Ana­dar­ko will kräf­tig wach­sen

AKTIENEXPOSÉ US-Öl- und Gas­kon­zern hat at­trak­ti­ve Pro­jek­te – «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» be­las­tet – Ak­ti­en sind lang­fris­ti­ge An­la­ge

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - MAR­TIN GOLLMER

Ana­dar­ko Pe­tro­le­um ist ein un­ab­hän­gi­ger ame­ri­ka­ni­scher Mid­Cap-Ener­gie­kon­zern, der fo­kus­siert ist auf Ex­plo­ra­ti­on und Pro­duk­ti­on haupt­säch­lich in den USA, der aber auch an den ge­gen­wär­tig «heis­sen» Punk­ten des Öl-und Gas­ge­schäfts vor den Küs­ten Bra­si­li­ens und West­afri­kas ak­tiv ist. Wei­te­re in­ter­na­tio­na­le Pro­jek­te ver­folgt das Un­ter­neh­men in Al­ge­ri­en, Chi­na, In­do­ne­si­en und Mo­zam­bi­que. Ge­mäss Jo­na­than Wolff, Ana­lyst bei Cre­dit Suis­se, hält Ana­dar­ko «das brei­tes­te und ska­lier­bars­te As­set Port­fo­lio» un­ter den un­ab­hän­gi­gen US-Ener­gie­ge­sell­schaf­ten. Der Pro­duk­ti­ons­mix ist 60% Gas und 40% Öl. Die be­wie­se­nen Re­ser­ven be­lau­fen sich auf 1 Mrd. Fass Öl und 7,8 Bio. Ku­bik­fuss Gas. 89% da­von la­gern in den USA.

Be­deu­ten­der Fund

Zwei­mal ist Ana­dar­ko in letz­ter Zeit ins Ge­spräch ge­kom­men. Zu­nächst im Sep­tem­ber 2009 durch die Ent­de­ckung ei­nes «sehr be­deu­ten­den» Öl­re­ser­voirs vor der Küs­te Sier­ra Leo­nes in 6000 Me­tern Tie­fe. Was das Re­ser­voir mit dem Na­men Ve­nus ne­ben sei­ner Grös­se noch be­mer­kens­wert macht, ist, dass es von La­ge und Struk­tur her dem be­reits pro­du­zie­ren­den Öl­feld Ju­bi­lee (an dem Ana­dar­ko eben­falls be­tei­ligt ist) in den gha­nai­schen Küs­ten­ge­wäs­sern gleicht. Ge­mäss Bob Da­ni­els, Ana­dar­kos Se­ni­or Vice Pre­si­dent für welt­wei­te Ex­plo­ra­ti­on, sind da­mit ver­mut­lich die bei­den En­den ei­ner 1100 Ki­lo­me­ter lan­gen ein­heit­li­chen tek­to­ni­schen Struk­tur von Sier­ra Leo­ne im Wes­ten bis Gha­na im Os­ten ge­fun­den wor­den.

Ana­dar­ko hat­te schon lan­ge be­haup­tet, dass sich die geo­lo­gi­sche Struk­tur, die bei Ju­bi­lee ent­deckt wur­de, Hun­der­te Ki­lo­me­ter west­wärts er­streckt. Der Kon­zern

Ja­mes Ha­ckett. kauf­te des­halb Ex­plo­ra­ti­ons­rech­te ent­lang der west­afri­ka­ni­schen Küs­te auf. Ana­dar­ko be­sitzt dort nun zehn Blocks von ins­ge­samt 3,2 Mio. Hekt­ar Flä­che. Das Un­ter­neh­men sagt, es ha­be ent­lang die­ser Struk­tur dreis­sig Stel­len iden­ti­fi­ziert, wo Öl und Gas in be­deu­ten­den Men­gen vor­kom­men könn­ten. Vor Gha­na hat Ana­dar­ko im Feld Owo im drit­ten Quar­tal 2010 be­reits Öl ge­fun­den.

