Op­ti­mis­ti­sche Si­gna­le

Ste­ve Jobs nimmt krank­heits­hal­ber Aus­zeit – Ent­täu­schen­des Er­geb­nis von Del­ta Air Li­nes – Kei­ne Face­book-Ak­ti­en für US-An­le­ger

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - MI­SCHA STÜNZI

Am drit­ten Mon­tag im Ja­nu­ar ge­den­ken die USA je­weils des schwar­zen Bür­ger­recht­lers Mar­tin Lu­ther King. Wal­ls­treet blieb des­halb zum Wo­chen­start ge­schlos­sen. Trotz­dem für Schlag­zei­len ge­sorgt hat der IT-Kon­zern App­le (329.52 $ Er­öff­nungs­kurs am Di­ens­tag, –4,7% seit Don­ners­tag). CEO und Fir­men­grün­der Ste­ve Jobs nimmt sich ei­ne me­di­zi­ni­sche Aus­zeit von un­be­stimm­ter Dau­er. Wäh­rend sei­ner Ab­we­sen­heit wird sich Tim Cook, die Num­mer zwei des Kon­zerns, um das Ta­ges­ge­schäft küm­mern. Jobs bleibt aber CEO und wird in «die wich­ti­gen stra­te­gi­schen Un­ter­neh­mens­ent­schei­de in­vol­viert sein» (vgl. «Spot­light»). App­le hat zu­dem am Di­ens­tag nach Bör­sen­schluss sein Er­geb­nis des ers­ten Quar­tals vor­ge­legt. Doch ob­wohl die Ana­lys­ten ein Um­satz­plus ge­gen­über dem Vor­jahr von 55,6% auf 24,4 Mrd. $ und ein Ge­winn­wachs­tum von 48,7% auf 5 Mrd. $ er­war­tet hat­ten, büss­ten die Ak­ti­en im frü­hen Han­del rund 4% ein.

Eben­falls am Di­ens­tag nach Bör­sen­schluss hat der Tech­no­lo­gie­kon­zern In­ter­na­tio­nal Bu­si­ness Ma­chi­nes (IBM, 149.82 $, +0,7%) sein Jah­res­er­geb­nis 2010 prä­sen­tiert. Die Ana­lys­ten ha­ben mit ei­nem Pro­fit von 14,7 Mrd. $ ge­rech­net. Das wür­de ei­ner Stei­ge­rung ge­gen­über 2009 von 9,6% ent­spre­chen. Für die Ver­kaufs­zah­len er­war­te­te der Markt ei­nen mo­de­ra­ten An­stieg um 3,5% auf 99,1 Mrd. $. IBM lä­ge da­mit wei­ter­hin spür­bar hin­ter dem Er­geb­nis von 2008 zu­rück. Ins­ge­samt er­öff­ne­te Wal­ls­treet am Di­ens­tag leicht po­si­tiv. Der Dow Jo­nes In­dus­tri­al lag ge­gen Mit­tag 0,6% im Plus auf 11 855,53. Na­he­zu un­ver­än­dert no­tier­te der S&P500-In­dex auf 1293,86 und der Tech-In­dex Nas­daq Com­po­si­te auf 2757,27. Die Ver­öf­fent­li­chung des Em­pi­re Sta­te Ma­nu­fac­tu­ring Sur­vey, das Aus­kunft über die wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tät im Staat New York gibt, konn­te der Bör­se nicht den er­hoff­ten po­si­ti­ven Im­puls ge­ben. Der In­dex ist zwar seit De­zem­ber 2 Punk­te auf 11,9 ge­stie­gen, und po­si­ti­ve Wer­te ge­ben an, dass sich die wirt­schaft­li­che La­ge ver­bes­sert. Das Er­geb­nis fiel aber tie­fer aus als er­war­tet. Die Zu­kunfts­in­di­ka­to­ren da­ge­gen «zei­gen ein ho­hes Le­vel an Op­ti­mis­mus», hält der Be­richt fest. Be­son­ders die Pro­gno­sen zum Ar­beits­markt las­sen auf­hor­chen. So ga­ben mehr als die Hälf­te der be­frag­ten Un­ter­neh­men an, sie woll­ten 2011 neue Stel­len schaf­fen.

