Be­den­ken um Ju­li­us Bär

Nach­fra­ge nach Bank­ak­ti­en wächst – Bör­se fei­ert neu­en Ro­che-CFO – Schaff­ner im Fo­kus

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - ANDRE­AS MEI­ER

Die Ak­ti­en der bei­den Gross­ban­ken UBS und Cre­dit Suis­se Group sind seit ei­ni­gen Ta­gen ge­sucht. Glei­ches gilt für die Gross­bank­ak­ti­en an aus­län­di­schen Bör­sen. Ob das Kurs­ral­ly bloss ei­ne Re­ak­ti­on auf den vor­an­ge­gan­ge­nen mo­na­te­lan­gen Krebs­gang ist oder ob der Kurs­schub den Be­ginn ei­ner län­ge­ren Er­ho­lungs­be­we­gung mar­kiert, muss sich noch zei­gen.

Die Chan­cen für ei­nen län­ge­ren Auf­wärts­trend ste­hen al­ler­dings gar nicht so schlecht. Zwar be­las­tet die Schul­den­kri­se im Eu­ro­raum, und die Re­gu­lie­rungs­be­stre­bun­gen im Zug der Kri­sen­be­wäl­ti­gung dürf­ten die Ren­ta­bi­li­tät des Bank­ge­schäf­tes be­schnei­den, doch sind das al­les kei­ne neu­en The­men, und die schlech­te Kurs­ent­wick­lung im ver­gan­ge­nen Jahr (Cre­dit Suis­se et­wa no­tie­ren 25% un­ter dem im April ver­zeich­ne­ten Höchst von 2010) spie­gelt die­se Be­fürch­tun­gen auch sehr aus­ge­prägt. Auch die Kurs-Ge­winn-Be­wer­tun­gen zei­gen ei­nen ho­hen Grad an Skep­sis. Cre­dit Suis­se sind mit ei­nem KGV von bloss 8 be­wer­tet.

Ban­ken vor dem Come­back

Ers­te pu­bli­zier­te Quar­tals­ab­schlüs­se der gros­sen US-Ban­ken zei­gen noch ein ge­misch­tes Bild – J. P. Mor­gan Cha­se hat bes­ser als er­war­tet ab­ge­schnit­ten, Ci­ti­group (deut­lich) schlech­ter. Die di­ver­gie­ren­den Zah­len der bei­den In­sti­tu­te spie­geln vor­wie­gend das er­ra­ti­sche Er­trags­bild von In­vest­ment­ban­ken. Doch deu­ten sie auch auf die der­zei­ti­ge «Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft» un­ter den Gross­ban­ken hin. J. P. Mor­gan hat un­ter den ame­ri­ka­ni­schen Ban­ken die Fi­nanz­kri­se am bes­ten über­stan­den, Ci­ti­group da­ge­gen war auf Staats­hil­fe an­ge­wie­sen und be­fin­det sich noch im­mer im Ge­sun­dungs­pro­zess. Ent­spre­chend sind die Re­sul­ta­te aus­ge­fal­len. Für den An­le­ger heisst es, vor al­lem auf die star­ken und so­li­den Bank­wer­te zu set­zen, in der Schweiz et­wa auf Cre­dit Suis­se, in Deutsch­land auf die Deut­sche Bank.

Dass die Ban­k­re­sul­ta­te ge­mischt aus­fal­len, hat mög­li­cher­wei­se noch ei­nen güns­ti­gen Ne­ben­ef­fekt: So­lan­ge wich­ti­ge Gross­ban­ken schwa­che Er­geb­nis­se aus­wei­sen, dürf­ten die Zen­tral­ban­ken ver­sucht sein, an der Nied­rig­zins­po­li­tik fest­zu­hal­ten. Die güns­ti­gen Zin­sen ha­ben ja nicht zu­letzt den Zweck, dem Ban­ken­sys­tem güns­ti­ge Re­fi­nan­zie­rungs­quel­len zu bie­ten, da­mit ih­re Bi­lan­zen all­mäh­lich wie­der ge­sun­den kön­nen.

