Der Fei­ne fürs Gro­be

FAHR­BE­RICHT Die neue Ge­ne­ra­ti­on des VW Toua­reg ist grös­ser, leich­ter und spar­sa­mer – Neue As­sis­tenz­sys­te­me für mehr Si­cher­heit – Hap­pi­ge Auf­preis­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DA­VE SCHNEI­DER

DZu­ge­legt

as Kopf­schüt­teln über­wog. Kurz nach­dem Volks­wa­gen 2002 am Gen­fer Au­to­sa­lon mit dem Phae­ton ei­ne Lu­xus­li­mou­si­ne vor­ge­stellt hat­te, dop­pel­ten die Wolfs­bur­ger mit ei­nem lu­xu­riö­sen, rie­si­gen SUV nach. Die ei­nen nann­ten es ver­mes­sen, an­de­re spra­chen of­fen von Grös­sen­wahn, und nur ei­ne Min­der­heit er­kann­te die Ge­nia­li­tät die­ser Stra­te­gie.

Letz­ten En­des soll­ten bei­de Sei­ten recht be­kom­men. Der Phae­ton – ob­wohl ein gross­ar­ti­ges Au­to­mo­bil – flopp­te; die Käu­fer der Ober­klas­se wol­len kein Volks­wa­gen-Em­blem auf dem Küh­ler­grill. Der Toua­reg hin­ge­gen wur­de ei­ne Er­folgs­ge­schich­te, zu ei­nem prä­gen­den Mo­dell des Seg­ments und zum Image­trä­ger für die Mar­ke. Nun wur­de der in die Jah­re ge­kom­me­ne Al­les­kön­ner neu auf­ge­legt – wir sind die be­son­ders spar­sa­me Ver­si­on Blu­e­Mo­ti­on Pro­be ge­fah­ren. Die Neu­ge­stal­tung tut dem Toua­reg gut. Die Front ist deut­lich mar­kan­ter, hat mehr Biss und Cha­rak­ter, wirkt durch die ne­cki­schen LED-Tag­fahr­lich­ter in U-Form mo­der­ner und hoch­wer­ti­ger. Das neue Mo­dell sieht noch brei­ter und gleich­zei­tig fla­cher aus als der Vor­gän­ger, was ihm ei­nen sport­li­chen Aus­druck ver­leiht. Ein Blick in das Datenblatt be­stä­tigt die­sen Ein­druck: Mit ei­ner Brei­te von 1,94 m und ei­ner Hö­he von 1,71 m ist der Neue 1 cm brei­ter so­wie 1,5 cm fla­cher ge­wor­den. Die Län­ge hat um 4 cm auf 4,8 m zu­ge­nom­men.

Das Ge­wicht konn­ten die Ent­wick­ler deut­lich re­du­zie­ren; das hat ent­schei­den­de Aus­wir­kun­gen auf Ver­brauch, Schad­stoff­emis­sio­nen und Fahr­ver­hal­ten. Das von uns ge­fah­re­ne Mo­dell mit 3-lV6-Die­sel­mo­tor wiegt 200 kg we­ni­ger als der Vor­gän­ger mit glei­cher Mo­to­ri­sie­rung – bra­vo! Mit ei­nem Leer­ge­wicht von 2,1 t ist der neue Toua­reg frei­lich kein Leicht­ge­wicht, ge­mes­sen an den Di­men­sio­nen und der Aus­stat­tung ist der Wert je­doch vor­bild­lich.

Im In­nen­raum hat auch beim Vor­gän­ger­mo­dell schon al­les ge­passt – ei­ne gu­te Er­go­no­mie, ei­ne ein­fa­che Be­die­nung so­wie ei­ne so­li­de Qua­li­tät bie­tet je­des VWMo­dell, und die hoch­wer­ti­gen Ma­te­ria­li­en so­wie die ta­del­lo­se Ver­ar­bei­tung sind in die­sem Seg­ment selbst­ver­ständ­lich. Der neue Toua­reg hat in­des auch in die­ser Hin­sicht noch­mals zu­ge­legt. Das Cock­pit ist in ei­ner geo­me­tri­schen Klar­heit auf­ge­teilt, ist da­durch sehr über­sicht­lich und wirkt ele­gant. Der et­was rus­ti­ka­le Touch ist Ab­sicht – der Toua­reg ist schliess­lich fürs Gro­be ge­macht. Zwi­schen den klas­si­schen Rund­in­stru­men­ten ist ein gros­ser Bild­schirm, auf dem die um­fang­rei­chen Funk­tio­nen des Bord­com­pu­ters ab­ge­ru­fen wer­den kön­nen. Für die Be­die­nung des In­fo­tain­ment­sys­tems steht der gros­se Touch­screen zur Ver­fü­gung, der gut sicht­bar oben in der Mit­tel­kon­so­le an­ge­ord­net ist.

Die Platz­ver­hält­nis­se sind fürst­lich – das kann von ei­nem Fahr­zeug die­ser Grös­se auch er­war­ten wer­den. Toll ist die gu­te Nutz­bar­keit des Kof­fer­raums: Wahl­wei­se sor­gen ein Schie­nen­sys­tem mit Te­le­skop­stan­gen und Ver­zur­rö­sen oder ei­ne Netz­trenn­wand mit ei­ner spe­zi­el­len Ge­päck­mat­te für ei­ne si­che­re Un­ter­brin­gung des Ge­päcks; lei­der kos­ten die­se emp­feh­lens­wer­ten Lö­sun­gen bei­de Auf­preis (580 resp. 400 Fr.). Für wei­te­re 1000 Fr. lässt sich die Heck­klap­pe elek­trisch so­wie fern­be­dien­bar öff­nen und schlies­sen.

