Der dop­pel­te Aus­stieg

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - AST/BEG

Der dop­pel­te Exit: Re­gie­run­gen soll­ten die Sti­mu­lie­rungs­pro­gram­me be­en­den und No­ten­ban­ken den Aus­stieg aus der lo­cke­ren Geld­po­li­tik ins Au­ge fas­sen. Dar­über re­fe­rier­ten Nor­bert Wal­ter, ehe­ma­li­ger Chef­öko­nom der Deut­schen Bank, und Ot­mar Is­sing, frü­he­res Mit­glied des Di­rek­to­ri­ums und Chef­öko­nom der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Sie spra­chen am EFG Fi­nan­ci­al Pro­ducts Day am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag in Zü­rich.

«Der Aus­stieg aus den staat­li­chen Sti­mu­lus­pro­gram­men muss her», for­der­te Wal­ter. Die Haus­hal­te der west­li­chen Na­tio­nen lies­sen we­nig Spiel­raum für zu­sätz­li­che Mass­nah­men, und die Wirt­schaf­ten der Schwel­len­län­der sei­en na­he der Über­hit­zung und soll­ten in Bäl­de auf ei­ne re­strik­ti­ve­re Fis­kal­po­li­tik um­stel­len, um in­fla­tio­nä­re Ten­den­zen zu ver­mei­den.

Zu den Wachs­tums­aus­sich­ten für 2011 äus­ser­te sich Wal­ter skep­tisch. Die Er­ho­lung der Pe­ri­phe­rie­staa­ten der Eu­ro­zo­ne hin­ke hin­ter­her. Auch Nicht­mit­glie­der wie Un­garn und Gross­bri­tan­ni­en, de­ren Wäh­run­gen schwä­cher ge­wor­den sei­en, was den Ex­port sti­mu­lie­re, hät­ten Mü­he, sich aus der Re­zes­si­on zu lö­sen. Die Er­ho­lung der USA sen­de eben­falls ge­misch­te Si­gna­le. Wal­ter er­war­tet frü­hes­tens ab 2012 ein ge­sun­des Wachs­tum, das den Ab­bruch der Sti­mu­li er­mög­licht und so­mit die Nor­ma­li­sie­rung der Fis­kal­po­li­tik er­laubt.

Die Schweiz, Deutsch­land und Nor­we­gen, die ei­nen Über­schuss in der Leis- tungs­bi­lanz aus­wei­sen, soll­ten in na­her Zu­kunft ei­ne re­strik­ti­ve­re Fis­kal­po­li­tik im­ple­men­tie­ren. Die Über­schüs­se schwän­den durch den de­mo­gra­fi­schen Wan­del – das Glei­che gel­te spä­ter für Chi­na.

Der Aus­stieg steht auch für die Wäh­rungs­be­hör­den an. «Die No­ten­ban­ken be­fin­den sich nach wie vor im Kri­sen­ma­nage­ment», er­klär­te Is­sing. Zum Exit müs­se bei­spiels­wei­se das Fed den Leit­zins hin­auf­set­zen und die Ver­mö­gens­wer­te ver­kau­fen, die es im Rah­men der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung ge­kauft ha­be. «Das drückt die lang­fris­ti­gen Zin­sen nach oben und birgt In­fla­ti­ons­ge­fahr.»

Folgt dann so­gleich die nächs­te Bla­se? Is­sing wand­te sich ge­gen den so­ge­nann­ten Jack­son-Ho­le-Kon­sens, den er nach dem Ort ei­nes jähr­li­chen Tref­fens der welt­wei­ten No­ten­ban­ker be­nann­te. Zwar sei der Grund­satz des ehe­ma­li­gen Fed-Chefs Alan Gre­en­span kor­rekt: Die No­ten­bank soll kei­ne Ver­mö­gen­s­prei­se ins Vi­sier neh­men und kei­ne Bla­sen an­s­te­chen, doch sie muss den Leit­zins sen­ken und die Li­qui­di­tät aus­wei­ten, wenn ei­ne Bla­se platzt. Doch Is­sing fragt: «Ist das al­les?» Die­ser An­satz sei asym­me­trisch, des­halb sprä­chen Markt­teil­neh­mer vom Gre­en­span Put. Es müss­ten al­le re­le­van­ten Fak­to­ren ana­ly­siert wer­den, in­klu­si­ve Geld und Kre­dit. «Es gibt kei­ne Bla­se, die nicht von stei­gen­dem Geld-und Kre­dit­vo­lu­men be­glei­tet war. Die No­ten­bank muss sich ge­gen den Wind stel­len.»

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