Ein zwei­tes Mal ins Schein­wer­fer­licht der Me­di­en ge­riet Ana­dar­ko beim Un­ter­gang der Öl­bohr­platt­form «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» im April 2010, der zu ei­ner rie­si­gen Öl­pest im Golf von Me­xi­ko führ­te. Haupt­eig­ner die­ses Pro­jekts ist zwar die bri­ti­sche BP mit ei­nem 65%-An­teil, doch wei­te­re 25% ge­hö­ren Ana­dar­ko und die rest­li­chen 10% der ja­pa­ni­schen Mitsui.

BP stellt sich auf den Stan­dpunkt, dass Ana­dar­ko des­halb auch 25% der Kos­ten und Bus­sen tra­gen müs­se, die durch die öko­lo­gi­sche, wirt­schaft­li­che und ju­ris­ti­sche Be­wäl­ti­gung der Öl­ka­ta­stro­phe ent­ste­hen. BP, die die­se Kos­ten und Bus­sen auf ma­xi­mal 40 Mrd. $ ver­an­schlagt, hat denn auch Ana­dar­ko be­reits Rech­nun­gen ge­schickt. Die­se hat die Zah­lungs­auf­for- de­run­gen bis­her igno­riert. Ana­dar­ko ver­tritt die An­sicht, dass der Un­fall durch Fahr­läs­sig­kei­ten und Feh­ler von BP, die auf der Bohr­platt­form die we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen traf, ver­ur­sacht wor­den sei und der Mul­ti des­halb al­lein die Ver­ant­wor­tung tra­gen müs­se.

Wer Recht hat, wird ein wahr­schein­lich jah­re­lan­ger Streit vor Ge­richt zei­gen. Im schlimms­ten Fall be­lie­fe sich die Rech­nung für Ana­dar­ko auf 10 Mrd. $. Die­sen steht ge­gen­wär­tig ei­ne Li­qui­di­tät von 9,2 Mrd.$ – 4,2 Mrd. $ Bar­mit­tel und 5 Mrd. $ un­be­nutz­te Kre­dit­li­ni­en – ge­gen­über. Der Kon­zern wür­de die­sen «Worst Ca­se» al­so über­le­ben kön­nen.

Über­nah­me­ge­rüch­te

«Deep­wa­ter Ho­ri­zon» hat den Kurs der Ana­dar­ko-Ti­tel von gut 73 $ auf knapp 35 $ am Hö­he­punkt der Kri­se fal­len las­sen. Bis heu­te hat er sich wie­der auf über 75 $ er­holt – ein Zei­chen, dass die An­le­ger nicht mit dem schlimms­ten Fall rech­nen. En­de De­zem­ber mach­te der Ak­ti­en­kurs ei­nen Sprung von 10%, als ei­ne eng­li­sche Zei­tung be­rich­te­te, der aus­tra­li­sche Roh­stoff­gi­gant BHP Bil­li­ton er­wä­ge ein Über­nah­me­an­ge­bot an Ana­dar­ko in der Hö­he von 90 $ pro Va­lor. Ana­dar­ko gilt seit lan­gem als at­trak­ti­ves Über­nah­me­ziel für ei­nen der gros­sen Ener­gi­e­mul­tis.

Auch wenn sich der Ak­ti­en­kurs wie­der er­holt hat, wird ihn die Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko noch ei­ne Wei­le im Zaum hal­ten. Lang­fris­tig aus­ge­rich­te­te An­le­ger soll­ten sich da­von je­doch nicht ab­schre­cken las­sen. Sie kön­nen sich dar­an ori­en­tie­ren, dass Ana­dar­ko die In­ves­ti­tio­nen er­höht, was von ei­nem ak­ti­ven Ex­plo­ra­ti­ons­pro­gramm und ho­hen Wachs­tum­sam­bi­tio­nen zeugt. Die Pro­duk­ti­on von Öl und Gas soll denn auch in Zu­kunft 7 bis 9% jähr­lich stei­gen – ein für die Bran­che über­durch­schnitt­li­cher Wert.

Ana­dar­ko-Chef

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