App­les Wachs­tums­mo­tor läuft auch oh­ne Jobs

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FH

App­le muss im Ta­ges­ge­schäft vo­r­erst oh­ne Ste­ve Jobs (Bild) aus­kom­men. Am Mon­tag er­klär­te der 55-jäh­ri­ge CEO in ei­nem in­ter­nen Mail, den Ver­wal­tungs­rat aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den um ei­ne Aus­zeit er­sucht zu ha­ben. Un­ter wel­chen Pro­ble­men er kon­kret lei­det, wur­de bis­lang nicht pu­blik. Es wird an­ge­nom­men, dass es sich um Spät­fol­gen sei­ner Krebs­er­kran­kung han­delt, die ihn schon zwei­mal zu ei­ner Pau­se ge­zwun­gen hat­te.

An die Kon­zern­spit­ze rückt er­neut COO (Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer) Tim Cook. Der 50-jäh­ri­ge US-Ame­ri­ka­ner hat sich be­reits mehr­fach als Trou­ble­shoo­ter be­währt: Er sprang in die Bre­sche, als sich Jobs 2004 den Bauch­spei­chel­drü­sen­krebs ope­rie­ren liess. Auch über­nahm er sou­ve­rän die Füh­rung, wäh­rend Jobs von Ja­nu­ar bis Ju­ni 2009 ab­we­send war, um sich ei­ner Le­ber­trans­plan­ta­ti­on zu un­ter­zie­hen.

Trotz­dem re­agier­te der Ak­ti­en­markt ner­vös. Nie­mand hat mehr zum ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg des Tech­no­lo­gie­kon­zerns bei­ge­tra­gen als der cha­ris­ma­ti­sche Jobs. Am Di­ens­tag­mor­gen – die US-Bör­sen blie­ben am Mon­tag fei­er­tags­be­dingt ge­schlos­sen – star­te­ten die Va­lo­ren mit ei­nem Mi­nus von rund 4% in den Han­del.

Die Aus­zeit von Jobs darf An­le­ger aber nicht ver­un­si­chern. Ei­ner­seits hat sich sei­ne Rol­le als un­ver­zicht­ba­re Leit­fi­gur be­reits wäh­rend der letz­ten Ab­senz re­la­ti­viert. An­de­rer­seits wird er wei­ter­hin die Kon­zern­stra­te­gie prä­gen. Zu­dem dürf­ten neue Pro­duk­te wie das iPad 2 oder iPho­ne 5 so weit ge­die­hen sein, dass ih­rer Markt­lan­cie­rung nichts mehr im We­ge steht.

Wich­ti­ger scheint die zen­tra­le Fra­ge, ob die App­le-Va­lo­ren aus­ge­reizt sind oder nicht – seit ih­rem letz­ten Tief im Früh­jahr 2009 ha­ben sie ei­nen enor­men Kurs­an­stieg hin­ge­legt, sich mehr als ver­vier­facht und App­le da­mit zum zweit­teu­ers­ten Bör­sen­kon­zern der Welt ge­macht.

Zur­zeit wei­sen die Va­lo­ren ein Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) 2011 von 17 auf. Be­rück­sich­tigt man die enor­me Net­to­li­qui­di­tät pro Ak­tie, ver­rin­gert sich – un­ter Ab­zug der ent­gan­ge­nen Zins­ein­nah­men – das KGV auf 14. An­ge­sichts der do­mi­nan­ten Markt­stel­lung und ho­hen Wachs­tums­chan­cen des Kon­zern sind App­le da­mit nicht zu teu­er. Zu den Fak­to­ren, die den Wachs­tums­mo­tor am Lau­fen hal­ten, zählt ne­ben dem iPad auch das iPho­ne 4: Das Smart­pho­ne dürf­te neu­en Schwung er­hal­ten, wenn Ve­ri­zon im Fe­bru­ar das US-Ver­triebs­mo­no­pol von AT&T knackt.

We­nig plau­si­bel sind Be­fürch­tun­gen, wo­nach Cook in ab­seh­ba­rer Zeit App­le ver­las­sen könn­te. Laut In­si­dern ha­ben so­wohl Mo­to­ro­la wie auch Dell den ver­dien­ten Ma­na­ger schon frü­her um­garnt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.