Auch ob der ver­öf­fent­lich­ten Un­ter­neh­mens­zah­len ver­moch­te an Wal­ls­treet kei­ne Eu­pho­rie aus­zu­bre­chen: An­ders als im Vor­jahr schloss Ci­ti­group (4.93 $, –2,2%) 2010 zwar mit ei­nem Über­schuss ab – 10,6 Mrd. $ ver­dien­te die Gross­bank über das ge­sam­te Jahr. Im vier­ten Quar­tal re­sul­tier­te ein Pro­fit von 1,3 Mrd. $ oder 4 Cent pro Va­lor. Da­mit liegt das Er­geb­nis aber un­ter den Markt­er­war­tun­gen von 8 Cent.

Ci­ti hin­ter den Er­war­tun­gen

In­di­zes New York Grund zur Sor­ge gibt zu­dem der ma­ge­re Um­satz. Im Ver­gleich zum Vor­quar­tal ist er 6% ge­fal­len. Die Ziel­vor­ga­be ist klar: «Wir ha­ben ei­ne Grund­la­ge ge­schaf­fen, auf der wir nach­hal­tig Ge­winn er­zie­len. Der nächs­te Schritt ist ver­nünf­ti­ges Wachs­tum», gibt CEO Vik­ram Pan­dit die Mar­sch­rich­tung vor (vgl. Sei­te 27).

Ent­täuscht hat eben­falls die Flug­ge­sell­schaft Del­ta Air Li­nes (12.49 $, –1%). Sie er­ziel­te im vier­ten Quar­tal ei­nen Ge­winn von le­dig­lich 19 Mio. $ oder 2 Cent pro Ak­tie. Im Vor­jahr muss­te sie in der glei­chen Pe­ri­ode ei­nen Ver­lust hin­neh­men. Oh­ne ein­ma­li­ge Aus­ga­ben be­trug der Über­schuss zwar 19 Cent je Ti­tel, lag da­mit aber im­mer noch deut­lich un­ter den er­war­te­ten 24 Cent. Aus­schlag­ge­bend für das schwa­che Er­geb­nis wa­ren ge­stie­ge­ne Kos­ten. Be­son­ders die Treib­stoff-und War­tungs­aus­ga­ben ha­ben mas­siv zu­ge­legt. Für die Zu­kunft dürf­te Del­ta mit der Über­nah­me von Nor­thwest Air­lines, ei­ner ver­bes­ser­ten Bi­lanz­struk­tur und neu­en Bu­si­ness-Class-Sit­zen ge­rüs­tet sein.

Wei­ter hat der Bro­ker Charles Schwab (18.48 $, –0,4%) die Quar­tals­zah­len vor­ge­legt. Der Ge­winn ist we­gen ei­ner ein­ma- li­gen re­gu­la­to­ri­schen Ab­ga­be ge­gen­über 2009 um 27% auf 119 Mio. $ ge­schrumpft. Oh­ne sie hät­te der Pro­fit 33% zu­ge­legt. Dank ei­nes über­zeu­gen­den Net­to­zu­flus­ses von Kun­den­gel­dern – 11 Mrd. $ wa­ren es im De­zem­ber, so viel wie seit knapp zwei Jah­ren nicht mehr – stieg aber der Um­satz 14% auf 1,1 Mrd. $. Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Charles Schwab ist über­zeugt, die neue Stra­te­gie, sich nicht nur auf «we­ni­ge Rei­che» zu kon­zen­trie­ren, wer­de sich wei­ter aus­be­zah­len.

Am Di­ens­tag hat der chi­ne­si­sche Prä­si­dent Hu Jin­tao sei­nen Staats­be­such in den USA mit ei­nem Tref­fen mit Amts­kol­le­ge Ba­rack Oba­ma be­gon­nen. Ne­ben Ko­rea wird das Ge­sprächs­the­ma Num­mer eins wohl der schwe­len­de Wäh­rungs­kon­flikt sein. Ge­mäss Nach­rich­ten­agen­tur Reuters gab es im Vor­feld Pro­vo­ka­tio­nen von bei­den Sei­ten: Ei­ne Grup­pe von US-Se­na­to­ren liess am Mon­tag ver­lau­ten, es sei an der Zeit, dass der Kon­gress et­was ge­gen Chi­nas un­lau­te­re Wäh­rungs­po­li­tik un­ter­neh­me. Hu sei­ner­seits be­zeich­ne­te am Vor­abend des Be­suchs das Dol­lar ba­sier­te Wäh­rungs­sys­tem als ver­al­tet. In ei­nem In­ter­view mit US-Me­di­en stell­te er aber auch klar: «Wir soll­ten die Men­ta­li­tät des Kal­ten Kriegs auf­ge­ben. Das ist ein Null­sum­men­spiel.»

