Mi­gros Bank ern­tet

Spar­ef­fekt dank neu­er In­for­ma­tik – Ein Vier­tel mehr Ge­winn

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - RE­TO GY­SI VON WART­BURG

«Die Mi­gros Bank hat sich von der Blü­te über die Frucht zur Ern­te ent­wi­ckelt»: So lei­te­te Ha­rald Ned­wed, Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­lei­tung, die Prä­sen­ta­ti­on des Jah­res­er­geb­nis­ses ein. Die Zah­len sind her­vor­ra­gend. Der Brut­to­ge­winn ver­bes­ser­te sich 24% auf 315 Mio. Fr., der um die Ali­men­tie­rung der Re­ser­ven für all­ge­mei­ne Ban­k­ri­si­ken be­rei­nig­te Ge­winn so­gar 27% auf 216 Mio. Fr. (vgl. Ta­bel­le).

Ins Au­ge sticht der deut­lich rück­läu­fi­ge Ge­schäfts­auf­wand, wo­bei ein Ba­sis­ef­fekt zum Tra­gen kommt. Die Sach­kos­ten fie­len 27% oder 41 Mio. Fr. nied­ri­ger aus, weil der Wech­sel der In­for­ma­tik auf Fin­no­va im Vor­jahr ho­he Ein­mal­kos­ten ver­ur­sacht hat­te. Die Bank konn­te je­doch dank der neu­en Platt­form schon im Be­richts­jahr «be­trächt­li­che Ein­spa­run­gen» rea­li­sie­ren – es ist so­zu­sa­gen Ern­te­zeit.

Zins­ri­si­ko zahlt sich aus

Zum über­zeu­gen­den Er­geb­nis trug im Wei­te­ren der Zins­sal­do bei (+3% oder 16 Mio. Fr.). Die Mi­gros Bank führt die Ver­bes­se­rung in ers­ter Li­nie auf das Wachs­tum des Hy­po­the­kar­vo­lu­mens (+4,4% auf 26,1 Mrd. Fr.) zu­rück. Auch hier zah­len sich die In­ves­ti­tio­nen des In­sti­tuts aus. Im Zug der 2008 ge­star­te­ten Fi­li­al­ex­pan­si­on wur­den bis­lang 14 Stand­or­te er­öff­net, was für Ned­wed der wich­tigs­te Trei­ber des Aus­lei­hungs­vo­lu­mens war.

Nicht zu un­ter­schät­zen ist auch der Ein­fluss der Ab­si­che­rungs­ge­schäf­te auf das Zin­s­er­geb­nis, wor­über die Mi­gros Bank nicht im De­tail in­for­miert. Ned­wed sag­te le­dig­lich, er rech­ne nicht mit ei­ner we­sent­li­chen Zins­stei­ge­rung 2011 und sei der Mei­nung, dass «ei­ne ge­wis­se Fris­ten­trans­for­ma­ti­on zu den volks­wirt­schaft­li­chen Auf­ga­ben ei­ner Bank ge­hört». Die Mi­gros Bank tra­ge ein «ge­wis­ses Zins­ri­si­ko». Dar­aus lässt sich ab­lei­ten, dass das In­sti­tut ei­ne of­fen­si­ve­re Ab­si­che­rungs­po­li­tik als an­de­re Re­tail­ban­ken ver­folgt.

40% mehr Klein­kre­di­te

Im Be­richts­jahr zahl­te sich die­se Stra­te­gie aus. Ob sich al­ler­dings die Am­bi­ti­on der Bank er­füllt, im lau­fen­den Jahr ei­nen Brut­to­ge­winn in Re­kord­hö­he (Best­mar­ke: 321 Mio. Fr. aus dem Jahr 2003) zu er­wirt­schaf­ten, dürf­te mass­geb­lich von der Zins­ent­wick­lung ab­hän­gen. Für wei­te­res Vo­lu­men­wachs­tum ist je­den­falls ge­sorgt. Das Ver­triebs­netz wird auch 2011 um fünf Fi­lia­len in Bul­le, Lenz­burg, Wä­dens­wil, Burg­dorf und La Chaux-deFonds er­wei­tert, in Dis­kus­si­on ist zu­dem ein Stand­ort in Mei­len.

Das Ge­schäft mit Klein­kre­di­ten, das die Mi­gros Bank seit Früh­jahr 2010 for­ciert, ent­wi­ckelt sich eben­falls sehr gut. Das Aus­lei­hungs­vo­lu­men nahm 40% auf 805 Mio. Fr. zu. Die Mi­gros Bank ist dank ih­rer Preis­of­fen­si­ve, Kon­sum­kre­di­te sind ab 5,9% zu ha­ben, hin­ter der GE Mo­ney Bank und der Bank Now zur Num­mer drei im Markt auf­ge­stie­gen. Ihr Markt­an­teil be­trägt mitt­ler­wei­le über 10%.

Das durch­schnitt­li­che Vo­lu­men ei­nes neu ver­ge­be­nen Kon­sum­kre­dits liegt zwi­schen 20 000 und 25 000 Fr. Als Preis­füh­re­rin kann sich die Mi­gros Bank nach ei­ge­nen An­ga­ben die gu­ten Ri­si­ken her­aus­pi­cken. Des­halb sei die Aus­fall­ra­te auf das Klein­kre­dit­port­fo­lio mit 0,5% nied­rig, er­klär­te Ned­wed. Im Bran­chen­ver­gleich gäl­ten Aus­fäl­le von 1% als «welt­meis­ter­lich», 2 bis 2,5% sei­en nicht un­ge­wöhn­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.