Ri­si­ko­frei­er Zins exis­tiert nicht mehr

MO­NAT­LI­CHE ZINS­KUR­VE Glo­ba­le In­fla­ti­ons- und Wachs­tums­er­war­tun­gen do­mi­nie­ren Bond­märk­te

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MAR­CO ENGESSER,

Die Fi­nanz­märk­te än­der­ten die Wahr­neh­mung der Wirt­schafts­ent­wick­lung der In­dus­trie­na­tio­nen 2010 oft und in schnel­ler Fol­ge. Die Ge­müts­la­ge schwank­te zwi­schen ei­ner zwei­ten glo­ba­len Re­zes­si­on und ei­ner sich fort­set­zen­den, wenn auch un­gleich­mäs­sig ver­lau­fen­den Er­ho­lung. Da­bei kam es zu be­mer­kens­wer­ten Ent­wick­lun­gen. Die ver­meint­lich ri­si­ko­rei­che­ren An­la­gen der Ent­wick­lungs­län­der und Un­ter­neh­men lie­fer­ten ei­nen sta­bi­le­ren Er­trag als An­lei­hen von In­dus­trie­staa­ten.

Die Un­ge­wiss­heit über den Ver­lauf der Staa­ten­kri­se wur­de zu ei­nem wich­ti­gen Trei­ber der Ri­si­ko­prä­mi­en. Die ri­si­ko­lo­se An­lei­he exis­tiert heu­te nicht mehr. Ne­ben der Bo­ni­täts­be­ur­tei­lung müs­sen In­ves­to­ren beim ak­tu­ell tie­fen Zins­ni­veau auch Aspek­te der Kauf­kraf­ter­hal­tung oder mög­li­che Ver­lus­te durch stei­gen­de Zin­sen be­rück­sich­ti­gen – An­la­gen in Staats­an­lei­hen sind mehr­di­men­sio­nal ge­wor­den.

Die Schweiz steht als si­che­rer Ha­fen in­mit­ten die­ses neu­en Span­nungs­felds. Die be­stim­men­den Grös­sen von Zins­ni­veau und -kur­ve än­dern sich da­bei lau­fend. Die Un­ge­wiss­heit die­ses neu­en Um­felds wird durch Aus­sa­gen der füh­ren­den west­li­chen Zen­tral­ban­ken be­stä­tigt. So er­war­tet die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) in ih­rem Be­richt von Mit­te De­zem­ber si­gni­fi­kant nied­ri­ge­re Wachs­tums­ra­ten in der Schweiz für die­ses Jahr. Das Fe­deral Re­ser­ve hin­ge­gen sieht sich in sei­ner Po­li­tik des bil­li­gen Gel­des be­stä­tigt. Sie rech­net mit rund drei Mil­lio­nen neu­en Ar­beits­plät­zen in den nächs­ten zwei Jah­ren. Die Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank über­rasch­te je­doch letz­te Wo­che die Märk­te mit ei­nem un­er­war­tet deut­li­chen Hin­weis, dass mit Blick auf auf­zie­hen­de In­fla­ti­ons­ge­fahr die Zin­sen nicht ewig der­art tief blei­ben müs­sen. Die Bank of En­g­land hin­ge­gen hält sich trotz ei­ner be­reits deut­lich an­zie­hen­den Teue­rung be­deckt und stützt mit ih­rer wei­ter­hin lo­cke­ren Geld­po­li­tik den Spar­kurs der Re­gie­rung.

Die Ren­di­ten län­ge­rer Lauf­zei­ten der rich­tung­wei­sen­den Zins­märk­te re­agier­ten in den letz­ten Wo­chen vor al­lem noch­mals mit ei­ner deut­li­chen Auf­wärts­be­we­gung. Wir se­hen uns dar­in be­stä­tigt, dass das lan­ge En­de der Kur­ve mehr Aus­sa­ge­kraft über den Zu­stand ei­nes Bond­markts be­sitzt. Ak­tu­ell et­was in den Hin­ter­grund rück­ten Auf­schlä­ge für Kre­dit­ri­si­ko­prä­mi­en, wäh­rend glo­bal die Er­war­tun­gen ei­nes hö­he­ren Wachs­tums ge­kop­pelt mit ei­nem recht deut­li­chen An­stieg der Teue­rungs­ra­te die Ob­li­ga­tio­nen­märk­te do­mi­nie­ren. Die Se­co-Um­fra­ge zu den In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen be­stä­tigt die­sen Trend.

Die Zen­tral­ban­ken der füh­ren­den In­dus­trie­na­tio­nen wer­den vo­r­erst durch die­se Wachs­tums­pha­se «hin­durch­se­hen» und die Zin­sen tief las­sen. Die Bot­schaft des Markts lau­tet aber im­mer deut­li­cher: Auf­ge­scho­ben ist nicht auf­ge­ho­ben. Dies ist er­kenn­bar an mar­kant hö­he­ren For­ward Ra­tes oder stei­gen­den Prei­sen für kurz-und mit­tel­fris­ti­ge In­fla­ti­ons­s­waps. Wir er­war­ten, dass die Fran­ken­kur­ve ten­den­zi­ell steil bleibt. Die Ren­di­te­dif­fe­renz zwi­schen zwei-und zehn­jäh­ri­gen Swap­sät­zen liegt auf leicht hö­he­rem Ni­veau als vor ei­nem Jahr, nach­dem sie im Au­gust das Tiefst er­reicht hat. We­gen der ho­hen Kor­re­la­ti­on kann sich der Fran­ken­markt den glo­ba­len Trends nicht ent­zieht.

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