Der Swiss Mar­ket In­dex hat ge­gen­über Frei­tag 1,2% auf 6634,9 avan­ciert.

Ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen der un­schö­nen Ge­schich­te um den ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter Ru­dolf El­mer setz­ten den Ak­ti­en Ju­li­us Bär (–4,5%) zu. Am Mitt­woch wird vor dem Be­zirks­ge­richt Zü­rich ge­gen Ru­dolf El­mer we­gen Nö­ti­gung und Ver­let­zung des Bank­ge­heim­nis­ses ver­han­delt. Am Mon­tag ver­such­te El­mer, ein Image als Whist­leb­lo­wer und Kämp­fer für Ge­rech­tig­keit auf­zu­bau­en, in­dem er Bank­da­ten for­mell (er­neut) an Wi­ki­leaks über­gab. Ver­mut­lich sind das die Da­ten, mit de­nen El­mer schon seit Jah­ren hau­siert, neu­es Spreng­po­ten­zi­al für die Bank dürf­te dar­aus nicht er­wach­sen, ob­wohl El­mer be­haup­tet, wei­te­res Da­ten­ma­te­ri­al (auch von an­de­ren In­sti­tu­ten) zu be­sit­zen. El­mer ar­bei­te­te bis De­zem­ber 2002 als Chef der Ju­li­us Baer Bank & Trust Com­pa­ny Ltd. auf den Cay­man Is­lands. Im Zu­sam­men­hang mit un­er­füll­ten fi­nan­zi­el­len For­de­run­gen führt er seit 2004 ei­ne Droh-und Hetz­kam­pa­gne ge­gen Ju­li­us Bär.

UBS (+1,9%) und Cre­dit Suis­se (+0,3%) pro­fi­tier­ten von der freund­li­chen Grund­stim­mung für Fi­nanz­ti­tel (vgl. Ein­lei­tung). Auch Von­to­bel (+2,2%) und Sa­ra­sin (+3%) ka­men vor­an. Zu­oberst auf der Ge­win­ner­lis­te der Fi­nanz­wer­te stan­den je­doch Got­tex (+24,6%); der Hedge-Fund-An­bie­ter wird nächs­te Wo­che in ei­nem «Tra­dingS­tate­ment» über den Ge­schäfts­gang in­for­mie­ren.

We­nig be­ein­druckt blie­ben Swiss Re (–0,2%) von ei­ner kri­tisch for­mu­lier­ten Ein­schät­zung der Ra­ting­agen­tur Moo­dy’s, die sich auf Be­rich­te wich­ti­ger Ver­si­che­rungs­bro­ker über wei­ter nach­ge­ben­de Ta­ri­fe für Rück­ver­si­che­run­gen stützt. We­sent­li­cher Grund da­für sei die ge­rin­ge Nach­fra­ge sei­tens der Erst­ver­si­che­rer. Die Ana­lys­ten von Moo­dy’s er­war­ten, dass die Ge­win­ne der Rück­ver­si­che­rer un­ter Druck kom­men. Im­mer­hin lässt der Rück­gang der Flut im Os­ten Aus­tra­li­ens die Ein­schät­zung zu, dass die Scha­den­be­las­tung der As­se­ku­ranz trag­bar aus­fal­len wird.

Zu­rich Fi­nan­ci­al (Ak­ti­en +0,8%) geht in­no­va­ti­ve We­ge und ver­treibt ab Don­ners­tag über die Ki­o­skket­te von Va­lo­ra Spe­zi­al­po­li­cen zur De­ckung von An­nul­lie­rungs­oder Pro­duk­ter­satz­kos­ten. Nur we­nig Be­we­gung in Swiss Li­fe (–0,6%) und Na­tio­na­le (+0,2%) re­sul­tier­te aus der am Di­ens­tag be­kannt ge­mach­ten Zu­sam­men­le­gung des Pen­si­ons­ge­schäfts und der Ver­triebs­ko­ope­ra­ti­on bei­der Ver­si­che­rer.

