Re­gie­rung Oba­ma will die Un­ter­neh­mens­steu­er re­for­mie­ren

Schwie­ri­ge Grat­wan­de­rung – Ei­ner­seits soll In­ves­ti­ti­ons­stand­ort USA at­trak­ti­ver wer­den – An­de­rer­seits wird Er­hö­hung des Steu­er­auf­kom­mens an­ge­strebt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - PE­TER DE THIER,

Die ame­ri­ka­ni­sche Kör­per­schafts­steu­er könn­te vor der um­fas­sends­ten Re­form seit Jahr­zehn­ten ste­hen. Auf ei­nem Gip­fel­tref­fen mit den Chefs füh­ren­der US-Mul­tis hat Fi­nanz­mi­nis­ter Ti­mo­thy Geith­ner be­reits die ers­ten Wei­chen ge­stellt für ei­ne Ge­set­zes­vor­la­ge, die noch im Ver­lau­fe des Winters dem Kon­gress vor­ge­legt wer­den soll. Ziel des Re­form­pa­kets wird es zum ei­nen sein, die At­trak­ti­vi­tät des In­ves­ti­ti­ons­stand­orts USA zu er­hö­hen. Auch soll vor dem Hin­ter­grund ei­nes stei­gen­den De­fi­zits das Steu­er­auf­kom­men, das wäh­rend der letz­ten Jah­re deut­lich zu­rück­ge­gan­gen ist, wie­der er­höht wer­den.

Wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le

Nach der Ein­kom­mens­steu­er und der So­zi­al­ver­si­che­rungs­steu­er stellt in den USA die Kör­per­schafts­steu­er die dritt­wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le des Bun­des dar. Seit Jah­ren aber kla­gen Mul­tis über ein über­hol­tes Sys­tem und ei­nen hoch­ge­schraub­ten Steu­er­satz, die ih­nen kei­ne Wahl las­sen, als ver­stärkt ins Aus­land ab­zu­wan­dern und aus­ser von nied­ri­ge­ren Löh­nen eben­falls von güns­ti­ge­ren Sät­zen zu pro­fi­tie­ren. Mit 39,5% des Ge­winns müs­sen ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men tat- säch­lich mehr an den Fis­kus ab­füh­ren als ir­gend­wo sonst mit der Aus­nah­me von Ja­pan (vgl. Box). Wer­de der Satz nicht her­ab­ge­setzt, so die Kon­zern­len­ker bei ih­rem Gip­fel­tref­fen mit Geith­ner, wer­de sich der Trend, die Pro­duk­ti­on wei­ter ins Aus­land zu ver­la­gern, nur noch be­schleu­ni­gen.

Prä­si­dent Ba­rack Oba­mas obers­ter Kas­sen­wart aber steht vor ei­ner schwie­ri­gen Grat­wan­de­rung. Denn auf der ei­nen Sei­te muss er an­ge­sichts ei­ner De­fi­zit­quo­te von fast 10% neue We­ge fin­den, um das klaf­fen­de Loch in der Staats­kas­se zu schlies­sen. Doch gleich­zei­tig will er Un­ter- neh­men An­rei­ze bie­ten, um ver­stärkt in den USA zu in­ves­tie­ren. Leicht zu über­brü­cken sind die Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Re­gie­rung und den Mul­tis nicht. Denn wäh­rend die In­dus­trie­ka­pi­tä­ne über den ho­hen Steu­er­satz schimp­fen, rech­net das Schatz­amt vor, dass auf­grund di­ver­ser Schlupf­lö­cher und Son­der­re­ge­lun­gen die Rea­li­tät ganz an­ders aus­se­he. Dem­nach lie­ge der fak­ti­sche Kör­per­schafts­steu­er­satz nicht bei 39,5%, viel­mehr füh­ren mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne in Wirk­lich­keit nur 2,3% ih­res Ge­winns ans Fi­nanz­amt ab.

Im Mit­tel­punkt des an­vi­sier­ten Re­form­pa­kets steht da­her die kon­se­quen­te Schlies­sung der Schlupf­lö­cher, mit de­nen es Mul­tis wie Ge­ne­ral Electric (GE), Mi­cro­soft, Cis­co Sys­tems und an­de­ren ge­lingt, ih­re Steu­er­last zu mi­ni­mie­ren. So müs­sen der­zeit von Aus­land­töch­tern er­ziel­te Ge­win­ne erst bei der Rück­füh­rung in die USA ver­steu­ert wer­den. Da­bei wird al­lein GE vor­ge­wor­fen, wäh­rend der letz­ten zehn Jah­re 75 Mrd. $ an Ge­win­nen im Aus­land ge­parkt und so­mit dem Tre­a­su­ry vor­ent­hal­ten zu ha­ben. Die­se Ver­zö­ge­rungs­tak­tik soll nun mit Straf­gel­dern be­ant­wor­tet wer­den, die der Staat er­hebt. Ab­schaf­fen wol­len Oba­ma und Geith­ner aus­ser­dem die Über­tra­gung von Steu­er­gut­schrif­ten, die be­stimm­ten Aus­land­töch­tern zu­ste­hen, auf die­je­ni­gen Toch- ter­ge­sell­schaf­ten des­sel­ben Un­ter­neh­mens, die ge­gen­über dem Fis­kus in der Pflicht sind. Auch sol­len ein­heit­li­che Be­wer­tungs­re­geln ein­ge­führt wer­den, die ver­hin­dern, dass die Ein­kaufs­prei­se für Toch­ter­ge­sell­schaf­ten in Steu­er­pa­ra­die­sen künst­lich her­ab­ge­setzt und ih­re Ver­kaufs­prei­se eben­so auf­ge­bläht wer­den, um den Ge­winn in den Staa­ten zu ma­xi­mie­ren, in de­nen die Steu­er­sät­ze am nied­rigs­ten sind. Zu­sam­men­ge­nom­men könn­ten die­se Mass­nah­men nach ei­ni­gen Be­rech­nun­gen je­des Jahr zu­sätz­li­che 100 bis 120 Mrd. $ in die Staats­kas­se spü­len.

Ge­gen­vor­schlag der Mul­tis

Die be­trof­fe­nen Kon­zer­ne ste­hen den Plä­nen der Re­gie­rung je­den­falls skep­tisch ge­gen­über und ha­ben ih­re Lob­by­is­ten mo­bi­li­siert, um den Vor­stoss des Prä­si­den­ten zu blo­ckie­ren oder we­nigs­tens ab­zu­schwä­chen. Aus der Sicht des Fis­kus er­gie­bi­ger und zu­gleich ein stär­ke­rer An­reiz, um Jobs in die USA zu re­impor­tie­ren, so die CEO, wä­re ei­ne Sen­kung der Kör­per­schafts­steu­er von der­zeit 39,5 auf ei­nen ein­heit­li­chen Satz von 25%. Das Tau­zie­hen wird je­den­falls un­ver­min­dert wei­ter­ge­hen. Bis spä­tes­tens Mit­te März will die Re­gie­rung dem Kon­gress ei­ne um­fas­sen­de neue Ge­set­zes­vor­la­ge zu­lei­ten.

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