Auf Kurs zu ei­ner See­macht

AKTIENEXPOSÉ Rong­s­heng Hea­vy In­dus­tries ist Chi­nas gröss­te pri­va­te Werft – Nach ent­täu­schen­dem IPO in Hong­kong auf Auf­hol­jagd

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - THO­MAS PENTSY

Mehr­mals hin­aus­ge­scho­ben – und trotz­dem nicht gut ge­star­tet. Ur­sprüng­lich woll­te sich Chi­na Rong­s­heng Hea­vy In­dus­tries den In­ves­to­ren an der Bör­se Hong­kong schon 2008 öff­nen. Die Pu­bli­kums­öff­nung von Chi­nas gröss­tem pri­va­ten Werft­un­ter­neh­men muss­te aber auf­grund der Welt­wirt­schafts­kri­se mehr­mals ver­scho­ben wer­den. Im ver­gan­ge­nen No­vem­ber konn­te die in Schang­hai do­mi­zi­lier­te Rong­s­heng dann end­lich den Bör­sen­gang durch­zie­hen.

Mit ei­nem Emis­si­ons­er­lös von 1,8 Mrd. $ war es 2010 ei­nes der gröss­ten In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­rings (IPO) in Hong­kong. Die Ein­nah­men aus dem Go­ing Pu­b­lic wer­den un­ter an­de­rem für den Bau ei­nes vier­ten Tro­cken­docks in Nan­tong ver­wen­det. Doch An­le­ger, die die Ti­tel zu ei­nem Emis­si­ons­preis von 8 HK-$ ge­zeich­net hat­ten, dürf­ten als­bald leer ge­schluckt ha­ben: En­de De­zem­ber ver­kehr­ten Rong­s­heng 20% un­ter dem Aus­ga­be­kurs.

Von Pe­king un­ter­stützt

Seit­her ha­ben die Ti­tel aber kräf­tig an­ge­zo­gen. Ge­gen­über dem Jah­res­ul­ti­mo 2010 ha­ben sie gut 22% ge­won­nen und no­tie­ren nun knapp über dem Emis­si­ons­kurs. Werftak­ti­en ste­hen und fal­len mit dem Auf­trags­be­stand – und mit Blick dar­auf hat Rong­s­heng ei­ni­ges zu bie­ten. Mit 6,4 Mrd. $ En­de No­vem­ber re­spek­ti­ve ei­ner Ge­samt­ton­na­ge von 16,2 Mio. De­ad Weight Ton­nes (dwt) hat der Schiff­bau­er ge­mäss dem chi­ne­si­schen Fi­nanz­haus BOC In­ter­na­tio­nal und Clark­son, dem füh­ren­den Mak­ler und Di­enst­leis­ter für die Schiff­fahrts­bran­che, das zweit­gröss­te Auf­trags­buch al­ler chi­ne­si­schen Werf­ten. Ent­spre­chend gut ist die Ge­winn­vi­si­bi­li­tät für das lau­fen­de und das kom­men­de Jahr. Bro­ker­häu­ser er­war­ten auch, dass Chair­man Zhi Rong Zhang Rong­heng auf Er­folgs­kurs. Rong­s­heng 2011 wei­te­re lu­kra­ti­ve Auf­trä­ge an Land zie­hen wird.

