Zur Per­son

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - AS

Es war ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung, als der 63-jäh­ri­ge Pe­ter Go­mez 2006 zum Prä­si­den­ten der da­ma­li­gen SWX Group er­nannt wur­de. Go­mez war in der Öf­fent­lich­keit vor al­lem be­kannt als ehe­ma­li­ger Rek­tor des Uni­ver­si­tät St. Gal­len (1999– 2005) und Pro­fes­sor für Be­triebs­wirt­schaft. Als Rek­tor war er für die Um­set­zung der Bo­lo­gnare­form ver­ant­wort­lich und be­wies Über­zeu­gungs­kraft und Durch­set­zungs­ver­mö­gen, in­dem er breit­ge­streu­te In­ter­es­sen auf ein über­ge­ord­ne­tes Ziel hin bün­del­te. Die­se Er­fah­rung so­wie die Tat­sa­che, dass er kei­ne Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen ver­trat, ka­men ihm in der For­mie­rung der SIX Group per An­fang 2008 zu­gut, als es galt, drei Un­ter­neh­men (SWX, SIS und Te­le­kurs) so­wie un­ter­schied­li­che An­lie­gen von Ban­ken und Fi­nanz­in­ter­me­diä­ren un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Der Quer­ein­stei­ger sieht sei­ne «Mis­si­on» noch nicht er­füllt und stellt sich im Früh­ling für ein wei­te­res drei­jäh­ri­ges Man­dat als Prä­si­dent der SIX Group zur Ver­fü­gung.

Aber in an­de­ren Bran­chen gä­be es Är­ger, wenn sich Ak­tio­nä­re ei­nes Un­ter­neh­mens so ver­hiel­ten. Ab­so­lut. Dar­um sa­ge ich ja: Wir neh­men die­ses Wett­be­werbs­ver­hält­nis sport­lich.

Kon­flik­te mit den bei­den Gross­ban­ken, wo es wirk­lich hart auf hart geht, hat­ten wir kei­ne.

In­vest­ment Ban­king stark von New York und vor al­lem London ge­steu­ert wer­den. Die dor­ti­gen Ent­schei­dungs­trä­ger den­ken nicht in ers­ter Li­nie an die In­ter­es­sen der SIX Group. Aber die Gross­ban­ken­ver­tre­ter in un­se­rem Ver­wal­tungs­rat sind durch­aus in der La­ge je­weils zu sa­gen, wel­chen Hut sie ge­ra­de an­ha­ben. Kon­flik­te, wo es wirk­lich hart auf hart geht, hat­ten wir kei­ne.

Zum Ge­schäfts­mo­dell der SIX Group. Es ist durch ho­he Fix­kos­ten ge­prägt. Ist es nicht ge­fähr­lich, die Fi­nanz­kri­se lässt grüs­sen, wenn ein Un­ter­neh­men Grös­se als stra­te­gi­sches Ziel de­fi­niert? Mein Cre­do lau­te­te im­mer: Wenn wir als Grup­pe au­to­nom blei­ben, müs­sen wir die kri­ti­sche Mas­se ha­ben, um in­ter­na­tio­nal zu be­ste­hen. Wir ha­ben un­ser Port­fo­lio di­ver­si­fi­ziert, nicht nur im Han­del, son­dern auch über zu­sätz­li­che An­ge­bo­te wie Fi­nanz­in­for­ma­tio­nen und das Kar­ten­ge­schäft, be­son­ders im Aus­land. Da­durch konn­ten wir Zy­klen glät­ten.

Der Ein­tritt in stra­te­gisch wich­ti­ge Aus­land­märk­te kann auch ins Au­ge ge­hen. Der Wert der stra­te­gi­schen Be­tei­li­gung an der US-De­ri­vat­bör­se ISE muss­te 2009 um 45 Mio. Fr. be­rich­tigt wer­den, im letz­ten Jahr ein wei­te­res Mal. Die da­ma­li­ge Ent­schei­dung der ISE-Ak­qusi­ti­on fuss­te auf dem Ziel der Eur­ex ( Jo­int Ven­ture von Deut­sche Bör­se und SIX Group, Anm. d. Red.), die welt­weit füh­ren­de Stel­lung als De­ri­vat­bör­se aus­zu­bau­en. Das ist nicht mög­lich, oh­ne in den USA prä­sent zu sein. Der Ver­such, dort mit ei­ner ei­ge­nen Bör­se Fuss zu fas­sen, war zu­vor ge­schei­tert. Die ISE-Be­tei­li­gung wur­de vor der Fi­nanz­kri­se er­wor­ben, als die Märk­te boom­ten. Die Pla­nungs­zah­len wur­den nicht er­reicht, weil un­er­war­tet vie­le Kon­kur­ren­ten im US-De­ri­vat­markt auf­tauch­ten und neue Vor­schrif­ten der Auf­sichts­be­hör­den die Um­set­zung von Ge­schäfts­plä­nen ver­zö­gert ha­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.