Auf dem Weg ins Ram­pen­licht

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - DF

Der Roh­stoff­rie­se Glen­co­re war bis­her um gröss­te Dis­kre­ti­on be­müht. An­fra­gen von Me­di­en wur­den mit der la­pi­da­ren Aus­sa­ge «Da­zu sa­gen wir nichts» quit­tiert. Seit­dem die Grup­pe aus Baar je­doch mit der Emis­si­on ei­ner Wan­del­an­lei­he En­de 2009 kund­tat, über ei­nen Bör­sen­gang nach­zu­den­ken, steigt der Druck, der Öf­fent­lich­keit mehr In­for­ma­tio­nen preis­zu­ge­ben. Auch von der Kon­zern­füh­rung wird er­war­tet, sich we­ni­ger zu­ge­knöpft zu ver­hal­ten.

Noch gibt die Glen­co­re-Spit­ze kei­ne In­ter­views. Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer Ivan Gla­sen­berg ist sich aber be­wusst, dass er sehr viel mehr im Ram­pen­licht ste­hen wird, wenn der Start­schuss für den Bör­sen­gang fällt. Gla­sen­berg ist be­reit, die Her­aus­for­de­rung an­zu­neh­men. Der 53-Jäh­ri­ge ver­dien­te sich die Spo­ren im Koh­le­han­del von Glen­co­re ab. Da­bei er­warb er sich den Ruf ei­nes tat­kräf­ti­gen Händ­lers. Sei­ne bis­he­ri­ge Amts­zeit als Kon­zern­chef, die An­fang 2002 be­gann, war von star­kem Wachs­tum be­glei­tet. Die Bi­lanz, die En­de der Neun­zi­ger­jah­re we­ni­ger als 10 Mrd. $ an Ak­ti­ven um­fass­te, ist auf rund 70 Mrd. $ ge­wach­sen. Un­ter Gla­sen­berg hat Glen­co­re vor al­lem das In­dus­trie­porte­feuille er­wei­tert und Be­tei­li­gun­gen an zahl­rei­chen Berg­bau­ge­sell­schaf­ten wie dem aus­tra­li­schen Ni­ckel­för­de­rer Mi­na­ra Re­sour­ces (70,6%) und dem im Kon­go ak­ti­ven Ko­balt­pro­du­zen­ten Katan­ga Mi­ning (74,4%) auf­ge­baut.

Nach wie vor zu 34,4% be­tei­ligt ist der ge­mes­sen am Um­satz dritt­gröss­te Schwei­zer Kon­zern an Xstra­ta. Die in Zug do­mi­zi­lier­te Schwes­ter­ge­sell­schaft hat sich ih­rer­seits durch Zu­käu­fe stark ver­grös­sert. Xstra­ta-Chef Mick Da­vis wuchs wie Gla­sen­berg in ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie in Süd­afri­ka auf. Die bei­den sind seit dem Stu­di­um be­freun­det, was wohl mit ein Grund ist, wes­halb die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Glen­co­re und Xstra­ta seit Jah­ren rei­bungs­los funk­tio­niert. Glen­co­re ver­mark­tet mit ih­rer mäch­ti­gen Han­dels­ab­tei­lung ei­nen gros­sen Teil der von Xstra­ta ge­för­der­ten Roh­stof­fe wie Koh­le, Fer­ro­chrom, Va­na­di­um und Ko­balt. Die Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen, die Xstra­ta zur Ex­pan­si­on be­nö­tig­te, wur­den von Glen­co­re stets an­teils­mäs­sig ge­zeich­net. An­ders als Xstra­ta war es Glen­co­re bis­her ver­wehrt, Ka­pi­tal für Trans­ak­tio­nen über die Bör­se zu be­schaf­fen. Gla­sen­berg, der mit Chair­man Wil­ly Strot­hot­te die Glen­co­re-In­ter­es­sen im Xstra­ta-Ver­wal­tungs­rat ver­tritt, be­rei­tet die­ser Um­stand wach­sen­des Kopf­zer­bre­chen. Die Prei­se für Mi­nen­be­tei­li­gun­gen sind im Zu­ge der Roh­stoff­hausse mas­siv ge­stie­gen, und Glen­co­re fehlt die Ak­qui­si­ti­ons­wäh­rung Ak­tie.

Öff­net sich Glen­co­re wie ge­plant dem Pu­bli­kum, wird sich der Spiel­raum für Über­nah­men mar­kant er­wei­tern. Gla­sen­berg, der mit rund 500 Mit­ar­bei­tern das Ka­pi­tal der Grup­pe hält, könn­te dann sei­nen An­teil we­sent­lich ein­fa­cher ver­äus­sern. Schnell Kas­se ma­chen ist des Mil­li­ar­därs Sa­che je­doch nicht. Der Aus­dau­er­sport­ler (Ren­nen, Schwim­men, Velo­fah­ren) dürf­te Glen­co­re die Treue hal­ten, was sein Ent­scheid un­ter­streicht, in der Zürcher Wohn­ge­mein­de Rüsch­li­kon das Bür­ger­recht zu be­an­tra­gen. Der Schwei­zer­pass soll­te dem­nächst bei ihm und sei­ner vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie ein­tref­fen, wo­mit der Süd­afri­ka­ner, der auch ei­nen aus­tra­li­schen Pass be­sitzt, künf­tig auf drei Kon­ti­nen­ten zu­hau­se ist.

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