Vie­le The­men – ers­te Ten­den­zen

DE­VI­SEN Fünf wich­ti­ge Punk­te für den De­vi­sen­markt 2011 – Um­sich­tig agie­ren als Her­aus­for­de­rung

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - ERIK SCHAF­HAU­SER,

Was für ein Jah­res­be­ginn: krän­keln­der Eu­ro, la­bi­ler Dol­lar und Fran­ken­stär­ke. Von Lan­ge­wei­le kei­ne Spur, 2011 ist er­war­tungs­ge­mäss vo­la­til an­ge­lau­fen. Jetzt wer­den die The­men für den Rest des Jah­res de­fi­niert, ers­te Ten­den­zen zeich­nen sich ab. Die an­hal­ten­de EU-Schul­den­kri­se setz­te die Ge­mein­schafts­wäh­rung im Ja­nu­ar wei­ter un­ter Druck. Zum Dol­lar fiel die Va­lu­ta bis­wei­len un­ter 1.30 $/€, zum Fran­ken gar auf un­ter 1,245 Fr./€. Erst dank ei­ni­ger «er­folg­rei­cher» An­lei­he­E­mis­sio­nen konn­te sich der Eu­ro fan­gen. Ge­ne­rell sucht der Markt Rich­tung, er ori­en­tiert sich neu. Stan­den die ver­gan­ge­nen Jah­re recht klar un­ter dem Te­nor von Ri­si­ko­freu­de und Ri­si­ko­aver­si­on, hat sich der Leit­fa­den auf­ge­löst. Ein neu­er ist noch nicht ge­zo­gen.

En­de der Dol­lar­do­mi­nanz?

Ei­ni­ge Markt­teil­neh­mer er­war­ten das En­de der Dol­lar­do­mi­nanz und spe­ku­lie­ren auf 0.50 Fr./$. Das ist ris­kant. Im Rah­men der Ge­mein­schafts­wäh­rung ist die Span­ne weit: Man­che pro­gnos­ti­zie­ren 1.60 $/€, wir rech­nen mit 1.10 $/€.

Wel­che Rich­tung sich durch­setzt, hängt von ei­ni­gen Punk­ten ab. Ers­tens die USWirt­schaft: Fin­det sie zu nach­hal­ti­gem Wachs­tum zu­rück? Ge­fragt ist ei­ne Dy­na­mik, die auch den Ar­beits­markt er­reicht und den Kon­sum sti­mu­liert. Zwei­tens EUSchul­den­kri­se: An ei­ne schnel­le Lö­sung glaubt nie­mand mehr. Im Vor­der­grund steht die Fra­ge, ob die Län­der der Eu­ro­zo­ne es schaf­fen, ein kri­sen­taug­li­ches Sys- tem zu fin­den. Erst un­ter die­ser Prä­mis­se wer­den die An­le­ger wie­der Ver­trau­en in die Ge­mein­schafts­wäh­rung fin­den.

Drit­tens Chi­na: Das Reich der Mit­te kämpft mit In­fla­ti­on und hat be­reits Zins­schrit­te vor­ge­nom­men. Zu­sätz­lich müs­sen Ban­ken ih­re Re­ser­ven er­hö­hen, um ei­ne Markt­über­hit­zung zu ver­hin­dern. Die Si­tua­ti­on bleibt zu­sätz­lich an­ge­spannt, so­lan­ge die Dif­fe­ren­zen zwi­schen den USA und Chi­na über ei­nen an­ge­mes­se­nen Ren­min­bi-Kurs nicht vom Tisch sind. Ob das Gip­fel­tref­fen zwi­schen dem chi­ne­si­schen Prä­si­den­ten Hu Jin­tao und sei­nem ame­ri­ka­ni­schen Ge­gen­über Ba­rack Oba­ma Ab­hil­fe schafft, muss sich noch zei­gen. Im­mer­hin gilt das si­no­ame­ri­ka­ni­sche Zu­sam­men­kom­men als das wich­tigs­te der letz­ten dreis­sig Jah­re.

Für Oba­ma ist klar: Er will die Wäh­ler und den Kon­gress über­zeu­gen, dass er et­was für die Ar­beits­plät­ze un­ter­nimmt. Dar­um muss er die Chi­ne­sen zu ei­ner Wäh­rungs­auf­wer­tung be­we­gen. Um­ge­kehrt wer­den die chi­ne­si­schen Re­gen­ten ih­ren Zu­gang zu den US-Märk­ten nicht ge­fähr­den wol­len, gleich­zei­tig aber ih­re neue Rol­le als Welt­macht re­spek­tiert wis­sen. So kann nicht ein­fach auf For­de­run­gen ein­ge­gan­gen wer­den, oh­ne das Ge­sicht zu ver­lie­ren. Dass Chi­na den Eu­ro stützt und dies auch Wir­kung zeigt, un­ter­streicht die neue Rol­le der Volks­re­pu­blik.

Vier­ter Punkt sind neue Bla­sen. Güns­ti­ge Kre­di­te und tiefs­te Ren­di­ten trei­ben vie­le In­ves­to­ren in Wachs­tums­re­gio­nen wie Thai­land, Viet­nam oder Bra­si­li­en. Doch der Ka­pi­tal­zu­fluss ist nicht nur will- kom­men: Er heizt die Teue­rung an, löst Preis­bla­sen aus und treibt die hei­mi­schen Wäh­run­gen nach oben. Dar­um hat Bra­si­li­en den Ban­ken be­reits hö­he­re Re­ser­vean­for­de­run­gen für Short-Po­si­tio­nen in Dol­lar auf­er­legt. Doch ge­nügt das?

Ta­ten sind ge­fragt!

Fünf­tens: die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB). Seit der har­te Fran­ken den Schwei­zer Un­ter­neh­men zu­neh­mend zu schaf­fen macht, steckt sie in ei­nem Di­lem­ma. Die SNB ver­such­te be­reits, mit rie­si­gen In­ter­ven­tio­nen am De­vi­sen­markt die ei­ge­ne Wäh­rung zu schwä­chen – oh­ne Er­folg. Am En­de ern­te­te sie Kri­tik so­wie ei­nen Buch­ver­lust von mehr als 20 Mrd. Fr. In der letz­ten Wo­che ver­halft Rhe­to­rik zu ei­ner schwä­che­ren hel­ve­ti­schen Va­lu­ta: Wirt­schafts­ver­tre­ter und Ge­werk­schaf­ter tra­fen sich zum Kri­sen­gip­fel, und man­che Kom­men­ta­to­ren wärm­ten das The­ma der Ne­ga­tiv­zin­sen aus den Sieb­zi­ger­jah­ren wie­der auf. Wor­te wer­den aber kaum aus­rei­chen, um den Fran­ken nach­hal­tig zu zäh­men – Ta­ten wer­den fol­gen müs­sen.

Selbst nach dem ir­ri­gen Ab­ge­sang auf die Glo­ba­li­sie­rung ist die Welt­wirt­schaft ver­netz­ter denn je, die Ak­teu­re sind von­ein­an­der so ab­hän­gig wie noch nie. Un­ter den Prä­mis­sen um­sich­tig zu agie­ren, das ist die gros­se Her­aus­for­de­rung. Oder wie ein ge­stan­de­ner De­vi­sen­händ­ler die­ser Ta­ge mein­te: «Wie ein­fach war’s doch da­mals noch un­ter Bret­ton Woods.»

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.