Wal­ls­treet auf Lao­tisch

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - STM

In ei­nem mo­der­nen Glas-und Stahl­pa­last, der so gar nicht in die ver­träum­te lao­ti­sche Haupt­stadt Vi­en­tia­ne pas­sen will, hat ver­gan­ge­ne Wo­che die Lao Se­cu­ri­ties Ex­ch­an­ge (LSX) den Be­trieb auf­ge­nom­men. Mit vo­r­erst le­dig­lich zwei ge­lis­te­ten Staats­un­ter­neh­men – der Bank BCEL und dem Strom­kon­zern EDL Ge­ne­ra­ti­on – ist der Ak­ti­en­markt nicht nur der jüngs­te, son­dern wohl auch der kleins­te der Welt. Das Han­dels­vo­lu­men be­trug am Di­ens­tag 4,5 Mrd. Kip (rund 560 000 $).

Die kom­mu­nis­ti­sche Re­gie­rung hat 2006 in ih­rem Fünf­jah­res­plan die Grün­dung der Bör­se für En­de 2010 vor­ge­se­hen. Mit Un­ter­stüt­zung der Ko­re­an Ex­ch­an­ge in Seoul, die 49% am Un­ter­neh­men hält, wur­de das Pro­jekt nun um­ge­setzt. Es ist ein wei­te­rer Schritt in der Li­be­ra­li­sie­rungs­po­li­tik, die das Land seit den Neun­zi­ger­jah­ren ver­folgt. Bis 2020 soll der ein­ge­schla­ge­ne Kurs La­os aus der Grup­pe der ärms­ten Län­der der Welt füh­ren und das Pro-Kopf-Ein­kom­men von heu­te un­ter 1000 auf 1700 $ pro Jahr an­he­ben. Ein wich­ti­ger Schritt auf die­sem Weg wä­re der an­ge­streb­te Bei­tritt zur Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO. Ein ent­spre­chen­des Ge­such wur­de be­reits 1997 ein­ge­reicht.

Un­ge­nutz­te Bo­den­schät­ze

In den Jah­ren hin­ter dem Bam­bus­vor­hang – das asia­ti­sche Pen­dant zum Ei­ser­nen Vor­hang – wur­de nur we­nig in die In­fra­struk­tur in­ves­tiert, die heu­te den An­sprü­chen ei­ner mo­der­nen Wirt­schaft bei wei­tem nicht ge­nügt. So wer­den auch die vor­han­de­nen Bo­den­schät­ze nur un­ge­nü­gend ge­nutzt. Der frü­he­re wirt­schaft­li­che Be­ra­ter La­os’ Hans U. Lu­ther ver­gleicht das Land tref­fend mit ei­nem Bau­ern­jun­gen, der auf ei­ner Schatz­tru­he sitzt, oh­ne den Schlüs­sel da­zu zu be­sit­zen. So spielt die In­dus­trie nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le: Ge­mäss CIA World Fact­book ar­bei­ten 80% der Be­völ­ke­rung in der Land­wirt­schaft – zum gros­sen Teil als Selbst­ver­sor­ger. Mit 26% ist der An­teil der städ­ti­schen Be­völ­ke­rung ent­spre­chend tief. Das, ob­schon nach dem De­par­te­ment für Sta­tis­tik je­de Ge­mein­de als Stadt gilt, die mehr als 600 Ein­woh­ner, ei­ne Stras­se, Elek­tri­zi­täts-und Was­ser­ver­sor­gung so­wie ei­nen Markt hat.

Der Ak­ti­en­han­del – zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt sol­len ge­mäss der «Vi­en­tia­ne Ti­mes» auch Ob­li­ga­tio­nen zu­ge­las­sen wer­den – wird da­bei hel­fen, aus­län­di­sche In­ves­to­ren zu ge­win­nen und die In­fra­struk­tur zu ver­bes­sern. Ge­mäss ei­nem BBC-Be­richt rech­net die Re­gie­rung da­mit, dass über die nächs­ten Jah­re ins­ge­samt 8 Mrd. $ in das Bin­nen­land flies­sen, das so den An­schluss an die Nach­barn Thai­land, Chi­na und Viet­nam schaf­fen will.

Auf­wärts mit Schlag­lö­chern

In den ers­ten Han­dels­ta­gen hat der neue LSX Com­po­si­te In­dex über 16% zu­ge­legt. Auch wenn er das ho­he Tem­po nicht hal­ten kann, bie­tet die lao­ti­sche Bör­se In­ves­to­ren at­trak­ti­ve Per­spek­ti­ven. Da­von ist der stell­ver­tre­ten­de thai­län­di­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Along­korn Pon­la­boot der­art über­zeugt, dass er sei­ne Lands­leu­te auf­for­dert, die Ge­le­gen­heit beim Schopf zu pa­cken: «Der Markt ist frisch und bie­tet An­le­gern die Mög­lich­keit, lang­fris­tig gros­se Pro­fi­te zu er­zie­len», lässt er sich in der Zei­tung «Na­tio­nal» zi­tie­ren.

Dem schliesst sich ge­gen­über der «Fi­nan­ci­al Ti­mes» auch Dou­glas Clay­ton an, CEO ei­nes auf Fron­tier Mar­kets spe­zia­li­sier­ten Fonds­ma­na­gers: «La­os ist ein auf­re­gen­der Ort, um zu in­ves­tie­ren. Das Land blieb von der Fi­nanz­kri­se völ­lig un­be­rührt und pro­fi­tiert stark von Chi­na.» Die po­li­ti­schen Ri­si­ken schätzt er als ge­ring ein. Die kom­mu­nis­ti­sche Ein­heits­par­tei ha­be gros­se Am­bi­tio­nen und brau­che da­für aus­län­di­sches Geld. Des­halb un­ter­stüt­ze sie die Bör­se. Die Kur­se wer­den wohl ver­lau­fen wie ei­ne lao­ti­sche Berg­stras­se: grund­sätz­lich auf­wärts, aber mit vie­len tie­fen Schlag­lö­chern.

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