Das EFSF-De­büt steht an

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Un­kla­rer Aus­bau des Ret­tungs­schirms – Spa­ni­en re­fi­nan­ziert sich bil­li­ger

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Pre­mie­re fei­ern soll die Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty (EFSF) noch die­se Wo­che, mit ei­ner Ka­pi­tal­auf­nah­me von 3 bis 5 Mrd. €. EFSF ist ein Ve­hi­kel der Eu­ro­zo­ne und Teil des Ret­tungs­schirms. Die Be­tei­li­gungs­quo­te ent­spricht den je­wei­li­gen An­tei­len der Eu­roMit­glied­staa­ten an der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). EFSF kann ma­xi­mal 421 Mrd. € emit­tie­ren. 2013 soll sie durch den Eu­ro­pean Sta­bi­liza­t­i­on Mecha­nism er­setzt wer­den. Am Mon­tag dis­ku­tier­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter über ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­bau des Ret­tungs­schirms. Der Vor­sit­zen­de der Eu­ro­grup­pe, Je­an-Clau­de Juncker, liess ver­lau­ten, dass ge­mein­sa­me Ab­sich­ten be­stün­den. Kon­kre­te Er­geb­nis­se wur­den kei­ne prä­sen­tiert.

Noch stellt der Markt die Mit­tel zur Ver­fü­gung: Am Di­ens­tag ver­kauf­te Grie­chen­land Geld­markt­pa­pie­re mit drei­zehn­wö­chi­ger Lauf­zeit über 350 Mio. €. Das An­ge­bot war fünf­fach über­zeich­net. Die Bills of­fe­rie­ren ei­ne Ren­di­te von 4,1%, was den Kon­di­tio­nen vom No­vem­ber ent­spricht. Käu­fer wa­ren mehr­heit­lich Aus­län­der, zwei Mo­na­te zu­vor wa­ren es pri­mär hel­le­ni­sche In­ves­to­ren ge­we­sen.

Eben­so er­folg­reich emit­tier­te Spa­ni­en Geld­markt­pa­pie­re mit zwölf-und acht­zehn­mo­na­ti­ger Lauf­zeit über ge­samt­haft 6 Mrd. €. Wie be­reits im Vor­feld er­war­tet, ha­ben sich die Re­fi­nan­zie­rungs­kos­ten des Kö­nig­reichs ver­rin­gert: Das kür­zer­lau­fen­de Pa­pier bot ei­ne Ren­di­te von 3%, das län­ger­lau­fen­de 3,4% – dies ent­spricht Re­duk­tio­nen ge­gen­über den vor­an­ge­gan­ge­nen Emis­sio­nen von 50 bzw. 35 Ba­sis­punk­ten (Bp). Be­reits am Mon­tag hat­te Spa­ni­en er­folg­reich zehn­jäh­ri­ge Staats­an­lei­hen über 6 Mrd. € pri­vat pla­ziert. Da­durch wur­den zwei ge­plan­te Emis­sio­nen mit Fäl­lig­keit 2020 und 2024, die für den Don­ners­tag ge­plant wa­ren, ge­stri­chen. Bel­gi­en auk­tio­niert erst­mals seit neun Mo­na­ten in Bench­mark­grös­se. Die Bonds über 3 Mrd. € wer­den 2021 fäl­lig, bie­ten ei­nen Spre­ad von 126 Bp. Por­tu­gal wird heu­te Mitt­woch mit ei­nem ein­jäh­ri­gen Pa­pier an den Markt tre­ten. Ge­plant ist ein Vo­lu­men von 750 Mio. €. Ge­ne­rell ha­ben sich die No­tie­run­gen der Eu­ro­zo­ne et­was

EZB kauft fleis­sig An­lei­hen

nor­ma­li­siert. Die Ren­di­te deut­scher Bun­des­an­lei­hen stieg auf 3,1%. Bei Ob­li­ga­tio­nen gilt: Je tie­fer der Preis, des­to hö­her die Ren­di­te. Für die Ent­span­nung mit­ver­ant­wort­lich ist auch die EZB. Zwi­schen dem 6. und 12. Ja­nu­ar er­warb sie Staats­an­lei­hen der Pe­ri­phe­rie der Eu­ro­zo­ne über 2,3 Mrd. €. Da­mit hat sie ins­ge­samt Pa­pie­re über 74 Mrd. € auf­ge­kauft. Zum Ver­gleich: Das be­reits durch­ge­führ­te Pfand­brief­pro­gramm sum­mier­te sich auf le­dig­lich 60 Mrd. € (vgl. Text­kas­ten links).

