Hand­lungs­zwang für US-Ver­sor­ger

Ho­he In­ves­ti­tio­nen we­gen stren­ge­rer Um­welt­schutz­vor­schrif­ten brin­gen Über­nah­me­ka­rus­sell in Schwung – In in­no­va­ti­ve, grü­ne Strom­pro­du­zen­ten in­ves­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MAR­TIN GOLLMER

Die Kon­so­li­die­rung im US-Strom­sek­tor hält an. Die neu­es­te Trans­ak­ti­on: Du­ke Ener­gy kauft für 13,7 Mrd. $ den re­gio­na­len Ri­va­len Pro­gress Ener­gy. Der De­al zeigt ex­em­pla­risch, wo­rum es geht: Ver­sor­ger müs­sen an­ge­sichts sin­ken­der Strom­prei­se und nur noch lang­sam wach­sen­der Märk­te Kos­ten spa­ren. Gleich­zei­tig brau­chen sie ei­ne ge­nü­gend gros­se Ka­pi­tal­ba­sis, um die In­ves­ti­tio­nen stem­men zu kön­nen, die stren­ge­re Um­welt­schutz­auf­la­gen not­wen­dig ma­chen.

Durch die Über­nah­me von Pro­gress durch Du­ke ent­steht ein In­dus­trie­gi­gant mit 7,1 Mio. Kun­den in sechs US-Bun­des­staa­ten, ei­ner Strom­er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tät von 57 000 Me­ga­watt (MW) und ei­nem Un­ter­neh­mens­wert von 65 Mrd. $. Du­ke über­nimmt auch die Schul­den von Pro­gress in der Hö­he von 12,2 Mrd. $. Die Trans­ak­ti­on er­hält da­durch ei­nen Wert von knapp 26 Mrd. $.

«Un­se­re Bran­che tritt in ei­ne neue Pha­se, in der wir in ei­ne Rei­he neu­er Tech­no­lo­gi­en in­ves­tie­ren müs­sen, um den CO2-Fuss­ab­druck zu ver­rin­gern und ef­fi- zien­ter zu wer­den», kom­men­tier­te Du­keChef Jim Ro­gers die Über­nah­me. «In­dem wir un­se­re Un­ter­neh­men fu­sio­nie­ren, kön­nen wir das wirt­schaft­li­cher ma­chen.» Ro­gers er­war­tet durch bes­se­re Kre­dit­be­din­gun­gen, güns­ti­ge­ren Ein­kauf von Brenn­stof­fen und ef­fi­zi­en­te­res Ma­nage­ment be­nach­bar­ter Kraft­wer­ke Kos­ten­ein­spa­run­gen von 600 bis 800 Mio. Die neue Grup­pe be­treibt ne­ben ei­nem Dut­zend Atom­re­ak­to­ren auch ei­ne Flot­te von Kraft­wer­ken, die mit fos­si­len Brenn­stof­fen – Koh­le, Gas, Öl – be­feu­ert wer­den. Die gilt es an­ge­sichts neu­er, stren­ge­rer Um­welt­auf­la­gen um­zu­rüs­ten. In ei­ni­gen Fäl­len dürf­te die Sa­nie­rung zu teu­er kom­men, so­dass Kraft­wer­ke still­ge­legt wer­den müs­sen. «Wir wer­den sie er­set­zen müs­sen. Na­tür­lich sind da­bei Nu­kle­ar­an­la­gen ein Op­ti­on. Die ist mach­ba­rer für ein Un­ter­neh­men die­ser Grös­se», sag­te Wil­li­am John­son, CEO von Pro­gress, da­zu. Der Kon­zern plant zur­zeit, sechs neue Re­ak­to­ren zu bau­en.

Die Über­nah­me von Pro­gress durch Du­ke ist die letz­te in ei­ner gan­zen Rei­he von Strom­de­als in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten. Die gröss­ten wa­ren der Kauf von Al­leg­he­ny Ener­gy durch First Ener­gy ( Trans­ak­ti­ons­wert: 8,5 Mrd. $), die Ak­qui­si­ti­on des US-Ge­schäfts des deut­schen Ver­sor­gers Eon durch PPL (7,6 Mrd. $), die Ein­ver­lei­bung von Nstar durch Nor­theast Uti­li­ties (4,2 Mrd. $) und der Zu­sam­men­schluss von Mi­rant und RRI Ener­gy zur Ge­non Ener­gy (1,6 Mrd. $).