Und da­mit sind wir bei ei­nem lei­di­gen The­ma, das al­le deut­schen Her­stel­ler und ins­be­son­de­re die Pre­mi­um­an­bie­ter be­trifft: die haar­sträu­ben­de Auf­preis­po­li­tik – auch bei Volks­wa­gen längst ein pro­ba­tes Mit­tel, um Geld in die Kas­se zu spü­len. VW bie­tet den Toua­reg in vier Mo­tor­ver­sio­nen an, die gleich­zei­tig auch die Aus­stat­tungs­va­ri­an­ten dar­stel­len; wer al­so mehr Aus­stat­tung will, muss ent­we­der ei­nen stär­ke­ren Mo­tor or­dern oder mun­ter auf der Op­tio­nen­lis­te an­kreu­zen – wie in die­sem Seg­ment ge­wohnt, muss für je­des Kin­ker­litz­chen ex­tra be­zahlt wer­den.

Der von uns ge­fah­re­ne V6-Die­sel stellt zu­sam­men mit dem V6-FSI-Ben­zi­ner die Ein­stiegs­va­ri­an­te dar. Die­se ist zwar be­reits um­fang­reich aus­ge­stat­tet, ein Blick in das Datenblatt un­se­res Test­wa­gens zeigt aber: Zum Ba­sis­preis von 75 000 Fr. ka­men für sinn­vol­le Ex­tras wie Luft­fe­de­rung (3960 Fr.), Fah­re­ras­sis­tenz­pa­ket (4560 Fr.), Xe­n­on­schein­wer­fer (2410 Fr.) oder Le­der­aus­stat­tung (5250 Fr.) noch­mals 50% des Ba­sis­prei­ses hin­zu. Am bes­ten lässt sich die­ses The­ma mit ei­nem al­ten deut­schen Sprich­wort ab­schlies­sen: Je­des Ding ist wert, was sein Käu­fer be­reit ist, da­für zu zah­len.

Ein wah­rer Al­les­kön­ner

Tat­säch­lich er­hält der Toua­reg-Käu­fer viel Au­to für sein Geld. Un­ser Test­wa­gen be­rei­te­te in al­len Be­lan­gen Freu­de: Das Fahr­werk ist har­mo­nisch ab­ge­stimmt, für fahraf­fi­ne Men­schen sind drei Mo­di (Kom­fort, Nor­mal, Sport) zur Ver­fei­ne­rung wähl­bar. Die Len­kung ist di­rekt und prä­zis, aber un­auf­dring­lich – wie sie in ei­nem SUV eben sein soll. Auch der An­triebs­strang über­zeugt: Der kul­ti­vier­te V6-Com­mon­railDie­sel (176 KW/240 PS) wuch­tet sein ho­hes Dreh­mo­ment von 550 Nm zwi­schen 2000 und 2250 U/min auf die Kur­bel­wel­le, schiebt den All­rad­ler mit Nach­druck an, läuft da­bei ru­hig und vi­bra­ti­ons­arm und ist dank Blue-Mo­ti­on-Aus­le­gung mit Stop­pStart-Sys­tem im Ver­brauch zu­rück­hal­tend. Wir ver­brauch­ten im Schnitt 9 l/100 km. Ein Ver­gleich: Der Le­xus RX 450h mit Hy­brid­an­trieb ver­brauch­te über 1 Li­ter mehr (vgl. FuW Nr. 99 vom 18. De­zem­ber 2010). Die Acht­gang­au­to­ma­tik passt her­vor­ra­gend zum Selbst­zün­der und hilft eben­falls, Treib­stoff zu spa­ren.

Na­tür­lich ist der All­rad­an­trieb ein gu­tes Kauf­ar­gu­ment für ei­nen SUV – da­von konn­ten wir uns mit dem Toua­reg über die Weih­nachts­zeit mit viel Schnee und teil­wei­se glat­ten Stras­sen ein­mal mehr über­zeu­gen. Der Toua­reg ist se­ri­en­mäs­sig mit dem All­rad­an­trieb 4-Mo­ti­on mit selbst­sper­ren­dem Tor­sen-Ver­teil­er­ge­trie­be und elek­tro­ni­schen Dif­fe­ren­zi­al­sper­ren (EDS) an al­len Rä­dern aus­ge­stat­tet. Über ei­nen Dreh­reg­ler kön­nen die As­sis­tenz­sys­te­me (ABS, EDS, ASR) für den Ge­län­de­ein­satz ab­ge­stimmt und die Bergab­fahr­hil­fe ak­ti­viert wer­den. Dar­über hin­aus ist ein Of­f­road­pa­ket mit zen­tra­lem Dif­fe­ren­zi­al mit La­mel­len­sper­re und Ge­trie­be­un­ter­set­zung so­wie hö­her ge­leg­ter Ka­ros­se­rie (vor­ne 10 mm, hin­ten 15 mm) be­stell­bar.

Der VW Toua­reg ist ein wah­rer Al­les­kön­ner. Bes­tens ge­eig­net für den au­to­mo­bi­len All­tag, bie­tet er je­de Men­ge Platz und Kom­fort, viel Si­cher­heit und Fahr­spass – und ist auch für Ab­ste­cher ab­seits des As­phalts gut ge­rüs­tet.

Dank aus­ge­feil­ter Of­f­road-Tech­nik wühlt sich der VW Toua­reg auch durch schwe­res Ge­län­de, gleich­zei­tig bie­tet er ein tol­les Fahr­ver­hal­ten auf der Stras­se. Ein ele­gan­tes Am­bi­en­te und gu­te Platz­ver­hält­nis­se ver­wöh­nen die Pas­sa­gie­re.

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