Um­satz in De­ri­va­ten nimmt zu

An­teil am ge­sam­ten De­pot­ver­mö­gen sta­bi­li­siert sich auf 4,8% – Ko­tie­rungs­wel­le in pfand­be­si­cher­ten In­stru­men­ten

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - ANDRE­AS STO­CKER

Stei­gen­de, fal­len­de oder seit­wärts ten­die­ren­de Kur­se an den Bör­sen – De­ri­va­te bie­ten zu­min­dest in der Theo­rie in jeg­li­chen vor­stell­ba­ren Markt­sze­na­ri­en at­trak­ti­ve Er­trags­chan­cen. Das könn­ten In­ves­to­ren nut­zen.

In der Pra­xis zeigt sich aber, dass trotz der Aus­ge­stal­tungs­viel­falt von De­ri­va­ten, das Gros der An­le­ger le­dig­lich à la hausse in­ves­tiert. Das spie­gelt sich in der Emis­si­ons­tä­tig­keit der Emit­ten­ten, die kaum In­stru­men­te be­ge­ben, wel­che von fal­len­den Kur­sen pro­fi­tie­ren.

Vo­lu­men schwankt

Der Um­satz von De­ri­va­ten klet­ter­te im ver­gan­ge­nen Jahr – im Ver­gleich zu 2009 – an der Bör­se Scoach 7,1% auf 39,7 Mrd. Fr. Das Vo­lu­men der An­la­ge­pro­duk­te (Zer­ti­fi­ka­te) stieg 3,2% und das der He­bel­pro­duk­te 10%. Zu den An­la­ge­pro­duk­ten ge­hö­ren die drei Ka­te­go­ri­en Ka­pi­tal­schutz-, Ren­di­te­opti­mie­rungs-und Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­duk­te.

Un­ter den In­stru­men­ten mit An­la­ge­cha­rak­ter klet­ter­te das Vo­lu­men der Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­te um 36% auf 5,8 Mrd. Fr. Ka­pi­tal­ge­schütz­te Zer­ti­fi­ka­te ent­wi­ckel­ten sich eben­falls er­freu­lich mit ei­nem Um­satz­zu­wachs von 13% auf 2,3 Mrd. Fr. Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­duk­te büss­ten der­weil rund 14% auf 8,2 Mrd. Fr ein. Gut 79% der ko­tier­ten De­ri­va­te ha­ben als Ba­sis­wert Ak­ti­en (vgl. Gra­fik). Da­ni­el Man­ser, Chef­re­dak­tor des De­ri­vat­ma­ga­zins «Pay­off», er­läu­tert: «Zu­neh­mend fra­gen In­ves­to­ren Pro­duk­te auf Zin­sen nach. Ei­ne Ent­wick­lung, die letz­tes Jahr be­gann. Eben­falls wer­den Roh­stof­fe als Ba­sis­wert im­mer wich­ti­ger.»

Die Ver­gan­gen­heit zeigt, dass die Hö­he des Um­sat­zes stark an die Ent­wick­lung des Ak­ti­en­markts ge­kop­pelt ist. Vor al­lem in den Jah­ren 1997 bis 2000 so­wie 2006 bis 2008 – als die Bör­sen haus­sier­ten – ver­zeich­ne­te das Seg­ment mar­kant hö­he­re Vo­lu­men. Fal­len die No­tie­run­gen der Ak­ti­en­märk­te, geht auch der Um­satz zu­rück (vgl. Gra­fik). Das Bör­sen­vo­lu­men ist aber bloss be­dingt aus­sa­ge­kräf­tig, da ei­ne Viel­zahl der Trans­ak­tio­nen von An­la­ge­pro­duk­ten aus­ser­börs­lich (Over the Coun­ter, OTC) ab­ge­schlos­sen wird. Ab­schlüs­se, die kei­ne Sta­tis­tik aus­weist.

Ein aus­sa­ge­kräf­ti­ge­res Fa­zit kann aus dem sta­tis­ti­schen Mo­nats­heft der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank (SNB) ge­zo­gen wer­den. Es weist die in De­ri­va­te in­ves­tier­ten Ver­mö­gen in Schwei­zer De­pots aus. Der Be­trag konn­te sich nach dem Höchst im Sep­tem­ber 2007 auf 361 Mrd. Fr. nach ste­ti­ger Ab­nah­me im Ok­to­ber 2010 auf 211 Mrd. Fr. fan­gen. Die­se Sum­me ent­spricht ge­mes­sen an dem Ge­samt­de­pot­ver­mö­gen 4,8%. Man­ser fügt an: «Seit Sep­tem­ber 2010 ist ei­ne stei­gen­de Ten­denz in dem in De­ri­va­te in­ves­tier­ten Ver­mö­gen er­kenn­bar. Die­ser Trend wird sich auch 2011 fort­set­zen.» Wei­ter führt er aus: «An­le­ger ge­win­nen wie­der zu­neh­mend an Ver­trau­en in den Ak­ti­en-und De­ri­vat­markt. Ich ge­he da­her da­von aus, dass der Um­satz in die­sem Jahr rund ein Drit­tel klet­tern wird. Vor­aus­ge­setzt, die Fi­nanz­märk­te wei­sen ei­ne sta­bi­le bis leicht stei­gen­de Ten­denz auf.»

