Süd­afri­ka ein Sprung­brett für Schwarz­afri­ka

Wal-Mart-En­ga­ge­ment in Mass­mart sym­pto­ma­tisch – Wachs­tum zieht in bes­se­rem Um­feld an

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - WOLF­GANG DRECHS­LER,

Süd­afri­ka­ni­sche Gross­kon­zer­ne ge­ra­ten zu­neh­mend ins Vi­sier aus­län­di­scher In­ves­to­ren. Da­bei in­ter­es­sie­ren vor al­lem Un­ter­neh­men, die be­reits ei­ne stär­ke­re Prä­senz in Afri­ka vor­wei­sen kön­nen. Neu­en Schwung hat vor al­lem die jüngs­te Of­fer­te des US-Han­dels­gi­gan­ten Wal-Mart Sto­res für Süd­afri­kas Ein­zel­händ­ler Mass­mart in den Markt ge­bracht. Nun sind nach An­sicht von Öko­no­men wie Chris Hart vom Fi­nanz­dienst­leis­ter In­vest­ment So­lu­ti­on auch Ge­sell­schaf­ten wie die Su­per­markt­ket­te Sho­pri­te, der Nah­rungs­mit­tel­pro­du­zent Ti­ger Brands und der Bau­kon­zern Mur­ray & Ro­berts in den Fo­kus aus­län­di­scher Ri­va­len ge­ra­ten.

Wal-Mart will für 17 Mrd. Rand (2,4 Mrd. Fr.) ei­ne 51%-Be­tei­li­gung an Mass­mart er­wer­ben. Die Trans­ak­ti­on ist von den Ak­tio­nä­ren am Di­ens­tag fast ein­stim­mig ge­neh­migt wor­den. Ex­pan­die­ren will Wal-Mart da­mit auch im üb­ri­gen Kon­ti­nent mit den Mass­mart-Töch­tern Ga­me, Ma­kro und Buil­der’s Wareh­ou­se, wo bis­lang knapp 50 Mrd. Rand um­ge­setzt wur­de. Bis auf die deut­sche Me­tro (Ägyp­ten, Ma­rok­ko) und die fran­zö­si­sche Car­re­four (Nord­afri­ka) sind in Afri­ka noch kei­ne in­ter­na­tio­na­len Han­dels­ket­ten ver­tre­ten. Auch die Ja­pa­ner ha­ben zu­ge­grif­fen: Der Tele­com­kon­zern NTT kauf­te das Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men Di­men­si­on Da­ta, die gröss­te IT-Grup­pe auf dem Kon­ti­nent.

Meh­re­re Über­nah­me­zie­le

Die jüngs­ten aus­län­di­schen En­ga­ge­ments dürf­ten das In­ter­es­se des Aus­lands an Afri­ka schon we­gen der in­zwi­schen hö­he­ren Wachs­tums­ra­ten noch ver­stär­ken. So star­tet die zu­letzt re­la­tiv gu­te Ent­wick­lung von ei­nem hö­he­ren Ni­veau als frü­her, auch wenn die Zu­wachs­ra­ten noch im­mer weit un­ter den Zah­len in Asi­en und Latein­ame­ri­ka lie­gen. Der Öl-und Dia­man­ten­staat An­go­la et­wa hat heu­te ein So­zi­al­pro­dukt (BIP) von 60 bis 70 Mrd. $; vor zehn Jah­ren lag es noch un­ter 10 Mrd. Als mög­li­ches Über­nah­me­ziel wird ne­ben Bar­lo­world, dem gröss­ten Ga­bel­stap­ler­händ­ler der Welt, auch im­mer wie­der Aspen Phar­ma­ca­re ge­nannt. Da­bei han­delt es sich um den gröss­ten Her­stel­ler von Ge­ne­ri­ka auf der Süd­halb­ku­gel.

Ste­phen Car­rott von der süd­afri­ka­ni­schen Nie­der­las­sung von Mac­qua­rie hält hin­ge­gen die Su­per­markt­ket­te Sho­pri­te für at­trak­ti­ver: Sie be­sitzt 125 Su­per­märk­te aus­ser­halb Süd­afri­kas und plant, in den nächs­ten bei­den Jah­ren zwan­zig wei­te­re in Ni­ge­ria zu er­öff­nen, dem mit rund 150 Mio. Men­schen be­völ­ke­rungs­reichs­ten Staat des Kon­ti­nents. Al­ler­dings be­rei­tet die star­ke süd­afri­ka­ni­sche Wäh­rung Sho­pri­te bei der Ex­pan­si­on in das In­ne­re des Kon­ti­nents zu­neh­mend Pro­ble­me. Den­noch bleibt die Grup­pe op­ti­mis­tisch: «Mo­der­ne Su­per­märk­te sind in vie­len Tei­len Afri­kas im­mer noch fast un­be­kannt», sagt Sho­pri­te-Chef Whi­tey Bas­son. Die hel­len und ge­räu­mi­gen Lä­den der Süd­afri­ka­ner vor al­lem in Ma­da­gas­kar, Sam­bia und Mo­sam­bik ver­än­dern das Le­ben der Afri­ka­ner und fin­den gros­sen An­klang.

