Out­sour­cer ISS ist be­reit für das Pu­bli­kum

Ei­ner der gröss­ten Bör­sen­gän­ge in Eu­ro­pa – CEO Jeff Gra­ven­horst setzt auf or­ga­ni­sches Wachs­tum – Schul­den­si­tua­ti­on drückt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CLIFFORD PADEVIT,

Bis der Vor­hang für ei­nen Bör­sen­gang des Out­sour­cing-Di­enst­leis­ters ISS fällt, sind es wohl eher Wo­chen statt Mo­na­te. Die dä­ni­sche Grup­pe ist drauf und dran, ei­nen der gröss­ten Bör­sen­gän­ge in Eu­ro­pa nach der Fi­nanz­kri­se zu lan­cie­ren und strebt nach sechs Jah­ren im Be­sitz von Fi­nanz­in­ves­to­ren wie­der ins Schein­wer­fer­licht.

«Der Bör­sen­gang ist die be­vor­zug­te Lö­sung für die jet­zi­gen Ak­tio­nä­re», sagt Un­ter­neh­mens­chef Jeff Gra­ven­horst im Ge­spräch. Ak­tio­nä­re sind zwei Pri­va­teEqui­ty-In­ves­to­ren, Gold­man Sachs und EQT; Letz­te­rer ist ein Ve­hi­kel der schwe­di­schen Wal­len­berg-Fa­mi­lie. Das Duo hat ISS im Jahr 2005 für 3,8 Mrd. $ ge­kauft und steigt jetzt aus. Ein An­ge­bot des Fi­nanz­in­ves­tors Apax von kol­por­tier­ten 8,5 Mrd. $ in­klu­si­ve Schul­den war of­fen­bar zu we­nig, und wur­de zu­rück­ge­wie­sen.

Die Be­sit­zer spe­ku­lie­ren al­so, dass sie in ei­nem Bör­sen­gang ei­nen bes­se­ren Preis lö­sen. Das könn­te klap­pen: Der dä­ni­sche Ak­ti­en­markt hat un­längst grös­se­re Pu­bli­kums­öff­nun­gen gut auf­ge­nom­men, un­ter an­de­rem kam der Tele­com­kon­zern TDC an die Bör­se, ge­nau wie der Nah­rungs­mit­tel­zu­satz­her­stel­ler Han­sen; bei­de wa­ren in Be­sitz von Pri­va­te-Equi­ty-Fonds.

Meh­re­re De­tails rund um den Bör­sen­gang sind noch nicht ge­klärt, et­wa ob die Ei­g­ner be­tei­ligt blei­ben und ei­ne Ka­pi­tal- er­hö­hung er­folgt? «Wahr­schein­lich», ant­wor­tet Gra­ven­horst auf die Fra­ge. «Al­ler­dings ken­nen wir die Ka­pi­tal­struk­tur noch nicht», schiebt er nach.

Schul­den ab­zah­len

Wie bei ei­nem Buy­out (Aus­kauf der Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re und De­ko­tie­rung) üb­lich, wur­de der Kauf­preis mit Schuld­ver­schrei­bun­gen von ISS fi­nan­ziert. Oh­ne ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung wür­de die Schul­den­si­tua­ti­on lang­sam brenz­lig. In zwei Jah­ren muss die Hälf­te der Schul­den re­fi­nan­ziert wer­den. Bis 2014 müs­sen je­doch zahl­rei­che Un­ter­neh­men, die im Be­sitz von Pri­va­teEqui­ty-Fonds sind, ihr Schul­den zu­rück­zah­len oder er­neu­ern.

Die Net­to­schul­den von ISS be­tra­gen das 6,5-Fa­che des Ge­winns vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­tio­nen (Ebit­da), ein Mehr­fa­ches der meis­ten ko­tier­ten Un­ter­neh­men. Kon­kur­rent Com­pass, auf Ver­pfle­gung spe­zia­li­siert, wies per En­de des letz­ten Ge­schäfts­jahrs ei­nen Fak­tor von 1,4 aus. Für die Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s ha­ben Schuld­ver­schrei­bun­gen von ISS spe­ku­la­ti­ve Qua­li­tät mit ei­ner No­te, die drei Stu­fen un­ter dem In­vest­ment­grad liegt.

