«Sich al­lein auf den Preis ab­zu­stüt­zen, wä­re ein Feh­ler»

AMEET MALLIK Der Lei­ter Bio­phar­maceu­ti­cals von San­doz er­war­tet, dass Bio­si­mi­lars bis zu 50% güns­ti­ger sein wer­den als das Re­fe­renz­pro­dukt

Finanz und Wirtschaft - - Z - IN­TER­VIEW: FRP, MA

Herr Mallik, mit wie vie­len Kon­kur­ren­ten rech­nen Sie im Bio­si­mi­lar-Seg­ment? We­gen der re­la­tiv ho­hen Ein­tritts­bar­rie­ren er­war­ten wir nur mäs­si­gen Wett­be­werb. Bei mo­no­k­lo­na­len An­ti­kör­pern rech­nen wir mit nicht mehr als drei bis fünf An­bie­tern, je nach re­gu­la­to­ri­schen und tech­ni­schen An­for­de­run­gen. Bei sim­ple­ren Mo­le­kü­len könn­ten es auch mehr wer­den.

Er­war­ten Sie, dass ei­ni­ge Wett­be­wer­ber schei­tern wer­den? Nicht al­le An­bie­ter wer­den sich durch­set­zen kön­nen. Der Er­folg hängt stark von den In­ves­ti­tio­nen und dem Fach­wis­sen ab. So­gar wenn das nö­ti­ge Ent­wick­lungs­und Pro­duk­ti­ons-Know-how vor­han­den ist, ist ei­ne fo­kus­sier­te und gut ko­or­di­nier­te Or­ga­ni­sa­ti­on es­sen­zi­ell. Ei­ni­ge Ori­gi­nal­her­stel­ler stei­gen erst jetzt in die Ent­wick­lung ein. Da­mit sind sie spät dran und hin­ken San­doz, Lon­za/Te­va und Ho­s­pi­ra hin­ter­her. Am erns­tes­ten scheint es Merck zu sein, ge­folgt von Pfi­zer.

Wer wird am er­folg­reichs­ten sein? Ei­ne star­ke Kon­kur­renz wer­den si­cher Lon­za/Te­va und Ho­s­pi­ra/Cell­tri­on. Die meis­ten üb­ri­gen Ge­ne­ri­kaan­bie­ter in­ves­tie­ren zu we­nig oder ha­ben nicht die nö­ti­gen Fä­hig­kei­ten, um er­folg­reich in der ers­ten Li­ga spie­len zu kön­nen. Von den Ori­gi­nal­her­stel­lern ha­ben Merck und Pfi­zer so­wie Bio­gen Idec an­ge­kün­digt, Bio­si­mi­lars ent­wi­ckeln zu wol­len.

Nach wel­chen Kri­te­ri­en wählt San­doz Pro­jek­te aus? Um­satz­po­ten­zi­al und die Grös­se des Mark­tes spie­len na­tür­lich ei­ne gros­se Rol­le. Da­ne­ben ana­ly­sie­ren wir das Kon­kur­renz­um­feld: wie vie­le Nach­ah­mer sich ab­zeich­nen oder ob der Ori­gi­nal­her­stel­ler an ei­nem Nach­fol­ge­pro­dukt ar­bei­tet. Im We­sent­li­chen set­zen wir auf Mo­le­kü­le, die mög­lichst an­spruchs­voll in Ent­wick­lung und Her­stel­lung sind. Dort wird der Wett­be­werb we­ni­ger in­ten­siv sein.

Wel­chen Markt­an­teil wer­den Bio­si­mi­lars er­rei­chen? Das wird für je­des Pro­dukt so­wie für je­den Markt un­ter­schied­lich sein. Im Mo­ment be­trägt die Sub­sti­tu­ti­ons­ra­te be­reits lan­cier­ter Nach­ah­mer bis zu 50%. Vor­aus­sicht­lich wer­den auch in Zu­kunft die An­tei­le je nach Mo­le­kül und Markt va­ri­ie­ren.

Wie geht San­doz vor: Wä­gen Sie ab zwi­schen Markt­an­teil und Preis? Das Ge­samt­pa­ket muss stim­men. Der Preis ist si­cher ein Ele­ment. Aber sich al­lein dar­auf ab­zu­stüt­zen, wä­re ein Feh­ler. Ge­ra­de in Hoch­preis­fel­dern wie der On­ko­lo­gie ist das nicht das al­lei­ni­ge Kri­te­ri­um. Wich­tig ist ei­ne mög­lichst brei­te Zu­las­sung. Auch ga­le­nisch muss der Nach­ah­mer min­des­tens gleich gut sein wie das Re­fe­renz­pro­dukt. Da­ne­ben sind Be­ra­tungs­leis­tun­gen wich­tig. Ei­ni­ge Wett­be­wer­ber kon­zen­trie­ren sich auf Kos­ten, wo­bei sie an Wett­be­werbs­fä­hig­keit ein­büs­sen.

Macht es ei­nen Un­ter­schied, ob ei­ne töd­li­che Krank­heit be­han­delt wer­den soll? Ab­so­lut. Hier­für wer­den die Ärz­te nur wi­der­wil­lig Nach­ah­mer ver­schrei­ben, wenn der Preis das ein­zi­ge Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um ist. Um sie zu über­zeu­gen, braucht es gut durch­dach­te kli­ni­sche Te­st­rei­hen. San­doz will nicht nur die Markt­zu­las­sung si­cher­stel­len, son­dern auch ei­ne mög­lichst ho­he Ak­zep­tanz un­ter Ärz­ten und Kran­ken­kas­sen ge­währ­leis­ten. Nur so kann das Pro­dukt kom­mer­zi­ell ab­he­ben.

Wie hoch wä­re ein Ab­schlag, den No­var­tis hin­neh­men könn­te? Das hängt von Markt und Pro­dukt ab. Der Markt für bio­lo­gi­sche Wirk­stof­fe wächst stark, das schafft ei­nen ge­wis­sen Spiel­raum. Im Fall von EPO sind Bio­si­mi­lars in ei­ni­gen Län­dern bis zu 50% güns­ti­ger als das Re­fe­renz­pro­dukt. Da­zu könn­te es auch bei an­de­ren Mo­le­kü­len kom­men. Al­ler­dings wer­den die Ab­schlä­ge nie so mas­siv aus­fal­len wie bei che­mi­schen Pro­duk­ten. Ein Nach­lass von 80 oder 90% liegt auf­grund der ho­hen Ent­wick­lungs-und Pro­duk­ti­ons­kos­ten nicht drin.

We­gen ho­her Ein­tritts­bar­rie­ren er­war­ten wir nur mäs­si­gen Wett­be­werb.

In den USA feh­len re­gu­la­to­ri­sche Leit­plan­ken noch. Wo­mit rech­nen Sie? Wir er­war­ten, dass die Be­hör­den Pro­dukt für Pro­dukt und Un­ter­neh­men für Un­ter­neh­men prü­fen wer­den. Je ähn­li­cher ein Bio­si­mi­lar dem Re­fe­renz­pro­dukt in der ana­ly­ti­schen Pha­se ist, des­to nied­ri­ger wird die kli­ni­sche Hür­de aus­fal­len.

Ameet Mallik: «Um­satz­po­ten­zi­al ist wich­tig.»

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