Gold­preis ist re­sis­tent

EDEL­ME­TAL­LE Das gel­be Me­tall be­wegt sich trotz gu­ter und we­ni­ger gu­ter Nach­rich­ten nicht – För­der­kos­ten sind ge­stie­gen

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - BNP PA­RI­BAS,

Der Gold­preis – ge­mes­sen am Spot­preis – be­weg­te sich seit Jah­res­an­fang in der en­gen Han­dels­span­ne zwi­schen 1372 und 1384 $ pro Un­ze. Grün­de für ei­ne Hö­her­be­wer­tung hät­te es die­se Wo­che ge­ge­ben, zu­mal Por­tu­gal zum ers­ten Mal seit Jah­res­an­fang den Ka­pi­tal­markt aus­lo­te­te. Das Schatz­amt konn­te je­doch die 1,25 Mrd. € oh­ne dra­ma­ti­sche Auf­schlä­ge un­ter­brin­gen. Auch An­lei­hen aus Spa­ni­en wur­den von den In­ves­to­ren zu markt­kon­for­men Be­din­gun­gen ab­sor­biert. Und selbst die zeit­glei­chen War­nun­gen der bei­den gros­sen Kre­dit­agen­tu­ren, wo­nach die USA das Triple-A ver­lie­ren könn­te, brach­ten kei­nen Schub in Gold. Am Frei­tag­nach­mit­tag no­tier­te es 1365 $ pro Fein­un­ze.

Um­ge­kehrt dürf­te der Gold­preis selbst bei ei­ner mi­ra­ku­lö­sen Er­ho­lung und Ent­schul­dung der Welt­wirt­schaft nicht mehr un­ter die Mar­ke von 1000 $ fal­len, sagt Joe Ker­nen, CEO von Ang­logold As­han­ti, denn die Pro­duk­ti­on ei­ner Un­ze Gold kos­te in­zwi­schen rund 1000 $. Ana­lys­ten ha­ben das für Ang­logold As­han­ti nach­ge­rech­net. Es fal­len Cash-För­de­rungs­kos­ten von 643 $ pro Un­ze an. Hin­zu kom­men die Wäh­rungs­ab­wer­tung (157 $) und wei­te­re Aus­la­gen von 166 $, wie Ex­plo­ra­ti­ons­kos­ten, Ma­nage­ment­ge­büh­ren und Steu­ern. Ge­samt­haft sind das 966 $. Da­mit liegt Ang­logold rund 100 $ über dem In­dus­trie­durch­schnitt, wo­bei die gröss­te Dif­fe­renz in Be­zug auf die Cash-Kos­ten an­fällt.

Es gibt aber auch Mi­nen, die zu deut­lich hö­he­ren Prei­sen pro­du­zie­ren. Har­mo­ny Gold und DRD Gold, bei­des Vert­re- te­rin­nen aus Süd­afri­ka, wei­sen Cash-Kos­ten von mehr als 1000 $ aus (plus die wei­te­ren Aus­ga­ben), weil hier die För­de­rung in im­mer grös­se­re Tie­fen ver­legt wer­den muss. Die Pro­duk­ti­on wird al­so im­mer schwie­ri­ger und kom­ple­xer, und die Zu­satz­kos­ten stei­gen so­mit über­pro­por­tio­nal an.

Ya­ma­na Gold und Gold Re­sour­ce sa­gen hin­ge­gen, sie wür­den zu Cash-Kos­ten

Die wich­tigs­ten Fu­tures auf Roh­stof­fe und Edel­me­tal­le von 100 $ bzw. null för­dern. Al­ler­dings ver­rät erst das Ge­schäfts­mo­dell die Ur­sa­che für die Dis­kre­panz: Bei­de Mi­nen ver­rech­nen die wah­ren För­de­rungs­kos­ten mit an­de­ren Ge­schäfts­be­rei­chen – laut Ge­schäfts­be­rich­ten «Ein­nah­men aus nicht auf Gold be­zo­ge­nen För­de­rungs­ak­ti­vi­tä­ten».

Vie­le Markt­be­ob­ach­ter hat­ten be­reits im Vor­feld der jetzt an­lau­fen­den Jah­res­er­geb­nis­se der Mi­nen­un­ter­neh­men ih­re Pro­gno­sen für das lau­fen­de Jahr an­ge­ho­ben. Die Ana­lys­ten von BNP Pa­ri­bas bei­spiels­wei­se rech­nen für die­ses Jahr mit durch­schnitt­li­chen Prei­sen von 1500 $ für ei­ne Un­ze Gold. Für 2012 er­war­ten sie No­tie­run­gen von 1600 $. Als wich­tigs­ten Grund für die wei­te­ren Avan­cen nen­nen sie das an­hal­ten­de und breit ab­ge­stütz­te In­ter­es­se so­wie die Käu­fe von in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren. Un­ter­stüt­zend wirkt auch die chro­ni­sche Un­si­cher­heit um den Dol­lar und um den Eu­ro so­wie der stei­gen­de In­fla­ti­ons­druck in Chi­na.

Im­mer wie­der gibt es Spe­ku­la­tio­nen um ei­nen gros­sen Wäh­rungs­schnitt mit ei­nem Neu­start mit gold­un­ter­leg­ten Wäh­run­gen. Wich­tigs­tes In­diz da­für sei­en die jüngs­ten Gold­käu­fe ei­ni­ger No­ten­ban­ken. Sie hal­ten aber le­dig­lich das Ver­hält­nis der Gold­men­ge zu der je­wei­li­gen No­ten­bank­geld­men­ge kon­stant. Für ei­ne voll­stän­di­ge Un­ter­le­gung der wich­tigs­ten Welt­wäh­run­gen mit dem ed­len Me­tall ist der Gold­be­stand so­wie­so viel zu klein.

Laut Im­ma­nu­el Wal­ter, De­ri­vat­ex­per­te BNP Pa­ri­bas in Frank­furt, las­sen In­ves­to­ren mit län­ge­rem An­la­ge­ho­ri­zont ih­re Ge­win­ne mit et­was de­fen­si­ve­ren Struk­tu­ren wie Tra­cker-Zer­ti­fi­ka­ten oder Dis­coun­ter auf Edel­me­tal­le wei­ter­lau­fen. Deut­lich be­ru­higt hat sich das Ge­sche­hen in He­bel­pro­duk­ten auf Gold – die Schwan­kun­gen wa­ren in den letz­ten Ta­gen für die An­le­ger ein­fach zu nied­rig.

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