Eads steht vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen

Der eu­ro­päi­sche Flug­zeug- und Rüs­tungs­her­stel­ler be­trach­tet die Er­schlies­sung gros­ser Schwel­len­märk­te als prio­ri­tä­re Auf­ga­be

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - GESCHE WÜPPER,

Neue Part­ner­schaf­ten

Für Eads-Chef Lou­is Gal­lois hät­te das Jahr 2011 nicht bes­ser be­gin­nen kön­nen. Die Toch­ter Air­bus konn­te den «De­al des Jah­res» be­reits we­ni­ge St­un­den vor dem Jah­res­aus­blick des Flug­zeug­bau-und Rüs­tungs­kon­zerns ab­schlies­sen – und da­mit ei­nen neu­en Re­kord in der Ge­schich­te der zi­vi­len Luft­fahrt auf­stel­len: Die in­di­sche Bil­lig­flug­li­nie In­di­go be­stell­te 180 Flug­zeu­ge der A320-Fa­mi­lie im Wert von nicht we­ni­ger als 16 Mrd. $. Trotz kom­mer­zi­el­ler Er­fol­ge steht Eads 2011 vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen. So dürf­te sich die Ren­ta­bi­li­tät auch in die­sem Jahr nicht gross­ar­tig ver­bes­sern. Das Be­triebs­er­geb­nis dürf­te sich wie 2010 im Be­reich von 1,2 Mrd. € be­we­gen. Kos­ten­sen­kungs­pro­gram­me sol­len hel­fen, dass Eads pro­fi­ta­bler wird. Be­las­tet wird der Kon­zern durch Kos­ten für die Ab­si­che­rung ge­gen Wäh­rungs­schwan­kun­gen und durch Auf­wen­dun­gen für das A380-Pro­gramm. Hin­zu kom­men Ent­wick­lungs­kos­ten für neue Pro­gram­me, teu­re Nach­bes­se­run­gen beim Mi­li­tär­trans­por­ter A400M, die Kri­se im He­li­ko­pter­ge­schäft und das schwa­che Rüs­tungs­ge­schäft, das dar­un­ter lei­det, dass vie­le Staa­ten ih­re Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ein­schrän­ken. Air­bus ist da­her die tra­gen­de Säu­le von Eads. So kün­dig­te Gal­lois an, dass die Toch­ter 2010 über fünf­hun­dert Flug­zeu­ge aus­ge­lie­fert und über fünf­hun­dert Be­stel­lun­gen ver­bucht hat. Der USErz­ri­va­le Bo­eing hat 2010 ins­ge­samt 462 Flug­zeu­ge aus­ge­lie­fert und 530 Be­stel­lun­gen er­hal­ten. Ge­naue Zah­len wird Air­bus am Mon­tag be­kannt­ge­ben. Der Flug­zeug­bau­er steht 2011 vor wei­te­ren Her­aus­for­de­run­gen. Da­zu ge­hört das Langstre­cken­flug­zeug A350, die Erst­aus­lie­fe­rung wur­de von Mit­te auf En­de 2013 ver­scho­ben.

Als wich­tigs­tes Ziel für das neue Jahr­zehnt sieht Gal­lois die Vor­be­rei­tung von Eads auf neue Her­aus­for­de­run­gen und Märk­te. Da­bei will sich der Kon­zern in drei Be­rei­chen kon­zen­trie­ren: Eu­ro­pa, USA und Wachs­tums­märk­te wie Bra­si­li­en und In­di­en. Ein ho­her Stel­len­wert hat da­bei die Ent­wick­lung des Ge­schäfts in Emer­ging Mar­kets – sei es durch Part­ner­schaf­ten, den Bau von Mon­ta­ge­li­ni­en wie in Chi­na oder durch De­si­gn­bü­ros wie in Ban­ga­lo­re. In den USA könn­te ei­ne Auf­trags­zu­tei­lung zur Er­neue­rung der Tank­flug­zeu­ge in der Luft­waf­fe im Wert von 35 Mrd. $ zu ei­nem Durch­bruch füh­ren. So­wohl Air­bus als auch Bo­eing ha­ben sich da­für be­wor­ben.

Eads wird ab­seh­bar auch durch Zu­käu­fe wach­sen. Der Kon­zern, der 10 Mrd. € zur Ver­fü­gung hat, prüft meh­re­re Op­tio­nen. Gal­lois ist zu­dem über­zeugt, dass die Flug­zeug­bau­er nicht um Part­ner­schaf­ten her­um­kom­men: Denn in die­sem Jahr­zehnt drän­gen gleich vier neue Wett­be­wer­ber auf den lu­kra­ti­ven Markt für Mit­tel­stre­cken­flug­zeu­ge, den sich bis­lang Air­bus und Bo­eing tei­len. Be­ob­ach­ter glau­ben, dass sich Air­bus mit der bra­si­lia­ni­schen Em­bra­er zu­sam­men­tun könn­te und Bo­eing mit Bom­bar­dier aus Ka­na­da.

Bleibt Gal­lois Eads-Chef?

Zu Ge­rüch­ten, sein Man­dat an der Spit­ze von Eads wer­de nicht ver­län­gert, woll­te sich Gal­lois nicht äus­sern. «Sie wis­sen al­le, dass mein ak­tu­el­ler Ver­trag im Ju­ni 2012 en­det. Das ist in acht­zehn Mo­na­ten – und nicht mor­gen früh», sag­te er. Arn­aud La­g­ar­dè­re, Chef des gleich­na­mi­gen Me­di­en­kon­zerns und Eads-Gross­ak­tio­när, hat ge­ra­de dar­auf ge­pocht, 2012 den Vor­sitz des Ver­wal­tungs­rats über­neh­men zu wol­len. Das wür­de be­deu­ten, dass Gal­lois nicht ver­län- gert: Frank­reich und Deutsch­land hat­ten 2007 ver­ein­bart, die deutsch-fran­zö­si­sche Dop­pel­spit­ze durch ein Ro­ta­ti­ons­prin­zip zu er­set­zen. Wenn al­so ein Fran­zo­se dem Kon­zern vor­steht, lei­tet je­weils ein Deut­scher den Ver­wal­tungs­rat so­wie die Toch­ter Air­bus – und um­ge­kehrt.

Bis­lang hat La­g­ar­dè­re kein gros­ses In­ter­es­se an Eads ge­zeigt. Aber 2012 ste­hen Prä­si­dent­schafts­wah­len an, und Nicolas Sar­ko­zy, ein Freund La­g­ar­dè­res, hofft auf ein zwei­tes Man­dat. La­g­ar­dè­res Aus­sa­gen sind des­halb po­li­tisch zu wer­ten: Sar­ko­zy kann es sich nicht leis­ten, dass sich La­g­ar­dè­re vor der Wahl aus Eads zu­rück­zieht. Für In­ves­to­ren sind die Eads-Ak­ti­en (KGV von 23) mit­tel­fris­tig in­ter­es­sant, da sich die Kos­ten­sen­kungs­plä­ne und neue Pro­gram­me ab 2012 aus­zah­len dürf­ten. Dann wird vor­aus­sicht­lich auch die Kri­se im He­li­ko­pter­ge­schäft über­wun­den sein.

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