Un­voll­ende­ter Gip­fel­sturm

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - DM,

Noch nicht voll­endet – so scheint die Kar­rie­re des künf­ti­gen Fi­nanz­chefs des Phar­ma­rie­sen Ro­che zu sein. Der ge­bür­ti­ge Darm­städ­ter Alan Hip­pe, 44 Jah­re jung, hat ei­ne ful­mi­nan­te Lauf­bahn hin­ter sich. Seit ei­ni­ger Zeit ka­men die Din­ge für ihn al­ler­dings an­ders als er­war­tet. Hip­pe, der am Ka­pi­tal­markt und un­ter Ana­lys­ten ei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf ge­niesst, hat zu­letzt beim Werk­stoff-und Tech­no­lo­gie­kon­glo­me­rat Thys­sen-Krupp die Fi­nan­zen ver­ant­wor­tet und ist dort ei­gent­lich un­ter Ver­trag bis En­de März 2014. Die Kün­di­gung auf ei­ge­nen Wunsch und der Wech­sel zu Ro­che hin­gen da­mit zu­sam­men, dass er nicht Chef des Tra­di­ti­ons­kon­zerns wer­den konn­te, heisst es in Frank­furt.

Der Va­ter zwei­er Kin­der war erst am 1. April 2009 zu Thys­sen-Krupp ge­stos­sen. Dort mach­te er sich Hoff­nun­gen, den al­ters­hal­ber am 21. Ja­nu­ar aus dem Amt schei­den­den Ek­ke­hard Schulz an der Kon­zern­spit­ze be­er­ben zu kön­nen. Doch Thys­sen-Krupp-Chef­kon­trol­leur Gerhard Crom­me hol­te den mit der Schweiz eng ver­bun­de­nen Sie­men­sMa­na­ger Hein­rich Hie­sin­ger als neu­en Lot­sen ins Boot. Die «Süd­deut­sche Zei­tung» zi­tier­te Crom­me, Kan­di­da­ten aus dem ei­ge­nen Hau­se hät­ten Vor­rang, aber auch, der Bes­se­re sei der Feind des Gu­ten. Hip­pe selbst sagt über sich, vor Über­ra­schun­gen sei man nie si­cher. Wich­tig sei, sich auf das Ent­schei­den­de zu fo­kus­sie­ren. Das hat er ge­macht. Mit ihm er­hält Ro­che-Chef Se­ve­rin Schwan nun ei­nen Ma­na­ger, der nicht nur Zah­len­kom­pe­tenz, son­dern auch Sa­nie­rungs-und Re­struk­tu­rie­rungs­er­fah­rung mit sich bringt und sich durch sei­ne Ka­pi­tal­marktaf­fi­ni­tät aus­zeich­net (vgl. Sei­te 19). Hip­pe gilt als sehr ehr­gei­zi­ger Ma­na­ger. Er­reicht er ein Ziel nicht, legt er neue Prio­ri­tä­ten fest. Als Schü­ler war er in der deut­schen Ju­nio­ren-Schwim­mNa­tio­nal­mann­schaft, wo er, wie er sagt, hart zu ar­bei­ten ge­lernt und er­kannt hat, dass man mit Dis­zi­plin ei­ne Men­ge er­rei­chen kann. Da ein Olym­pia­sieg uto­pisch schien, steck­te er sei­ne Ener­gie in die Aus­bil­dung. Er stu­dier­te Be­triebs­wirt­schaft in Darm­stadt und Tou­lon und pro­mo­vier­te 1997 über «In­ter­de­pen­den­zen von Stra­te­gie und Con­trol­ling in Un­ter­neh­mens­netz­wer­ken». Da­nach bau­te er in Frank­furt bei ei­nem Ge­bäu­de­dienst­leis­ter ein zeit­ge­mäs­ses Con­trol­ling auf. Der Be­trei­ber des Flug­ha­fens Frank­furt – Fra­port – heu­er­te ihn an, und Hip­pe be­glei­te­te des­sen Teil­pri­va­ti­sie­rung 2001.

Im Ju­ni 2002 hol­te ihn dann der Au­to­zu­lie­fe­rer Con­ti­nen­tal. Mit dem Wie­der­auf­stieg der Con­ti in den Leit­in­dex Dax wur­de Hip­pe der jüngs­te Dax-Fi­nanz­chef. Er fiel durch ge­ziel­ten Schul­den­ab­bau, die Fi­nan­zie­rung gros­ser Ex­pan­sio­nen und ge­naue Pro­gno­sen auf, schaff­te aber auch die Sa­nie­rung des US-Rei­fen­ge­schäfts. Doch der Gip­fel blieb ihm ver­wehrt. Hip­pe hielt zu Con­ti-Chef Man­fred Wen­ne­mer, der im Jahr 2008 die feind­li­che Über­nah­me durch Scha­eff­ler ab­lehn­te und En­de Au­gust 2008 den Hut nahm. Hip­pe wur­de «nur» Vi­ze-Vor­stands­chef, En­de Fe­bru­ar 2009 ging er. Hannover dank­te ihm für «her­aus­ra­gen­de Ver­diens­te» in ent­schei­den­den Pha­sen. Ent­schei­de dich für dei­ne Lei­den­schaft und für das, was wirk­lich Spass macht, ist ein Mot­to Hip­pes. Die In­ves­to­ren be­grüss­ten ihn am Mon­tag mit ei­nem Kurs­plus von 1,6% in Ro­che GS.

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