Ame­ri­ka­ni­sche In­ves­to­ren wer­den vo­r­erst kei­nen Zu­gang zu Face­book-Ak­ti­en er­hal­ten. Die Gross­bank Gold­man Sachs (174.75 $, +1,9%) hat be­schlos­sen, die Ti­tel nur Kun­den aus­ser­halb der USA zu­gäng­lich zu ma­chen. Als Grund nann­te sie das gros­se me­dia­le In­ter­es­se. Ex­per­ten, wie der ehe­ma­li­ge Chef der US-Bör­sen­auf­sicht SEC Har­vey Pitt, se­hen den ei­gent­li­chen Grund eher in der dro­hen­den Un­ter­su­chung der SEC. Gold­man Sachs hat­te ge­plant, über ein In­vest­ment­ve­hi­kel zu ver­hin­dern, dass Face­book in Zu­kunft als öf­fent­li­ches Un­ter­neh­men gilt und so­mit Quar­tals­er­geb­nis­se pu­bli­zie­ren muss. Die SEC hat­te be­reits an­ge­kün­digt, die­ses Vor­ge­hen ge­nau un­ter die Lu­pe zu neh­men.

GM mit Rück­ruf­ak­ti­on

Der Ka­bel­netz­be­trei­ber Com­cast (22.76 $, +1%) wird vor­aus­sicht­lich den Un­ter­hal­tungs­kon­zern NBC Uni­ver­sal über­neh­men dür­fen. Das «Wall Street Jour­nal» be­rich­te­te ge­stützt auf In­si­der­quel­len, die USKom­mu­ni­ka­ti­ons­kom­mis­si­on FCC er­tei­le schon bald ih­re Zu­stim­mung. Das OK des Jus­tiz­de­par­te­ments wer­de we­nig spä­ter fol­gen. Com­cast will 51% des zur­zeit vom In­dus­trie­rie­sen Ge­ne­ral Electric (18.98 $, +2%) ge­hal­te­nen Kon­zerns ak­qui­rie­ren. NBC Uni­ver­sal be­treibt ne­ben TV-Sen­dern und Film­stu­di­os auch di­gi­ta­le Me­di­en und Frei­zeit­parks. Ob­schon die zi­tier­te Qu­el­le da­von aus­ge­gan­gen ist, dass der po­si­ti­ve Ent­scheid bis Di­ens­tag fal­len könn­te, wur­de bis Re­dak­ti­ons­schluss nichts Of­fi­zi­el­les be­kannt.

Der erst kürz­lich an die Bör­se zu­rück­ge­kehr­te Au­to­bau­er Ge­ne­ral Mo­tors (38.05 $, –0,6%) muss sei­ne im De­zem­ber ge­star­te­te Rück­ruf­ak­ti­on mas­siv aus­bau­en. Ein Pro­blem mit der Hin­ter­ach­se be­trifft nicht, wie zu­erst an­ge­nom­men, nur 1262 Fahr­zeu­ge, son­dern über 26 000. Der Spre­cher von GM zeig­te sich al­ler­dings zu­ver­sicht­lich, dass da­mit nun al­le feh­ler­haf­ten Au­tos iden­ti­fi­ziert sei­en.

Dem Ta­king Pri­va­te des Mo­de­ein­zel­händ­lers J. Cr­ew (43.51 $, –0,8%) durch die Pri­va­te-Equi­ty-Ge­sell­schaf­ten TPG Ca­pi­tal und Leo­nard Gre­en & Part­ners soll bald nichts mehr im Weg ste­hen. Die Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg zi­tier­te In­si­der­quel­len da­hin­ge­hend, dass J. Cr­ew kurz da­vor­ste­he, ei­nen Rechts­streit mit Ak­tio­nä­ren bei­zu­le­gen. Dem­nach wer­de die Frist ver­län­gert, in der ein Kon­kur­renz­an­ge­bot zur be­ste­hen­den Of­fer­te von 43.50 $ je Ak­tie oder ins­ge­samt 3 Mrd. $ ein­ge­reicht wer­den kann. Ran­dal Ko­nik, Ana­lyst von Jef­fe­ries & Co., sag­te al­ler­dings ge­gen­über Bloom­berg, er rech­ne nicht mit ei­ner wei­te­ren Ein­ga­be.

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