Da­für spre­chen un­ter an­de­rem die gu­ten Be­zie­hun­gen des erst im Ok­to­ber 2005 ge­grün­de­ten Un­ter­neh­mens zu Chi­nas Staat­li­cher Kom­mis­si­on für Ent­wick­lung und Re­form (Na­tio­nal De­ve­lop­ment and Re­form Com­mis­si­on, NDRC). Als ein­zi­ger pri­va­ter Schiff­bau­er hat Rong­s­heng von der NDRC die Er­laub­nis er­hal­ten, Schif­fe mit ei­ner Ton­na­ge von mehr als 100 000 dwt zu bau­en. Die NDRC för­dert Chi­nas Wert­in­dus­trie vor al­lem mit Blick auf die na­tio­na­le Ener­gie­ver­sor­gung. In die­sem Be­reich un­ter­hält Rong­s­heng gu­te Ver­bin­dun­gen et­wa zum chi­ne­si­schen Erd­öl­rie­sen CNOOC und zum bra­si­lia­ni­schen Ei­sen­erz­för­de­rer Va­le. Rong­s­heng ist fünf Jah­re nach der Un­ter­neh­mens­grün­dung mit ei­nem Markt­an­teil von 25% be­reits die welt­weit gröss­te Werft für die Schiff­klas­se Ve­ry-Lar­ge Ore Car­ri­er ( VLOC) und bei Su­ez­max-Tan­kern die zweit­gröss­te nach Samsung Hea­vy In­dus­tries aus Süd­ko­rea.

In den nächs­ten Jah­ren will Rong­s­heng das Seg­ment für die Schiff­klas­se Ve­ry-Lar­ge Cru­de Car­ri­er ( VLCC), für den Trans­port von Flüs­si­gerd­gas (Li­que­fied Na­tu­ral Gas, LNG) und FPSO-Schif­fe (Floa­ting Pro­duc­tion, Sto­r­a­ge und Of­floa­ding) aus­bau­en. FPSO-Schif­fe för­dern Öl und Gas über ei­ne Pum­pe am See­bo­den, ver­ar­bei­ten es in An­la­gen an Deck und la­gern es in Tanks im Rumpf. Das Roh­öl wird von Tan­kern ab­ge­holt. Die­se Wachs­tums­stra­te­gie setzt dar­auf, dass Pe­king die Off­s­hor­e­för­de­rung von Öl und Gas er­heb­lich vor­an­treibt.

At­trak­tiv be­wer­tet

Das US-Bro­ker­haus Mor­gan St­an­ley pro­gnos­ti­ziert, dass Chi­na in den nächs­ten drei bis fünf Jah­ren Auf­trä­ge zum Bau von 55 bis 65 VLCC-Tan­kern, 35 bis 45 LNG-Car­ri­ern so­wie 35 bis 45 FPSO-Schif­fen ver­ge­ben wird. Nicht zu­letzt fes­tigt Rong­s­heng ih­re Markt­stel­lung im ma­ri­ti­men In­dus­trie­be­reich wie die Schiffs­mo­to­ren­pro­duk­ti­on und er­wei­tert die Ka­pa­zi­tät zur Her­stel­lung von Schiffs­krä­nen. Im Be­reich der Schiffs­die­sel­mo­to­ren ko­ope­rie­ren die Chi­ne­sen als Li­zenz­neh­mer mit MAN aus Deutsch­land und Wärts­i­lä aus Finn­land.

Mit ei­nem KGV von 11 und ei­nem Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis von 3 für 2011 sind Rong­s­heng tie­fer be­wer­tet als an­de­re chi­ne­si­sche Werft­ti­tel wie die in Sin­ga­pur ko­tier­ten Cosco Corp Sin­ga­po­re (P/E von 21) und Yang­zi­jiang Ship­buil­ding (P/E von 13) oder die in Schang­hai ge­han­del­ten Chi­na Ship­buil­ding In­dus­try (P/E von 29). Da der Kon­zern an der Bör­se noch kei­nen Leis­tungs­aus­weis hat, ist ein Ab­schlag ge­recht­fer­tigt. Ge­mes­sen am ver­gleichs­wei­se brei­te­ren Pro­dukt­mix ist der Dis­count in An­be­tracht des vol­len Auf­trags­buchs und der gu­ten Wachs­tums­chan­cen aber zu hoch. An­le­ger, die beim mit­un­ter ho­hen Wel­len­gang der Ree­de­rei-und Werftak­ti­en nicht gleich see­krank wer­den, en­ga­gie­ren sich auf dem ge­drück­ten Be­wer­tungs­ni­veau als Lang­zeit­in­ves­to­ren in ein auf­stre­ben­des Un­ter­neh­men.

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