Un­gleich­ge­wich­te im Fo­kus des Wef

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP,

Ei­ne noch­ma­li­ge Fi­nanz­kri­se wä­re zu­min­dest für die meis­ten west­li­chen Län­der kaum zu ver­kraf­ten. Dro­hen­de Staats­bank­rot­te sind des­halb das gröss­te Ri­si­ko ge­mäss dem Ri­si­ko­be­richt des Welt­wirt­schafts­fo­rums ( Wef), das En­de Ja­nu­ar in Da­vos in den Bünd­ner Ber­gen statt­fin­det.

So teu­er sei die Fi­nanz­kri­se ge­we­sen, dass ge­gen­wär­tig die Kri­sen­re­sis­tenz an ei­nem Tief­punkt sei, wie Ro­bert Gre­en­hill, Ver­tre­ter des Wef, an der Pres­se­kon­fe­renz zur Lan­cie­rung des Be­richts in London sag­te. Gleich­zei­tig ha­be die Kri­se wirt­schaft­li­che Un­gleich­ge­wich­te nicht be­ho­ben und zu­dem neue ge­schaf­fen, die zu po­li­ti­schen Span­nun­gen füh­ren und ei­ne ko­or­di­nier­te Ant­wort er­schwe­ren wür­den.

Fis­kal­de­fi­zi­te

Die In­ter­es­sen der ein­zel­nen Län­der sei­en so un­ter­schied­lich, dass in­ter­na­tio­nal kei­ne Ei­nig­keit be­ste­he. Sol­che Dif­fe­ren­zen ha­ben sich zum Bei­spiel am letz­ten Gip­fel der Grup­pe der zwan­zig ein­fluss­reichs­ten Wirt­schafts­na­tio­nen (G-20) ge­zeigt, wo Dis­kus­sio­nen über Han­dels­bi­lanz­de­fi­zi­te, Wäh­rungs­re­gimes und den Zeit­plan der Kon­so­li­die­rung der Staats­fi­nan­zen weit­ge­hend er­geb­nis­los blie­ben.

Ein Un­gleich­ge­wicht, das im Be­richt be­son­ders her­vor­ge­ho­ben wird, sind die Fis- kal­de­fi­zi­te in den west­li­chen Staa­ten. Die Kri­se im Eu­ro­raum zeigt ein­drück­lich, wie ernst die La­ge ge­wor­den ist. Doch es sei noch viel schlim­mer, sag­te Da­ni­el Hof­mann, Chef­öko­nom der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Zu­rich FS, die die Stu­die mit­trug: «Wür­de die Buch­hal­tung rich­tig ge­macht, wä­ren meh­re­re Staa­ten bank­rott.» Die Ver­schul­dung nicht nur der pe­ri­phe­ren eu­ro­päi­schen Län­der, son­dern auch Ita­li­ens oder Bel­gi­ens, aber auch Frank­reichs und der USA sei lang­fris­tig kaum trag­bar und wir­ke sich ne­ga­tiv auf das Wachs­tum aus.

Für Hof­mann hat des­halb die Kon­so­li­die­rung des Staats­haus­halts ers­te Prio­ri- tät. Aber die An­stren­gun­gen wer­den kaum rei­chen, wenn künf­ti­ge staat­li­che Ver­pflich­tun­gen punk­to Al­ters­vor­sor­ge ein­ge­rech­net wer­den. Im Ver­gleich da­zu wa­ren die Kos­ten für die Fi­nanz­kri­se ein Klacks (vgl. Gra­fik). Und es er­staunt nicht, dass un­ter an­de­rem Frank­reich und En­g­land das Ren­ten­al­ter er­höht ha­ben.

Wich­ti­ge Fi­nanz­in­stru­men­te

Ei­ne Mög­lich­keit, die­ses «Lang­le­big­keits­ri­si­ko» von der Staats­bi­lanz zu neh­men, wä­ren mo­der­ne Fi­nanz­in­stru­men­te. «Der Ka­pi­tal­markt könn­te das Ri­si­ko über­neh­men», sag­te Chris­ti­an Mu­mentha­ler, ver­ant­wort­lich für die Ver­mark­tung der Rück­ver­si­che­rung bei Swiss Re (die an der Stu­die mit­ge­ar­bei­tet hat). Doch der Markt für sol­che Lang­le­big­keits­ri­si­ken steckt erst in den Kin­der­schu­hen.

Ri­si­ken dank Fi­nanz­in­stru­men­ten bes­ser im Griff zu ha­ben, wer­de für Un­ter­neh­men ver­mehrt zum The­ma, sag­te John Dr­zik, Chef des Un­ter­neh­mens­be­ra­ters Oli­ver Wy­man. Schwan­ken­de Ener­gie­und Roh­stoff­prei­se, ein Ri­si­ko, das der Wef-Be­richt auf­führt, wür­den Ge­winn­schwan­kun­gen er­hö­hen. Für Un­ter­neh­men sei es des­halb an­ge­bracht, das Ge­schäfts­mo­dell un­ter die­sem Ge­sichts­punkt zu über­prü­fen.

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