Pre­mie­re Aser­bai­dschans in Genf

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JR

Die Schwei­zer Fi­nanz­markt­auf­sicht (Fin­ma) über­wacht der­zeit 48 Ver­tre­tun­gen aus­län­di­scher Ban­ken. In Kür­ze könn­te ein neu­es In­sti­tut aus ei­nem neu­en Land die Lis­te er­wei­tern: Pa­sha Bank aus Aser­bai­dschan. Fa­rid Ak­hun­dov, Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der von Pa­sha Bank, er­klärt im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» den Grund der Ex­pan­si­ons­plä­ne: «Un­se­re Kun­den ha­ben das Be­dürf­nis, ih­re Tä­tig­kei­ten ins Aus­land aus­zu­wei­ten. Wir wol­len sie be­glei­ten.» Ak­hun­dov reist häu­fig nach Zü­rich und Genf. Er will die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ken­nen und ver­ste­hen so­wie ler­nen, wor­auf Schwei­zer Pri­va­te Ban­king ba­siert. Die ge­plan­te Ver­tre­tung der Fa­mi­li­en­bank Pa­sha wer­de sich ver­mut­lich in Genf nie­der­las­sen. Die Di­enst­leis­tun­gen sol­len Ei­gen­tü­mern und Füh­rungs­per­so­nen von Un­ter­neh­men an­ge­bo­ten wer­den.

Die ehe­ma­li­ge So­wjet­re­pu­blik Aser­bai­dschan liegt zwi­schen der Rus­si­schen Fö­de­ra­ti­on, Ge­or­gi­en, Ar­me­ni­en und dem Iran. Die Re­pu­blik er­wirt­schaf­tet mit 9 Mio. Ein­woh­nern ein Brut­to­in­land­pro­dukt von 32 Mrd. $, Haupt­stadt ist Ba­ku. Mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Wachs­tums­ra­te von 21,2% in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ist der Staat ein at­trak­ti­ves Schwel­len­land. Be­steht in die­sem Um­feld kei­ne Über­hit­zungs­ge­fahr? Ak­hun­dov ver­neint. Die Re­gie­rung sei klug ge­nug zu wis­sen, dass das Roh­öl nicht ewig rei­chen wer­de. Sie stre­be des­halb ei­ne Di­ver­si­fi­ka­ti­on der Volks­wirt­schaft an, be­son­ders in den Be­rei­chen Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und In­fra­struk­tur. Eben­so be­deu­tend sei die Land­wirt­schaft, von der die Mehr­heit der Be­völ­ke­rung le­be. In So­wjet­zei­ten sei die Re­pu­blik gröss­ter Lie­fe­rant von Früch­ten und Ge­mü­se ge­we­sen.

Doch nicht al­les ist ro­sig in Aser­bai­dschan. Im No­vem­ber hat­te die Re­gie­rungs­par­tei die Par­la­ments­wah­len deut­lich ge­won­nen. Die in­ter­na­tio­na­len Wahl­be­ob­ach­ter der Or­ga­ni­sa­ti­on für Si­cher­heit und Zu­sam­men­ar­beit in Eu­ro­pa be­schei­nig­ten zwar ei­ne fried­li­che At­mo­sphä­re und ei­nen po­li­ti­schen Pro­zess, an dem al­le Kräf­te hät­ten teil­neh­men kön­nen. Kri­ti­siert wur­den aber die man­geln­de Me­di­en-und Ver­samm­lungs­frei­heit. Po­li­ti­sches Ri­si­ko so­wie ei­ne schwa­che Geld­po­li­tik or­tet auch Stan­dard & Poor’s (S&P) als Pro­ble­me der Re­pu­blik. Ge­lobt wird die ge­rin­ge Staats­ver­schul­dung, im lau­fen­den Jahr und 2011 wird ein BIP-Wachs­tum von 4% pro­gnos­ti­ziert. Aser­bai­dschan wird von S&P mit BB+ und ei­nem po­si­ti­ven Aus­blick be­wer­tet. Mit Ba1 sta­bil ver­leiht Kon­kur­ren­tin Moo­dy’s der Re­pu­blik ei­ne äqui­va­len­te Bo­ni­täts­no­te. Fitch hin­ge­gen ver­gibt BBB– sta­bil, al­so ein Ra­ting im Be­reich der An­la­ge­qua­li­tät. Ge­mäss den Bo­ni­täts­no­ten ist das Aus­fall­ri­si­ko Aser­bai­dschans ge­rin­ger als das von Grie­chen­land!

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