Der Fran­ken gibt nach

DE­VI­SEN Op­ti­mis­ti­scher Ifo-In­dex – Bra­si­lia­ni­sche und polnische No­ten­bank er­hö­hen Leit­zins

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Seit sei­nem his­to­ri­schen Re­kord am 30. De­zem­ber 2010 auf 1,2402 Fr./€ hat sich der Fran­ken 4,8% ab­ge­wer­tet. Am Frei­tag han­del­te er auf über 1.30 Fr./€ – die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta ist noch im­mer stark.

Ge­mäss Wirt­schafts­mi­nis­ter Jo­hann Schnei­der-Amman ist die La­ge ernst, aber in ei­ner Kri­se ste­cke die Schwei­zer Wirt­schaft des­we­gen nicht. Ver­gan­ge­nen Frei­tag hat­te das Se­co mit Ver­tre­tern von Wirt­schafts-und Bran­chen­ver­bän­den so­wie Ge­werk­schaf­ten über die Wech­sel­kurs­la­ge dis­ku­tiert – oh­ne Er­geb­nis. Kon­kre­te Mass­nah­men hat der Bun­des­rat auch am Mitt­woch in ei­ner Stel­lungs­nah­me zur Fran­ken­stär­ke, nicht kom­mu­ni­ziert. Schnei­der-Am­mann stellt je­doch in den kom­men­den Wo­chen Be­schlüs­se in Aus­sicht. U. a. wird ei­ne be­fris­te­te Er­hö­hung der Bun­des­gel­der für das Stand­ort­mar­ke­ting des Tou­ris­mus ins Au­ge ge­fasst so­wie ei­ne Ver­län­ge­rung der Ex­port­ri­si­ko­ver­si­che­rung. Schnei­der-Am­mann be­ton­te, dass die Geld-und Wäh­rungs­po­li­tik Auf­ga­be der Na­tio­nal­bank sei (vgl. Sei­te 2).

In fünf Jah­ren un­ter 1 Fr./€?

Nick Bee­croft, Se­ni­or Mar­kets Con­sul­tant von Sa­xo Bank, be­ti­telt die Schwei­zer Va­lu­ta an ei­nem Me­di­en­an­lass in Zü­rich als Rät­sel. Er stellt drei Fra­gen: Ers­tens wird der Fran­ken zur his­to­ri­schen Kor­re­la­ti­on zu­rück­keh­ren? In der Ver­gan­gen­heit hat sich die Va­lu­ta dann auf­ge­wer­tet, wenn die Markt­teil­neh­mer ri­si­ko­avers agier­ten. Im vier­ten Quar­tal 2010 war das nicht mehr der Fall – die Ak­ti­en­märk­te stie­gen, gleich­zei­tig fes­tig­te sich der Fran­ken (vgl. Gra­fik).

Zwei­tens fragt Bee­croft, ob die Eu­ro­pho­bie an­hal­te, und drit­tens, ob sich die Fran­ken­stär­ke von selbst kor­ri­gie­re. Soll­te die Eu­ro­zo­ne­ver­schul­dungs­kri­se an­hal­ten, rech­net der Ex­per­te mit Kur­sen um 1.15 bis 1.20 Fr./€. Doch mit­tel­fris­tig sei­en auch No­tie­run­gen von 1.35 bis 1.40 Fr./€ bzw. 1.20 Fr./$ mög­lich. Ver­mehrt wer­de in an­de­re Flucht­wäh­run­gen, u. a. der ka­na­di­sche Dol­lar und die nor­we­gi­sche Kro­ne, in­ves­tiert wer­den. Aus­ser­dem neh­me die Schwei­zer Wett­be­werbs­fä­hig­keit durch die Fran­ken­stär­ke ab. Und in fünf Jah­ren? Bee­croft will sich nicht fest­le­gen, doch soll­te die Eu­ro­zo­ne in der­sel­ben Form be­ste­hen, wer­de der Fran­ken un­ter 1.00 Fr./€ no­tie­ren. Er be­grün­det dies fun­da­men­tal: Im Ver­gleich sei die Schwei­ze­ri­sche Volks­wirt­schaft zu gut auf­ge­stellt.