Ro­gers geht da­von aus, dass Du­ke ei­ne neue Kon­so­li­die­rungs­wel­le im US-Strom­sek­tor los­tritt. Die Mei­nung ver­tritt auch Todd Ship­man, Ana­lyst in Di­ens­ten der Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s. «Die Fu­si­ons-und Über­nah­me­ak­ti­vi­tä­ten der Strom­ver­sor­ger wer­den zu­neh­men – so­wohl was die Zahl wie die Grös­se der Deals be­trifft –, und ei­ne klei­ne­re Grup­pe von gros­sen Ver­sor­gern wird die Bran­che do­mi­nie­ren», schreibt er in ei­ner ak­tu­el­len Kurz­stu­die. Ne­ben den Grün­den, die Ro­gers und John­son ins Feld füh­ren, nennt Ship­man wei­te­re Ar­gu­men­te, die für ei­ne Be­schleu­ni­gung der Kon­so­li­die­rung spre­chen: Der Markt ver­lan­ge nicht mehr so

Fu­sio­nen un­ter US-Ver­sor­gern ho­he Prä­mi­en für die Ak­tio­nä­re, son­dern schaue dar­auf, dass die Deals die Kre­dit­qua­li­tät ver­bes­ser­ten. Zu­dem sei der Be­wil­li­gungs­pro­zess für Trans­ak­tio­nen we­ni­ger be­schwer­lich ge­wor­den, da die Re­gu­lie­rungs­be­hör­den jetzt be­reit sei­en, auch die brei­te­ren Vor­tei­le von Fu­sio­nen und Über­nah­men an­zu­schau­en, und nicht nur die für die Kon­su­men­ten.

Wer sind die Nächs­ten?

Wer nächs­tens mit wem zu­sam­men­geht, ist schwer zu sa­gen. Über­nah­me­kan­di­da­ten sind klei­ne­re Atom­kraft­werk­be­trei­ber wie Ame­ren oder Sca­na, die Mü­he ha­ben wer­den, ge­nü­gend Ka­pi­tal für den Er­satz ih­rer al­tern­den An­la­gen auf­zu­trei­ben, oder klei­ne­re Un­ter­neh­men wie We­star Ener­gy, die Kraft­wer­ke be­sit­zen, die mit fos­si­len Brenn­stof­fen lau­fen, und die ho­he In­ves­ti­tio­nen für die Sa­nie­rung oder den Neu­bau von An­la­gen tä­ti­gen müs­sen.

An­le­ger soll­ten aber nicht nur auf saf­ti­ge Über­nah­me­prä­mi­en spe­ku­lie­ren – im Fall von Pro­gress be­trug sie al­ler­dings nur knapp 4%. Auch soll­ten sie sich nicht von ho­hen Di­vi­den­den­ren­di­ten ver­füh­ren las- sen (vgl. Ta­bel­le). Viel­mehr soll­ten sie auch dar­auf schau­en, ob die an­vi­sier­ten Un­ter­neh­men in­no­va­ti­ve und nach­hal­ti­ge Pro­gram­me zur Um­stel­lung auf ei­ne grü­ne­re Strom­pro­duk­ti­on ha­ben.

Dies­be­züg­lich zu­erst auf­zu­füh­ren ist Nex­te­ra Ener­gy – ein Ver­sor­ger, des­sen Na­me Pro­gramm ist. Das Un­ter­neh­men führt ei­nen stra­te­gi­schen Zehn­jah­res­plan aus, der vor­sieht, dass mit dem ver­stärk­ten Ein­satz von er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en so­wie von Ener­gie­ef­fi­zi­enz­pro­gram­men der Bau von vier mit­tel­gros­sen tra­di­tio­nel­len Kraft­wer­ken ver­mie­den wer­den soll. Die Di­vi­si­on Nex­te­ra Ener­gy Re­sour­ces be­zieht be­reits 45% ih­rer ins­ge­samt 18 000 MW Ka­pa­zi­tät aus Son­nen-, Wind-und Was­ser­kraft so­wie aus Bio­mas­se.

Als wei­te­re in­no­va­ti­ve Ver­sor­ger zu nen­nen sind et­wa NRG Ener­gy, wel­che ein lan­des­wei­tes Netz von La­de­sta­tio­nen für Elek­tro­au­tos auf­baut, Pa­ci­fic Gas & Electric (PG&E), die sich als ers­ter US-Ver­sor­ger ver­pflich­tet hat, Wel­le­n­ener­gie zu kau­fen, so­wie Sou­thern, wel­che ei­nes der ers­ten Gas­kraft­wer­ke baut, bei dem CO2 auf­ge­fan­gen und ge­la­gert wer­den kann (Car­bon Cap­tu­re and Sto­r­a­ge, CCS).

Der Bau CO2-frei­er Atom­kraft­wer­ke ist teu­er. Das löst

aus.

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