Pie­per zahlt zu we­nig

Kurs von Fein­tool liegt deut­lich über dem Über­nah­me­an­ge­bot – Ju­li­us Bär er­ho­len sich

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - MO­NI­CA HEGG­LIN

Der Wo­chen­aus­klang an der Schwei­zer Bör­se war sehr freund­lich, so­dass Kur­se sich vom Rück­gang der Vor­ta­ge er­hol­ten. Der Swiss Mar­ket In­dex SMI stieg ge­gen­über der Vor­wo­che um 0,2% auf 6567,3.

An­ge­trie­ben wur­de der Wo­che­n­end­spurt von ei­ner gu­ten Stim­mung in der deut­schen Wirt­schaft. Der Ifo-Ge­schäfts­kli­ma­in­dex hat sich im Ja­nu­ar noch­mals ver­bes­sert und den höchs­ten Stand seit zwan­zig Jah­ren er­reicht. Das er­mög­lich­te ei­ne Ge­gen­be­we­gung, nach­dem Mit­te der Wo­che die Pu­bli­ka­ti­on star­ker Zah­len zum Quar­tals­wachs­tum der chi­ne­si­schen Wirt­schaft bei zu­gleich über Er­war­ten stei­gen­den Prei­sen Kurs­rück­gän­ge auf brei­ter Front aus­ge­löst hat­ten. Die Märk­te be­fürch­te­ten, Pe­king müs­se die geld­po­li­ti­schen Zü­gel straf­fen und wür­de so die Welt­kon­junk­tur be­ein­träch­ti­gen. Auf­fäl­lig war die Ab­schwä­chung des Schwei­zer Fran­kens. Erst­mals seit über ei­nem Mo­nat no­tier­te der Eu­ro am Don­ners­tag und am Frei­tag zeit­wei­se über 1.30 Fr. Der Eu­ro ist auch ge­gen­über dem Dol­lar er­starkt. Die ex­port­ori­en­tier­te Schwei­zer In­dus­trie dürf­te er­leich­tert sein.

Nach den ent­täu­schen­den Quar­tals­zah­len von Gold­man Sachs zeig­te am Don­ners­tag­mor­gan St­an­ley be­ein­dru­ckend gu­te Zah­len, ob­wohl auch hier die Er­geb­nis­se des Be­reichs Fi­xed In­co­me nichts Gu­tes für die ent­spre­chen­den Spar­ten der bei­den Schwei­zer Gross­ban­ken er­war­ten las­sen.

Die Märk­te und be­son­ders der eu­ro­päi­sche Gross­ban­ken­sek­tor wur­den je­doch un­ter­stützt von Mel­dun­gen, wo­nach der spa­ni­sche Staat sei­ne not­lei­den­den Ban­ken re­ka­pi­ta­li­sie­ren will. Auch die gu­ten Zah­len von Goog­le und Ge­ne­ral Electric hal­fen. Al­ler­dings er­in­nert der Quar­tals­ver­lust der Bank of Ame­ri­ca dar­an, dass die US-Im­mo­bi­li­en­kri­se noch nicht aus­ge­stan­den ist. UBS (+0,4%) und Cre­dit Suis­se (+1%) mach­ten Bo­den gut. Ein Mit­ar­bei­ter der CS ist im Zu­sam­men­hang mit den nach Deutsch­land ver­kauf­ten Kun­den­da­ten-CD in Haft ge­nom­men wor­den.

Ju­li­us Bär (–0,8%) zo­gen in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te wie­der an. Ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter hat­te Wi­ki­leaks-Grün­der Ass­an­ge wei­te­re Bank­da­ten über­ge­ben, was nun un­mit­tel­bar nach sei­ner Ver­ur­tei­lung für frü­he­re Ta­ten so­fort zu sei­ner Ver­haf­tung führ­te (vgl. Prak­ti­kus auf Sei­te 13). Die Kurs­re­ak­ti­on zeigt, dass An­le­ger in der Sa­che nicht den Su­per­gau für Ju­li­us Bär se­hen. Ass­an­ge ist nur dank ei­ner Kau­ti­on auf frei­em Fuss – und wird sich

Eu­ro wie­der er­starkt

wohl hü­ten, die­se Da­ten zu ver­öf­fent­li­chen. Ei­ne Über­ga­be an die bri­ti­schen Be­hör­den kann zwar nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Auch sie wer­den mit Blick auf die an­geb­li­chen Pro­mis auf die­ser Lis­te be­hut­sam vor­ge­hen. ABB (Ak­ti­en –0,9%) dürf­te die Über­nah­me des ame­ri­ka­ni­schen Au­to­ma­ti­ons­tech­ni­kers Bal­dor dem­nächst ab­schlies­sen kön­nen. Als letz­te In­stanz hat nun auch die An­ti­trust­be­hör­de des US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums grü­nes Licht ge­ge­ben. Zum Ablauf der ers­ten Nach­frist für das An­die­nen von Bal­dor-Ak­ti­en am 19. Ja­nu­ar kon­trol­lier­te ABB 88,8% al­ler aus­ste­hen­den Ti­tel. Nun wird die Frist bis nächs­ten Di­ens­tag, 17 Uhr New Yor­ker Orts­zeit, ver­län­gert. Den Ak­ti­en­kurs von ABB be­ein­flusst die­ser De­al wahr­schein­lich we­ni­ger als die An­zei­chen da­für, dass sich die Nach­fra­ge in den spät­zy­kli­schen Ener­gie­tech­nik­ge­schäf­ten be­lebt.