Am Frei­tag er­hielt die Ge­mein­schafts­wäh­rung ei­nen Schub auf 1.35 $/€ aus dem Ifo-Ge­schäfts­kli­ma­in­dex für Deutsch­land. Er über­rasch­te po­si­tiv und stieg im Ja­nu­ar auf 110,3 Punk­te. Im De­zem­ber hat­te der In­di­ka­tor 109,8 er­reicht. Wei­ter ver­bes­sert hat sich die Kom­po­nen­te der Ge­schäfts­er­war­tung. Ver­ant­wort­lich für das vor­teil­haf­te Er­geb­nis war be­son­ders das ver­ar­bei­ten­de Ge­wer­be. Der IfoGe­schäfts­kli­ma­in­dex ist ein vor­lau­fen­der Kon­junk­tur­in­di­ka­tor und das er­freu­li­che Re­sul­tat lässt ver­mu­ten, dass die deut­sche Volks­wirt­schaft auch im ers­ten Quar­tal 2011 kräf­tig wach­sen wird.

Spe­ku­la­tio­nen auf ei­ne Zins­er­hö­hung der Bank of En­g­land ha­ben das Pfund auf­wer­ten las­sen. Im De­zem­ber war die In­fla­ti­on un­er­war­tet kräf­tig 3,7% ge­gen­über dem Vor­jahr ge­stie­gen. Ver­ur­sacht wur­de die Teue­rung durch hö­he­re Ener­gie-, Ben­zin-und Le­bens­mit­tel­prei­se. Eben­falls un­vor­teil­haft ge­wirkt ha­ben dürf­te die früh­zei­ti­ge Preis­an­pas­sung an die Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung vom Ja­nu­ar. Die bri­ti­sche Va­lu­ta no­tier­te am Frei­tag 1.60 $/£, 1.18 €/£ so­wie 1.53 Fr./£. Eben­falls re­agiert hat der An­lei­hen­markt: Er preist ei­ne Zins­er­hö­hung von 25 Bp im Ju­ni und zwei wei­te­re Schrit­te bis zum Jah­res­en­de ein.

Die bra­si­lia­ni­sche No­ten­bank hat auf die ho­he Teue­rung re­agiert: Sie er­höh­te am Mitt­woch den Leit­zins 50 Ba­sis­punk­te (Bp) auf 11,25%. 2010 hat­te die In­fla­ti­ons­ra­te 5,9% er­reicht, den höchs­ten Wert seit sechs Jah­ren. Die No­ten­bank ver­folgt ein Teue­rungs­ziel von 4,5%. Der Re­al be­weg­te sich auf 1.67 Re­al/$ seit­wärts. Eben­falls an der Zins­schrau­be ge­dreht hat die polnische No­ten­bank: Sie hebt den Leit­zins 25 Bp auf 3,75% an, zum ers­ten Mal seit neun­zehn Mo­na­ten. Auch das polnische In­sti­tut be­grün­det die Er­hö­hung mit dem Teue­rungs­druck. Im De­zem­ber 2010 sei die In­fla­ti­ons­ra­te auf 3,1% ge­stie­gen, an­ge­strebt wer­den 2,5%. Der Zlo­ty ge­wann in der Fol­ge mo­de­rat auf 3.90 Zlo­ty/€.

In­sta­bi­les Tu­ne­si­en

In Kür­ze er­neut die geld­po­li­ti­schen Zü­gel straf­fen dürf­te Chi­na. Die Volks­re­pu­blik ist im ver­gan­ge­nen Jahr mit 10,3% kräf­tig ge­wach­sen, es droht ei­ne kon­junk­tu­rel­le Über­hit­zung. Dies­be­züg­lich hat die Re­gie­rung be­reits Mass­nah­men er­grif­fen, u. a. wur­den ver­gan­ge­ne Wo­che die Min­dest­re­ser­vean­for­de­run­gen für Ban­ken wei­te­re 50 Bp er­höht. Sie lie­gen da­mit auf ei­nem Re­kord von 19,5%.

Der po­li­ti­sche Macht­wech­sel in Tu­ne­si­en hin­ter­lässt Spu­ren im Ra­ting: Stan­dard & Poor’s prüft die No­te BBB+ auf ei­ne Her­ab­stu­fung hin. Die Agen­tur be­grün­det den Schritt mit der In­sta­bi­li­tät der Re­gie­rung, die sich nach­tei­lig auf den Staats­haus­halt und das Wirt­schafts­wachs­tum aus­wir­ken kön­ne. Auf den Um­sturz nicht re­agiert hat hin­ge­gen der Di­nar, die Wäh­rung Tu­ne­si­ens. Die Va­lu­ta ist nicht frei kon­ver­tier­bar, ihr Kurs ist zu 1.43 Di­nar an den Dol­lar ge­kop­pelt.

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