tie­ren deut­lich un­ter Buch­wert

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - RE­TO GY­SI VON WART­BURG

Die­ses Jahr hat die Hy­po­thekar­bank Lenz­burg (HBL) am schnells­ten ge­rech­net. Sie prä­sen­tier­te am Frei­tag ihr Jah­res­er­geb­nis. Über­ra­schun­gen ber­gen die ers­ten Ge­winn­zah­len ei­ner ko­tier­ten Bank kei­ne: Das Zin­s­er­geb­nis glitt leicht zu­rück, ob­wohl das Ge­schäfts­vo­lu­men grös­ser wur­de. Ma­ri­an­ne Wil­di, Vor­sit­zen­de der Ge­schäfts­lei­tung, be­grün­det den Er­trags­aus­fall mit «wett­be­werbs­be­ding­tem Margendruck». Die­ses Mus­ter dürf­te sich in vie­len der kom­men­den Ab­schlüs­se von Re­tail­ban­ken re­pe­tie­ren.

Der Brut­to­ge­winn der HBL sank et­wa um den­sel­ben Be­trag wie das Zin­s­er­geb­nis (vgl. Ta­bel­le). Un­ter dem Strich re­sul­tier­te nur des­halb ein hö­he­rer Ge­winn, weil Rück­stel­lun­gen auf­ge­löst und als aus­ser­or­dent­li­cher Er­trag ver­bucht wur­den. Der Ver­wal­tungs­rat schlägt den Ak­tio­nä­ren vor, ei­ne un­ver­än­der­te Di­vi­den­de von 110 Fr. pro Ak­tie aus­zu­rich­ten.

2011 wie das Vor­jahr

Für das neue Jahr nimmt sich die HBL ein gros­so mo­do un­ver­än­der­tes Bud­get vor. Das Zins­ge­schäft, es trägt mehr als vier Fünf­tel zum Er­trag bei, wird der wich­tigs­te Pfei­ler blei­ben. Aber Wil­di will dar­in «nicht über­trie­ben wach­sen, weil mehr Vo­lu­men nicht ent­spre­chend mehr Er­trags­po­ten­zi­al bringt». For­cie­ren will sie hin­ge­gen das in­dif­fe­ren­te Ge­schäft, ein An­sin­nen, das das In­sti­tut be­reits mehr­fach ge­äus­sert hat­te, sich aber in den Zah­len nicht nie­der­schlägt – im Ge­gen­teil.

Zen­tral ist die Fra­ge, wel­che Fol­gen ei­ne Zins­er­hö­hung für die HBL hät­te. Ei- ni­ge Fak­to­ren deu­ten dar­auf hin, dass die Bank ri­si­ko­avers agiert: Das Wachs­tum der Kun­den­aus­lei­hun­gen blieb 2010 mit 2,9% im Rah­men und die Ak­tiv­sei­te ist un­ter­durch­schnitt­lich lan­ge an­ge­bun­den. Nur 70% der Hy­po­the­kar­aus­lei­hun­gen wie­sen ei­ne fes­te Lauf­zeit auf. Er­freu­lich ist, dass wie schon im Vor­jahr kein Wert­be­rich­ti­gungs­be­darf zu­las­ten der Er­folgs­rech­nung be­stand und dass die Bank im re­gio­na­len Im­mo­bi­li­en­markt kei­ne An­zei­chen ei­ner Bla­sen­bil­dung fest­stellt.

Soll­ten die Zei­chen den­noch auf Sturm dre­hen, wä­re die Hy­po Lenz­burg ge­wapp­net. Der Ei­gen­mit­tel­de­ckungs­grad liegt per En­de 2010 auf 220%, ei­nem Spit­zen­wert in der Bran­che. Da­mit er­füllt die Bank auch die kom­men­den, schär­fe­ren Ei­gen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten der Fin­ma spie­lend. Auf ei­ne hö­he­re Aus­schüt­tungs­quo­te (ak­tu­ell nur 28%) dür­fen die Ak­tio­nä­re al­ler­dings nicht spe­ku­lie­ren. Die Bank will das Ei­gen­ka­pi­tal wei­ter ver­stär­ken.

Sub­stanz­star­ke «Fress­ak­ti­en»

Mög­li­cher­wei­se ist die HBL schon bald die ein­zi­ge ei­gen­stän­di­ge, an der Schwei­zer Bör­se SIX ko­tier­te Re­gio­nal­bank. Dies wä­re der Fall, wenn sich die Bank CA St. Gal­len von der Bör­se zu­rück­zieht (vgl. FuW Nr. 99 vom 18. De­zem­ber). Für Wil­di ist ei­ne De­ko­tie­rung kein The­ma. Die Vor­tei­le (Pu­bli­zi­tät, Qua­li­täts­be­weis durch Er­fül­lung der SIX-Vor­schrif­ten) über­wie­gen für sie deut­lich. Die Ak­ti­en der Hy­po Lenz- burg sind be­son­ders in der Re­gi­on be­liebt. Vie­le Ak­tio­nä­re schät­zen die Ge­ne­ral­ver­samm­lung, die in ei­nen der wich­tigs­ten ge­sell­schaft­li­chen An­läs­se des Städt­chens mün­det. Al­le Teil­neh­men­den – er­war­tet wer­den rund 1600 – er­hal­ten ein Prä­sent (Pra­li­nen oder Zi­gar­ren) und wer­den zu Speis (Bra­ten, Gra­tin und Ge­mü­se) und Trank (bis 20 Uhr) in ei­nes der zahl­rei­chen Lenz­bur­ger Re­stau­rants ein­ge­la­den.

Die Ak­ti­en sind aber vor al­lem aus fun­da­men­ta­len Grün­den ei­nen Kauf wert. Be­son­ders das Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis von 0,85 deu­tet auf viel Po­ten­zi­al hin, aber auch das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (2011) von 11 ist im Qu­er­ver­gleich und trotz der be­grenz­ten Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten im Zins­ge­schäft nicht über­trie­ben.

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