Be­si­che­rungs­of­fen­si­ve

Wäh­rend das Vo­lu­men nur leicht klet­ter­te, leg­te im Ge­gen­satz da­zu die An­zahl han­del­ba­rer Pro­duk­te in­nert Jah­res­frist mar­kant zu. En­de De­zem­ber 2009 wa­ren an der Scoach 23 524 In­stru­men­te ko­tiert, En­de De­zem­ber 2010 be­reits 30 351 – ein Zu­wachs von 29%. Man­ser merkt an: «Die Aus­wei­tung der Pro­dukt­aus­wahl hat zwei Sei­ten. Ei­ner­seits ist das grös­se­re An­ge­bot für In­ves­to­ren von Nut­zen, denn mitt­ler­wei­le fin­det sich für an­nä­hernd je­des An­la­ge­be­dürf­nis das pas­sen­de In­stru­ment. An­der­seits er­schwert es das gros­se Pro­dukt­an­ge­bot dem An­le­ger, das ge­such­te In­stru­ment schnell zu fin­den.»

Ei­nen Bei­trag zur Pro­dukt­flut leis­te­ten die im Sep­tem­ber 2009 ins Le­ben ge­ru­fe­nen pfand­be­si­cher­ten Zer­ti­fi­ka­te (Col­la­te­ral Se­cu­red In­stru­ments, Co­si). Das noch jun­ge Seg­ment ver­zeich­ne­te vor al­lem durch die aus­ge­präg­te Emis­si­ons­tä­tig­keit der EFG FP ein be­mer­kens­wer­tes Wachs­tum auf rund 800 Zer­ti­fi­ka­te. Das Co­siSeg­ment ist bloss für Emit­ten­ten mit Sitz in der Schweiz zu­gäng­lich. An­fang Ok­to­ber 2010 be­gann EFG FP Co­si-In­stru­men­te in Deutsch­land zu ver­mark­ten. Da­ni­el Man­ser er­war­tet für Co­si in Deutsch­land ho­hes Er­folgs­po­ten­zi­al: «Der Markt für be­si­cher­te Zer­ti­fi­ka­te ist in Deutsch­land un­ter­ent­wi­ckelt, und so­lan­ge die Schul­den­kri­se im eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­raum wei­ter fort­be­steht, wird ei­ne Nach­fra­ge nach Co­si-Zer­ti­fi­ka­ten si­cher­lich vor­han­den sein.»

En­de 2010 lan­cier­te die Schwei­zer Bör­se SIX das ETP-Seg­ment (Ex­ch­an­ge Tra­ded Pro­ducts, vgl. FuW Nr. 81 vom 16. Ok­to­ber 2010). ETP ist ei­ne in­ter­na­tio­nal ver­brei­te­te Pro­dukt­ka­te­go­rie, die eben­falls pfand­be­si­chert ist. Im Ge­gen­satz zu Co­si wird das Pfand aber nicht in den De­pots der Zen­tral­ver­wah­re­rin SIS, son­dern bei ei­ner Dritt­bank hin­ter­legt. Der Vor­teil ge­gen­über Co­si ist, dass aus­län­di­sche Emit­ten­ten die Mög­lich­keit ha­ben, Pro­duk­te zu ko­tie­ren.

Bis an­hin wer­den 32 ETP – vor­nehm­lich auf Roh­stof­fe – von der Deut­schen Bank, Cla­ri­den Leu und Sour­ce ge­han­delt. Sour­ce ist ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men von meh­re­ren Gross­ban­ken und ver­wal­tet welt­weit rund 6,3 Mrd. $ in ETF und ETP. In­stru­men­te mit Be­si­che­rung wer­den 2011 vor­aus­sicht­lich wei­ter an Markt­an­teil ge­win­nen.

Mit De­ri­va­ten lässt sich von jeg­li­chen Kurs­be­we­gun­gen der Ak­ti­en­märk­te pro­fi­tie­ren

die Rich­tung spielt kei­ne Rol­le.

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