Im­mer wie­der als Über­nah­me­ziel ge­nannt wird auch das er­folg­rei­che Di­enst­leis­tungs­kon­glo­me­rat Bid­vest. Das Un­ter­neh­men zähl­te un­ter an­de­rem als Gros­sCa­te­rer zu den we­ni­gen Nutz­nies­sern der Fussball-WM am Kap im letz­ten Jahr. Sei­ne Töch­ter sind in Süd­afri­ka in der Nah­rungs­mit­tel­bran­che so­wie in der Gas­tro­no­mie ak­tiv, aber auch im Fracht­ge­schäft und beim Bü­ro­be­darf. Mit all dem ex­pan­diert der Kon­zern auch welt­weit.

Ein ganz spe­zi­el­les Wachs­tums­re­zept hat der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu Welt­grös­se auf­ge­stie­ge­ne süd­afri­ka­ni­sche Öl-und Pe­tro­che­mie­kon­zern Sa­sol. Die in den Fünf­zi­ger­jah­ren ge­grün­de­te Suid Afri­kaan­se Steen­kool en Olie (Sa­sol) be­sorg­te sich da­mals aus Deutsch­land ein Pa­tent und das Know-how für den Pro­zess zur Ver­flüs­si­gung von Koh­le. Denn der da­ma­li­ge Apart­heid­staat hat­te we­gen sei­ner Iso­lie­rung vom Welt­markt nie ge­nug Erd­öl. Nach dem En­de der Ras­sen­tren­nung am Kap liess sich aus dem ver­meint­lich ver­al­te­ten Fischer-Tropsch-Ver­fah­ren dank der bil­li­gen süd­afri­ka­ni­schen Koh­le und der stei­gen­den Öl­prei­se viel Geld ma­chen. Al­ler­dings ist we­gen der stra­te­gi­schen Be­deu­tung des Kon­zerns für Süd­afri­ka kaum da­mit zu rech­nen, dass die Re­gie­rung in Pre­to­ria ei­ne Über­nah­me durch ei­nen aus­län­di­schen Kon­kur­ren­ten er­lau­ben wür­de.

Auch die am Kap noch im­mer do­mi­nan­te Berg­bau­bran­che be­hält für aus­län­di­sche Ge­sell­schaf­ten trotz der kom­pli­zier­ten neu­en Ge­set­ze wei­ter­hin ei­ni­gen Reiz. So ha­ben sich Chi­nas staat­li­che Mi­nen­fir­ma Jin­chuan Group und der Chi­na De­ve­lop­ment Fund-Af­ri­ca ge­ra­de erst mit ei­ner In­ves­ti­ti­on von 877 Mio. $ in den süd­afri­ka­ni­schen Pla­tin­markt ein­ge­kauft. Da­bei wur­de für 200 Mio. $ ein 45%-An­teil an dem klei­nen Pla­t­in­för­de­rer We­siz­we Pla­ti­num er­wor­ben. Da­ne­ben ver­pflich­te­ten sich die Chi­ne­sen, wei­te­re 650 Mio. $ für die Ent­wick­lung der von We­siz­we be­trie­be­nen Frisch­ge­waagd-Le­dig-Mi­ne ein­zu­sam­meln. Mit der nun ge­si­cher­ten Fi­nan­zie­rung dürf­te die Mi­ne 2015 die vol­le Pro­duk­ti­on von 350 000 Un­zen im Jahr auf­neh­men.

Stand­ort­vor­tei­le

Es ist das ers­te Mal, dass sich Chi­na stär­ker im Plat­in­sek­tor en­ga­giert. Zu­vor hat­ten sich Süd­afri­kas Pla­tin­schwer­ge­wich­te Ang­lo Pla­ti­num, Im­pa­la und Lon­min bei den klei­nen Un­ter­neh­men vom Kap ein­ge­kauft, zu­mal sie auch de­ren Pro­duk­ti­on weit­ge­hend ver­ar­bei­ten. Das weis­se Edel­me­tall wird vor al­lem beim Bau von Au­to­ka­ta­ly­sa­to­ren ver­wen­det. Da­ne­ben meh­ren sich die Hin­wei­se, dass ein chi­ne­si­sches Un­ter­neh­men für rund 100 Mio. $ die in Schwie­rig­kei­ten ge­ra­te­ne Au­ror­aGold­mi­ne über­nimmt, an der auch ein Nef­fe des süd­afri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Ja­cob Zu­ma be­tei­ligt ist. Bei der bis­lang gröss­ten chi­ne­si­schen In­ves­ti­ti­on am Kap han­delt es sich hin­ge­gen um ei­ne Be­tei­li­gung der In­dus­tri­al and Com­mer­ci­al Bank of Chi­na an der Stan­dard Bank. Für ih­ren 20%-An­teil zahl­ten die Chi­ne­sen vor drei Jah­ren ei­nen Be­trag von 5,5 Mrd. $.

We­gen der gu­ten In­fra­struk­tur und des mo­der­nen Bank­we­sens dürf­te Süd­afri­ka aus­län­di­schen In­ter­es­sen­ten auch künf­tig als Sprung­brett für Län­der wie An­go­la, Ke­nia oder Ni­ge­ria die­nen. «Süd­afri­ka ist ei­ne Fir­men­zen­tra­le für den üb­ri­gen Kon­ti­nent», be­grün­det Da­vid Sh­a­pi­ro von der Wert­pa­pier­han­dels­fir­ma Sas­fin das In­ter­es­se. «Das Land fun­giert als das Di­enst­leis­tungs­zen­trum für die Ex­pan­si­on auf ei­nem Kon­ti­nent, der bis­lang von den meis­ten Kon­zer­nen ge­mie­den wur­de.»

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