In der zwei­ten Wo­chen­hälf­te sind Fein­tool (+14,6%) deut­lich über den von Michael Pie­per an­ge­kün­dig­ten Über­nah­me­preis von 350 Fr. je Ak­tie ge­stie­gen (vgl. FuW Nr. 5 vom 19. Ja­nu­ar). Die In­ves­to­ren neh­men of­fen­sicht­lich an, dass in die­ser Sa­che noch nicht das letz­te Wort ge­spro­chen ist. Am Mitt­woch liess sich Pie­pers Ge­gen­spie­ler, der Un­ter­neh­mens­grün­der und zweit­gröss­te Ak­tio­när Fritz Bösch, ver­neh­men. Er ha­be vom An­ge­bot Kennt­nis ge­nom­men und hal­te sich zu­nächst al­le Op­tio­nen of­fen, liess er ver­lau­ten. Ei­ne in­halt­li­che Stel­lung­nah­me zum An­ge­bot steht auch sei­tens des VR von Fein­tool noch aus.

Te­can (–7%) wa­ren we­gen der po­si­ti­ven Nach­rich­ten aus dem Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen Wo­chen gut un­ter­wegs, ka­men aber En­de der Wo­che un­ter Druck. Ana­lys­ten der UBS ha­ben die Ak­ti­en von «Kau­fen» auf «Neu­tral» zu­rück­ge­stuft, das Kurs­ziel aber auf 87 Fr. an­ge­ho­ben (vor­her 79 Fr.). Das Un­ter­neh­men wird erst am 10. März sei­ne Er­geb­nis­se für 2010 prä­sen­tie­ren. Als gröss­te Her­aus­for­de­rung gel­ten Wäh­rungs­ein­flüs­se. Ei­ne Sor­ge ist, dass Te­can des­halb die Mar­gen­er­war­tun­gen der Ana­lys­ten nicht er­fül­len wird.

Käu­fe in Ac­te­li­on

Ac­te­li­on (+0,2%)ver­zeich­ne­ten vor al­lem am Mon­tag grös­se­re Nach­fra­ge, was den Kurs erst­mals wie­der – vor­über­ge­hend – über 54 Fr. stei­gen liess. Noch im­mer ma­chen Über­nah­me­ge­rüch­te die Run­de, ob­wohl CEO Je­an-Paul Clo­zel am 11. Ja­nu­ar an ei­ner Prä­sen­ta­ti­on er­neut den Wil­len zur Un­ab­hän­gig­keit be­ton­te und zu­dem er­läu­ter­te, ei­ne Über­nah­me bräch­te zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt die Ak­tio­nä­re um den Wert, der in den letz­ten zehn Jah­ren im Un­ter­neh­men kre­iert wor­den sei.

Am Tag zu­vor muss­te Ac­te­li­on zu­dem die frü­he­re Ge­winn­pro­gno­se für 2010 re­du­zie­ren, we­gen Kos­ten aus ei­nem Rechts­fall. Der «Ta­ges-An­zei­ger» be­zif­fer­te am Frei­tag die Kos­ten oh­ne Qu­el­len­an­ga­be auf bis zu 100 Mio. $. Doch dem Ak­ti­en­kurs konn­te dies al­les kaum et­was an­ha­ben, was auf kon­ti­nu­ier­li­che Käu­fe hin­deu­tet. Im­mer­hin: Der An­la­ge­fonds­dienst­leis­ter Morningstar hat die­ser Ta­ge ei­ne Lis­te von zehn Über­nah­me­kan­di­da­ten für 2010 ver­öf­fent­licht. Dar­un­ter fi­gu­riert, als ein­zi­ger nicht ame­ri­ka­ni­scher Ti­tel, auch Ac­te­li­on.

Nächs­ten Don­ners­tag wird No­var­tis (Ak­ti­en –0,6%) den Ab­schluss prä­sen­tie­ren. Die UBS-Ana­lys­ten schät­zen, dass der Um­satz 14% auf 50,4 Mrd. $, der Be­triebs­ge­winn 25% auf 11,4 Mrd. $ und der Rein­ge­winn 14% stei­gen wird. Da­bei ist zu be­ach­ten, dass Al­con zu rund drei Vier­teln in die No­var­tis-Re­sul­ta­te ein­be­zo­gen wird, was vor al­lem den Be­triebs­ge­winn güns­tig be­ein­flusst (vgl. Geld und Brief auf die­ser Sei­te). Weil der Kon­zern für die Über­nah­me Kre­di­te auf­ge­nom­men hat, steigt al­ler­dings auch der Zin­s­auf­wand, wes­halb der Rein­ge­winn we­ni­ger stark zu­legt als der Be­triebs­ge­winn (der ja im we­sent­li­chen als Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern de­fi­niert ist).

Im In­dus­trie­seg­ment zeig­ten sich ge­gen­läu­fi­ge Ten­den­zen. Au­to­zu­lie­fe­rer wie Georg Fischer (–6,3%) und Rie­ter (–3,3%) kor­ri­gier­ten, was mit ei­ner ana­lo­gen Ent­wick­lung der Au­to­wer­te (vor­ab der deut­schen) in Ver­bin­dung ge­bracht wur­de. Grund wa­ren Ge­winn­mit­nah­men nach zu­letzt star­ken Kurs­a­van­cen, aber auch die Mass­nah­men der chi­ne­si­schen Re­gie­rung zur Ab­küh­lung der Wirt­schaft. Chi­na ist der gröss­te Au­to­markt der Welt.

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

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