Ge­rüch­te trei­ben Sul­zer

Dass Über­nah­me­ge­rüch­te be­ach­tet wer­den, ist ein In­diz für ro­bus­te Kauf­lau­ne. Am Mon­tag wur­de her­um­ge­bo­ten, die bri­ti­sche Weir Group wol­le Sul­zer (Ak­ti­en +4,8%) er­wer­ben; als An­ge­bots­preis mach­ten 200 Fr. die Run­de. We­der Weir Group noch Sul­zer noch Sul­zer-Gross­ak­tio­nä­rin Re­no­va kom­men­tier­ten die­se Spe­ku­la­tio­nen. Soll­te Weir Group tat­säch­lich in­ter­es­siert sein, müss­ten die Bri­ten mit Vic­tor Vek­sel­bergs Re­no­va han­dels­ei­nig wer­den. Je­doch: Ge­rüch­te be­le­ben den Han­del, bis­wei­len wer­den sie ge­zielt ge­streut – es braucht nichts dran zu sein. Üb­ri­gens woll­te Sul­zer 2007 ei­ni­ge Pum­pen­li­ni­en von Weir Group kau­fen, was nicht ge­lang.

Ro­che (GS +2,3%) pro­fi­tier­ten vom auf April an­ge­kün­dig­ten Wech­sel des Fi­nanz­chefs. Dem neu­en CFO, Alan Hip­pe, wird nach­ge­sagt, er sei ein Ana­lys­ten­ver­ste­her, was sein Vor­gän­ger Erich Hun­zi­ker, wie zu ver­neh­men ist, nicht war (vgl. Sei­ten 14, 19) – die GS re­agier­ten freund­lich.

Un­ter den Small-Cap-Ak­ti­en fie­len Schaff­ner (+5% auf 315 Fr.) auf. Der Bro­ker Hel­vea hat das Kurs­ziel für die Ti­tel des Elek­tro­kom­po­nen­ten­her­stel­lers von 310 gleich auf 400 Fr. er­höht. Ko­max (+3%) spra­chen auf die Pu­bli­ka­ti­on der gut aus­ge­fal­le­nen Um­satz­zah­len von 2010 an (vgl. Sei­te 14), Fein­tool wur­den durch die Über­nah­me­of­fer­te von Gross­ak­tio­när Michael Pie­per (vgl. Sei­te 1) hoch­ge­zo­gen.

Was tut sich in Ge­no­lier?

Die Ak­ti­en der Spi­tal­grup­pe Ge­no­lier wei­sen der­zeit bloss kleins­ten Han­dels­um­satz auf; doch tut sich was am Op­tio­nen­markt. Ge­mäss ei­ner Mel­dung der SIX Swiss Ex­ch­an­ge hat ein Ver­wal­tungs­rat bzw. ein Ge­schäfts­füh­rungs­mit­glied ei­ne Call-Op­ti­on über 300 000 Ge­no­lier-Ak­ti­en ge­kauft, die ihm das Recht ein­räumt, die Ti­tel (im­mer­hin rund 5% al­ler aus­ste­hen­den Ge­no­lier-Ti­tel) bis zum 15. Fe­bru­ar zu 16 Fr. pro Ak­tie und da­nach bis zum 1. Sep­tem­ber zu 17 Fr. zu kau­fen (Kurs ak­tu­ell: 18.40 Fr.) . Falls es sich beim Op­tio­nen­käu­fer um den VR-De­le­gier­ten An­toi­ne Hu­bert han­delt, der schon 32,4% an Ge­no­lier be­sitzt, müss­te er ein Über­nah­me­an­ge­bot lan­cie­ren, weil dann die Gren­ze von 33,3% über­schrit­ten wür­de.

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

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