Bric-Er­fin­der er­gänzt Lis­te

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP

Me­xi­ko, die Tür­kei, Süd­ko­rea und In­do­ne­si­en sind für Jim O’Neill von Gold­man Sachs die neu­en Län­der, die zu­sam­men mit den Bric-Staa­ten in die Grup­pe der rasch wach­sen­den Schwel­len­län­der ge­hö­ren. Die­se vier Län­der zäh­len zu den Next-11, die zu­sam­men­ge­nom­men in zehn Jah­ren für die Welt­wirt­schaft grös­se­res Ge­wicht ha­ben als Ja­pan. An­ders als im Fall des Kür­zels Bric für Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en und Chi­na, das O’Neill er­fun­den hat, lie­fert er dies­mal kei­ne so ein­gän­gi­ge For­mel mit.

Für die vier Län­der und die Bric-Volks­wirt­schaf­ten hält O’Neill die Be­zeich­nung Emer­ging Mar­kets für im­mer we­ni­ger an­ge­bracht. «In zehn Jah­ren über­trifft der Bei­trag der Bric-Län­der zur Welt­wirt­schaft zu­sam­men­ge­nom­men den­je­ni­gen der USA», sag­te O’Neill, bis vor kur­zem Chef­öko­nom der US-In­vest­ment­bank und heu­te Chair­man des As­set Ma­nage­ment, an der Gold­man-Sachs-Stra­te­gie­kon­fe­renz in London. Die neue Grup­pe be­ste­hend aus acht Län­dern ver­sucht O’Neill als Growth Mar­kets neu zu de­fi­nie­ren.

Wie auch im­mer boo­men­de Volks­wirt­schaf­ten ge­nannt wer­den, der Ein­fluss Chi­nas – der no­mi­nal zweit­gröss­ten Volks­wirt­schaft der Welt – bleibt enorm. Die In­fla­ti­on in Chi­na, die zu ei­ner re­strik­ti­ven Geld­po­li­tik führt, be­rei­tet O’Neill kei­ne Sor­gen. Sie sei kein blei­ben­des The­ma, auch wenn ent­spre­chen­de Be­fürch­tun­gen da­zu führ­ten, dass der US-Ak­ti­en­markt den chi­ne­si­schen jüngst hin­ter sich ge­las­sen hat. Aus tak­ti­scher Sicht ist für ihn Russ­land at­trak­tiv, und die Trans­ak­ti­on von BP (vgl. Sei­te 26), aber auch die von Pep­siCo – der Ge­trän­ke­kon­zern hat zwei Drit­tel des Milch­pro­duk­te-und Frucht­saft­her­stel­lers Wimm-Bill-Dann ge­kauft – zei­ge, dass CEO an gu­te Ge­schäf­te in Russ­land glau­ben. 2011 wer­de das Jahr der Rück­kehr der USA, aber für glo­ba­le An­le­ger blie­ben die rasch wach­sen­den Schwel­len­län­der das do­mi­nan­te The­ma, sag­te O’Neill.

Wes­halb sind Ban­ken an­ders? Das In­sol­venz­ver­fah­ren ei­nes her­kömm­li­chen Un­ter­neh­mens stellt ei­nen Still­stand der Bi­lanz dar, al­so ein Ein­frie­ren der fi­nan­zi­el­len An­sprü­che und Ver­pflich­tun­gen. Es wer­den nur ge­ra­de die Mit­tel ver­füg­bar ge­macht, die für das Auf­recht­er­hal­ten der Ge­schäfts­tä­tig­keit nö­tig sind. Aber die Bank ist die Bi­lanz selbst. Wird die­se ein­ge­fro­ren, wird sie lahm­ge­legt. Die Welt hat bis jetzt noch kei­nen Weg ge­fun­den, oh­ne Ban­ken zu funk­tio­nie­ren, und das wird wahr­schein­lich auch so blei­ben. Des­halb brau­chen wir ei­nen Mecha­nis­mus, der sich mit der Schlies­sung von Ban­ken be­schäf­tigt. Es ist sehr er­staun­lich, dass es ihn noch nicht gibt.

Wie sä­he ei­ne Lö­sung aus? Wir be­nö­ti­gen ei­ne ge­mein­sa­me Li­qui­da­ti­ons­vor­la­ge für al­le Ban­ken, die in der Eu­ro­päi­schen Uni­on – und auch in Län­dern na­he der EU, wie der Schweiz – ak­tiv sind. Sie soll dem Kon­kurs­ver­fah­ren der US-Gross­bank Washington Mu­tu­al glei­chen, nicht dem von Leh­man. Leh­man war ein Bei­spiel da­für, wie es nicht ge­macht wer­den soll­te.

Wann wird das Rea­li­tät? Der frü­hes­te Zeit­punkt, für den die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on ei­ne eu­ro­pa­wei­te

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