Die Pen­si­ons­bran­che muss bes­ser wer­den

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - TH

Die be­ruf­li­che Vor­sor­ge der Schweiz ist ge­setz­lich de­zen­tral auf Stu­fe je­des Ar­beit­ge­bers zu ge­währ­leis­ten und gleicht auf­grund der Vor­schrift so­zi­al­part­ner­schaft­li­cher Steue­rung in vie­len Aspek­ten der sonst längst über­hol­ten Selbst­ver­wal­tung. Weil selbst ge­führ­te Struk­tu­ren auch an­ar­chis­ti­sche Ten­den­zen ent­wi­ckeln kön­nen, wird dem Mul­ti­mil­li­ar­den­ge­schäft der Al­ters­vor­sor­ge ei­ne ste­tig dich­ter wer­den­de be­hörd­li­che Re­gu­lie­rung über­ge­stülpt.

Die bis Fe­bru­ar dau­ern­de Ver­nehm­las­sung er­wei­ter­ter Be­stim­mun­gen (BVGStruk­tur­re­form) hat die Pen­si­ons­bran­che in Ra­ge ge­bracht. Ver­bands­di­rek­tor Han­spe­ter Kon­rad kri­ti­siert, die zu­sätz­li­chen Be­stim­mun­gen «he­bel­ten die so­zi­al­part­ner­schaft­li­che Füh­rung» der Vor­sor­ge­wer­ke aus. Den Re­vi­si­ons­stel­len wür­den sys­tem-und ge­set­zes­wid­rig wei­te­re Kom­pe­ten­zen über­tra­gen, in­dem bei­spiels­wei­se In­ter­es­sen­kon­flik­te ih­nen statt dem Stif­tungs­rat dar­ge­legt wer­den müss­ten.

Le­dig­lich «Be­ru­hi­gungs­pil­le»

Der Ver­band be­kämp­fe zu­dem die Ab­sicht, den Hand­lungs­spiel­raum der Ar­beit­ge­ber-und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter in den Füh­rungs­or­ga­nen ein­zu­schrän­ken, et­wa in Be­zug auf Ver­zin­sungs­ent­schei­de. «Vie­le der neu­en Vor­ga­ben, bei­spiels­wei­se sol­che für Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen, lie­gen nicht im In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten oder trei­ben le­dig­lich die Ad­mi­nis­tra­ti­ons­kos­ten in die Hö­he», sagt Kon­rad. Viel­fach sei­en es eher «Be­ru­hi­gungs­pil­len» als wirk­sa­me Mass­nah­men zur Ver­hin­de­rung von Fehl­ver­hal­ten. Die vom Ver­band ins Spiel ge­brach­te Char­ta zur Loya­li­tät und In­te­gri­tät der Ver­ant­wort­li­chen wä­re kos­ten­güns­ti­ger und wir­kungs­vol­ler.

Die be­vor­ste­hen­de Re­gu­lie­rungs­ver­schär­fung sieht zu­dem ei­ne Pro­dukt­auf­sicht vor für die ein­zig den Pen­si­ons­kas­sen zu­gäng­li­chen Fonds der An­la­gestif­tun­gen. Dies sei «ver­fehlt und al­len­falls gar rechts­wid­rig», mo­niert Richard Hun­zi­ker, Prä­si­dent des An­la­gestif­tungs­ver­bands: «Die Beur­tei­lung von An­la­ge­ri­si­ken ist nicht Auf­ga­be der Auf­sicht, son­dern der Füh­rungs­or­ga­ne der Kas­sen.» Ei­ne Vor­prü­fung von An­trä­gen an die An­le­ger­ver­samm­lung durch die Auf­sicht und die Pflicht zur Ge­neh­mi­gung neu­er An­la­ge­pro­duk­te schrän­ke un­nö­tig ein.

Die vor­ge­schla­ge­ne Struk­tur­re­form wol­le die Auf­sicht ver­stär­ken, oh­ne aber zu­gleich auch die Ei­gen­ver­ant­wor­tung der Vor­sor­ge­trä­ger an­zu­ge­hen, be­merkt da­zu Erich Pe­ter, Chef des zür­che­ri­schen Auf­sichts­am­tes. Halb­her­zig­kei­ten er­kennt er be­son­ders im Vor­ge­hen zur Prü­fung von Loya­li­tät und In­te­gri­tät in­vol­vier­ter Per­so- nen und im Ver­bot von Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen durch Kas­sen, die zwar voll ge­deckt sind, aber un­voll­stän­di­ge Wert­schwan­kungs­re­ser­ven auf­wei­sen (so­ge­nann­te ein­ge­schränk­te Ri­si­ko­fä­hig­keit). Der Nut­zen der ge­plan­ten zen­tra­len Ober­auf­sicht wür­de ihr Kos­ten­bud­get von jähr­lich 7 Mio. Fr. nicht recht­fer­ti­gen.

Ren­ten mit Per­for­man­ce­teil

Um die Ver­si­cher­ten­in­ter­es­sen zu schüt­zen, soll­ten die Ver­ant­wort­li­chen der ver­blie­be­nen 2000 Pen­si­ons­kas­sen kon­struk­tiv agie­ren. Das Ober­ziel op­ti­ma­ler Geld­leis­tun­gen un­ter Bei­be­hal­tung des fi­nan­zi­el­len Gleich­ge­wichts sei leich­ter zu er­rei­chen, wenn die Rent­ner an der Schwan­kung des An­la­ge­er­trags – nach un­ten wie nach oben – par­ti­zi­pier­ten, sag­te Swis­scan­to-Ver­tre­ter Oth­mar Si­me­on ver­gan­ge­ne Wo­che am In­for­ma­ti­ons­tag der Zürcher Auf­sichts­be­hör­de.

Die Lö­sung lie­ge in der Auf­tei­lung der Ren­te in ei­nen fi­xen Ba­sis­teil – bei­spiels­wei­se zum Um­wand­lungs­satz von 5,8% – und ei­nen vom ef­fek­ti­ven Er­trags­ver­lauf ab­hän­gen­den Per­for­man­ce­teil. Da­mit wür­de das pro­blem­be­la­de­ne The­ma der Ren­ten­be­rech­nung und der Ren­ten­ga­ran­tie in ei­ner für al­le An­spruchs­grup­pen kor­rek­ten Wei­se dau­er­haft ge­löst.

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