Un­schön sind die Ver­lus­te, die ISS seit der Über­nah­me schreibt. Al­ler­dings ge­hen sie auf nicht cash­wirk­sa­me Good­wil­lA­mor­ti­sa­tio­nen zu­rück, die ge­mäss Gra- ven­horst, der erst im ver­gan­ge­nen April vom Fi­nanz­chef zum CEO be­för­dert wur­de, von Buch­hal­tungs­vor­schrif­ten vor­ge­ge­ben sind. Bis 2013 wer­den die­se Be­las­tun­gen an­hal­ten. Der Cash­flow hin­ge­gen ist po­si­tiv.

In Pri­vat­be­sitz zu sein, hat auch Vor­tei­le, wie Gra­ven­horst sagt: «Wir konn­ten das Un­ter­neh­men rasch aus­bau­en.» Da­zu ge­hör­ten zahl­rei­che Ak­qui­si­tio­nen, um das An­ge­bot von ISS zu ver­brei­tern. «Das wa­ren in Spit­zen­zei­ten gut hun­dert Trans­ak­tio­nen in ei­nem Jahr», ver­rät Gra­ven­horst. ISS star­te­te mit dem Rei­ni­gungs­dienst, der noch gut die Hälf­te des Um­sat­zes (2009: 12 Mrd. Fr.) aus­macht. Heu­te bie­tet ISS Haus­tech­nik und War­tung an, ge­nau wie Ver­pfle­gungs-und Si­cher­heits­diens­te, und das rund um den Glo­bus. 525 000 An­ge­stell­te ma­chen ISS zu ei­nem der gröss­ten Ar­beit­ge­ber der Welt.

Ver­trä­ge und Ver­kauf

Die Schwie­rig­keit des Mo­dells: Ein Di­enst­leis­ter wie ISS hat vor al­lem Per­so­nal­kos­ten, Ska­len­ef­fek­te sind da­her nicht un­be­grenzt. «Wir müs­sen ef­fi­zi­ent ar­bei­ten und ver­su­chen das mit ein­heit­li­chen Pro­zes­sen», sagt Gra­ven­horst. An­ge­sichts dün­ner Mar­gen – zu­letzt er­ziel­te ISS 5,6% – sind stei­gen­de Löh­ne ein Ri­si­ko. «Wir kön­nen hö­he­re Lohn­kos­ten nicht ein­fach wei­ter­ge­ben», räumt er ein. Ein Teil da­von

Jeff Gra­ven­horst, muss mit Ef­fi­zi­enz wett­ge­macht wer­den. Im De­tail ist man von den Ver­trä­gen ab­hän­gig, die im Schnitt acht Jah­re lau­fen.

ISS ha­be ein glo­ba­les Di­enst­leis­tungs­an­ge­bot ge­formt, jetzt wer­de ge­lie­fert. «An­ders als un­se­re Kon­kur­ren­ten sind wir auch wäh­rend der Kri­se or­ga­nisch ge­wach­sen», sagt Gra­ven­horst stolz, un­ter an­de­rem, weil ISS Di­enst­leis­tun­gen für glo­ba­le Kon­zer­ne über die Lan­des­gren­zen hin­aus an­bie­tet. Ei­ne Wachs­tums­ra­te von 5 bis 6% pro Jahr ist zwar nicht viel, er­for­dert aber brut­to Um­satz­ge­win­ne von 15%. Was zählt sind da­her über­zeu­gen­de Ver­käu­fer, ganz so wie Gra­ven­horst ei­ner ist.

Chef von 525 000 Di­enst­leis­tern:

CEO der dä­ni­schen ISS.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.