Lar­ry soll die Ma­gie zu­rück­brin­gen

MAN SPRICHT VON dem Füh­rungs­wech­sel an der Kon­zern­spit­ze von Goog­le und dem über­zeu­gen­den Ge­schäfts­er­geb­nis

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - MI­SCHA STÜNZI

Goog­le-Mit­grün­der Lar­ry Pa­ge ist zu­rück an der Spit­ze «sei­nes» Kon­zerns. Eric Schmidt, der in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren die Ge­schi­cke des welt­gröss­ten Such­ma­schi­nen­be­trei­bers ge­lenkt hat, wird neu als Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent wir­ken und sich im ope­ra­ti­ven Ge­schäft nur noch um stra­te­gi­sche Al­li­an­zen, Über­nah­men und Gross­kun­den küm­mern. Er steht dem neu­en CEO Pa­ge aber wei­ter­hin be­ra­tend zur Sei­te und ver­tritt den Kon­zern nach aussen.

Ser­gey Brin, mit dem Lar­ry Pa­ge 1998 Goog­le ins Le­ben ge­ru­fen hat­te, kon­zen­triert sich auf das, was er ge­mäss Schmidt am bes­ten kann: krea­ti­ves Den­ken und das Ent­wi­ckeln neu­er Pro­duk­te. Das bis­he­ri­ge Füh­rungs­trio ver­teilt da­mit die Rol­len neu und schafft so kla­re Struk­tu­ren, die ra­sche­re Ent­schei­de er­mög­li­chen. Das ist un­um­gäng­lich in der Welt des In­ter­nets, die sich oft ein biss­chen schnel­ler dreht als al­les an­de­re.

Aus­ge­zeich­ne­te Zah­len

Vor zehn Jah­ren, als Goog­le noch ein Star­t­up-Un­ter­neh­men war, brauch­ten die bril­lan­ten In­for­ma­ti­ker, aber un­er­fah­re­nen Un­ter­neh­mer Pa­ge und Brin ei­nen ge­stan­de­nen Ma­na­ger wie Schmidt. Heu­te, so twit­ter­te die­ser, sei die «täg­li­che Auf­sicht ei­nes Er­wach­se­nen nicht mehr nö­tig». Lar­ry sei be­reit zu füh­ren. Der heu­te 37-jäh­ri­ge Pa­ge ist tat­säch­lich kein Grün­schna­bel mehr. Er hat Schmidt lan­ge über die Schul­ter ge­schaut und viel von ihm ge­lernt. Dass Un­ter­neh­men mit krea­ti­ven Köp­fen an der Spit­ze her­vor­ra­gend lau­fen kön­nen, be­wei­sen Face­book und noch ein­drück­li­cher App­le. Es spricht nichts da- ge­gen, dass auch Pa­ge Goog­le in ei­ne er­folg­rei­che Zu­kunft führt. Im Ge­gen­teil: «Die Ma­gie von Goog­le ist in den letz­ten Jah­ren et­was ver­lo­ren ge­gan­gen», mein­te et­wa Tri­cia Sa­li­ne­ro, Di­rek­to­rin bei Ne­w­forth Part­ners, ge­gen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Reuters. Gut mög­lich, dass Pa­ge die Ma­gie zu­rück­bringt. Das sagt auch ein lei­ten­der Goog­le-Mit­ar­bei­ter in der «New York Ti­mes»: «Das kann den An­ge­stell­ten die nö­ti­ge Ener­gie ver­lei­hen.»