Apro­pos Co­ve­r­ed Bonds: In Ka­na­da steht das sechs­te De­büt an. Das Pro­gramm der Na­tio­nal Bank of Ca­na­da (NBC) mit ei­nem Vo­lu­men von 5 Mrd. $ wird mit der höchs­ten Bo­ni­tät be­ur­teilt. Ge­samt­haft ha­ben nun die sechs gröss­ten ka­na­di­schen Ban­ken Zu­gang zum Co­ver­edBond-Markt, ne­ben NBC noch Bank of Mon­tre­al, Sco­tia­bank, CIBC, Roy­al Bank of Ca­na­da so­wie To­ron­to Do­mi­ni­on. Im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich, stel­len die Ex­per­ten von HSBC Trink­aus fest, wei­sen die ka­na­di­schen Co­ve­r­ed Bonds nach den deut­schen die zweit­nied­rigs­ten Ri­si­ko­auf­schlä­ge auf. Das dürf­te u. a. an der sta­bi­len De­ckung der be­si­cher­ten An­lei­hen lie­gen. Zu­ge­las­sen sind le­dig­lich Kre­di­te, die durch die Ca­na­da Mort­ga­ge and Hou­sing Cor­po­ra­ti­on ga­ran­tiert sind. Die Dar­le­hen wer­den zu 78,9% in der Pro­vinz Qu­e­bec ver­ge­ben und sind in ka­na­di­schen Dol­lar de­no­mi­niert.

S&P er­höht das Ra­ting von Lo­wer Tier 2 Bonds der Bank of Ire­land auf CCC. Grund ist das ab­ge­lau­fe­ne Um­tausch­an­ge­bot, das sich als «Dis­t­res­sed Ex­ch­an­ge» qua­li­fi­ziert. Cre­ditwatch ne­ga­tiv wird bei­be­hal- ten. An­fang De­zem­ber hat­te Bank of Ire­land den Um­tausch von elf Lo­wer-Tier2-In­stru­men­ten an­ge­kün­digt. An­ge­bo­ten wur­de der Tausch von 45 bis 57,5% des ur­sprüng­li­chen No­mi­nal­werts in staats­ga­ran­tier­te An­lei­hen mit drei­zehn­mo­na­ti­ger Lauf­zeit. Lo­wer Tier 2 Bonds sind nach­ran­gi­ge An­lei­hen mit fes­ter Lauf­zeit. Die Gläu­bi­ger wer­den vor den üb­ri­gen nach­ran­gi­gen An­lei­hen be­dient.

Die Lo­wer-Tier-2-Bonds von Al­lied Irish Banks er­hal­ten neu die Bo­ni­täts­no­te D und Cre­ditwatch ne­ga­tiv. Das Um­tausch­an­ge­bot des Fi­nanz­in­sti­tuts ent­spre­che ei­nem Dis­t­res­sed Ex­ch­an­ge, be­grün­det S&P. Wer­de es an­ge­nom­men, sei je­doch mit ei­ner Er­hö­hung auf CCC zu rech­nen. Be­trof­fen sind elf In­stru­men­te, die An­le­ger sol­len 30% des No­mi­nal­wer­tes in bar er­hal­ten.

Kei­ne Tra­gö­die

Kei­ne Re­ak­tio­nen ver­ur­sacht hat die jüngs­te Her­ab­stu­fung Grie­chen­lands, denn die Kon­kur­renz war schnel­ler: Als letz­te der drei gros­sen Agen­tu­ren re­du­ziert Fitch das Ra­ting von BBB– auf BB+ ne­ga­tiv, in die spe­ku­la­ti­ve Qua­li­tät. Der ho­he Ver­schul­dungs­grad ma­che Hel­las an­fäl­lig auf un­vor­her­ge­se­he­ne Er­eig­nis­se, ar­gu­men­tiert Fitch. Zu­dem sei­en die Ein­nah­men ge­rin­ger als bud­ge­tiert aus­ge­fal­len. Das De­fi­zit 2009 ha­be von 13,6 auf 15,4% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) re­vi­diert wer­den müs­sen. 2010 er­war­tet Fitch ein Bud­get­de­fi­zit von 9,4%.

Ra­ting­watch Ne­ga­tiv ver­leiht Fitch Zy­pern. Die In­sel muss bald mit ei­nem tie­fe­ren Ra­ting als AA– rech­nen, die Bo­ni­täts­prü­fung soll im April ab­ge­schlos­sen sein. Die Volks­wirt­schaft wird durch ih­re Han­dels­ver­flech­tun­gen mit Grie­chen­land be­las­tet. Ver­gan­ge­ne Wo­che hat­te be­reits Kon­kur­ren­tin Moo­dy’s an­ge­kün­digt, die Bo­ni­tät Zy­perns zu prü­fen.

Wäh­rend die Bo­ni­tät der In­dus­trie­staa­ten ero­diert, ver­bes­sert sie sich in den Schwel­len­län­dern: Neu sta­bi­le statt ne­ga­ti­ve Aus­sich­ten ver­leiht Fitch Süd­afri­ka. Die No­te BBB+, zwei Stu­fen über der An­la­ge­qua­li­tät, wird be­stä­tigt. Die Agen­tur be­grün­det mit ei­ner über den Er­war­tun­gen aus­ge­fal­le­nen Wirt­schafts­er­ho­lung. 2009 hat­te sich die Wirt­schafts­leis­tung Süd­afri­kas 1,7% re­du­ziert, 2010 pro­gnos­ti­ziert Fitch ein BIP-Wachs­tum von 2,8%.

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