Vor sei­nem Rück­tritt am 4. April durf­te Schmidt am Don­ners­tag zum letz­ten Mal die Zah­len prä­sen­tie­ren. «Das ab­schlies­sen­de Quar­tal bringt ein bril­lan­tes Jahr zu ei­nem sa­gen­haf­ten En­de», zeig­te er sich eu­pho­risch. Die Freu­de ist be­rech­tigt: Der Ver­kauf stieg in den drei Mo­na­ten bis De­zem­ber ge­gen­über dem Vor­jahr 26% auf 8,4 Mrd. $. Net­to, al­so nach Ab­zug der an die Part­ner aus­be­zahl­ten Ge­büh­ren, be­trug der Um­satz 6,4 Mrd. $ – mar­kant mehr als die pro­gnos­ti­zier­ten 6,1 Mrd. $. Im Kern­ge­schäft, den Wer­be­ein­nah­men über die Such­ma­schi­ne, ist nicht nur die Zu­nah­me der An­zahl Maus­klicks grös­ser als in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit (vgl. Gra­fik 1). Auch die Ein­nah­men pro Maus­klick sind ge­stie­gen (vgl. Gra­fik 2).

Da­zu ver­dient Goog­le aus­ser­halb der Kern­kom­pe­tenz im­mer bes­ser. Der Ver­kauf von Smart­pho­nes mit dem Be­triebs­sys­tem An­dro­id läuft her­vor­ra­gend. Seit März 2010, stell­te der Markt­for­scher Niel­sen jüngst fest, läuft in den USA die Mehr­heit der ab­ge­setz­ten Mo­bil­te­le­fo­ne auf der Goog­le-Soft­ware. Auch wenn das Un­ter­neh­men dar­an nicht di­rekt ver­dient – An­dro­id ist ei­ne freie Soft­ware oh­ne Li­zenz­ge­büh­ren –, stei­gen doch sei­ne Mög­lich­kei­ten, Smart­pho­ne-Kun­den mit stand­ort­be­zo­ge­ner Wer­bung zu be­die­nen. Ei­ne Stu­die des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens IDC be­schei­nigt Goog­le hier ei­nen An­teil von knapp 60% am noch klei­nen Markt.

Be­ein­dru­cken­de Mar­ge

Googles Ge­winn lag mit 2,5 Mrd. $ 28% über dem des Vor­jahrs. Pro Ak­tie be­trug der Über­schuss 7.81 $. Oh­ne Be­rück­sich­ti­gung ein­ma­li­ger Er­eig­nis­se er­reich­ten die Ka­li­for­ni­er gar ei­nen Pro­fit je Va­lor von 8.75 $ und über­tra­fen da­mit die er­war­te­ten 8.08 $ deut­lich. Aus­ser­ge­wöhn­lich ist ein­mal mehr die Mar­ge. Wenn ei­nem Un­ter­neh­men 40% des Net­to­um­sat­zes als Pro­fit blei­ben, ist das be­ein­dru­ckend.

Dank der über­zeu­gen­den Zah­len und weil auch die Nach­richt vom neu­en CEO von den meis­ten Ana­lys­ten po­si­tiv ge­wer­tet wur­de, leg­ten Goog­le am Frei­tag im frü­hen Han­del zu. In­ves­to­ren kön­nen sich mit gu­tem Ge­fühl en­ga­gie­ren. Der TechKon­zern hat un­ter Pa­ge die gros­se Chan­ce, zu sei­ner al­ten In­no­va­ti­ons­kraft zu­rück­zu­fin­den. Selbst im kom­pe­ti­ti­ven Um­feld mit Kon­kur­ren­ten wie Face­book, Grou­pon und Yahoo ist Goog­le ei­ni­ges zu­zu­trau­en. Die Li­qui­di­tät von 35 Mrd. $ lässt Schmidt zu­dem ge­nü­gend Spiel­raum für ge­ziel­te Zu­käu­fe. Die Be­wer­tung fällt mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2012 von 16 mo­de­rat aus. An­le­ger dür­fen sich aber kei­ne fal­schen Hoff­nun­gen ma­chen: Selbst wenn der neue CEO die Ma­gie zu­rück­bringt, er heisst nicht Lar­ry Pot­ter und kann auch nicht zau­bern.

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