Bell mag Hil­co­nas Fer­tig­kost

Fleisch­ver­ar­bei­ter steigt in Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ein – Neue Aus­land­märk­te öff­nen sich für Bell – Bei­de Sei­ten pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ERICH BÜRGLER

Aus dem Beu­tel in die Pfan­ne. Nach die­sem Re­zept wird in im­mer mehr Haus­hal­ten ge­kocht. Der Fleisch­ver­ar­bei­ter Bell macht dar­um im Ge­schäft mit Fer­tig­me­nüs und an­de­ren rasch zu­be­reit­ba­ren Nah­rungs­mit­teln ge­mein­sa­me Sa­che mit Hil­co­na. Bell in­te­griert die Spar­te Con­ve­ni­ence ins liech­ten­stei­ni­sche Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men und über­nimmt gleich­zei­tig 49% an Hil­co­na. In vier Jah­ren wird die Be­tei­li­gung auf 51% er­höht.

Bis­her war der Fleisch­spe­zia­list, der im Mehr­heits­be­sitz von Co­op ist, in die­sem Be­reich ei­ne klei­ne Num­mer mit ei­nem Jah­res­um­satz von rund 80 Mio. Fr. Ge­mein­sam mit Hil­co­na wer­den die Ein­nah­men über 400 Mio. Fr. stei­gen. Ins­ge­samt ver­buch­te Bell 2010 ei­nen Jah­res­um­satz von 2,6 Mrd. Fr., wor­auf ei­ne Ebit­da-Mar­ge von 7,4% er­wirt­schaf­tet wur­de.

Mar­gen­star­kes Ge­schäft

Das Seg­ment ist lu­kra­tiv, denn die Mar­gen für fri­sche Pas­ta, Piz­ze, Sand­wi­ches und Sa­la­te sind über­durch­schnitt­lich. Sie lie­gen auf Stu­fe Ebit­da im Con­ve­ni­en­ce­ge­schäft üb­li­cher­wei­se um 10 bis 12%, wie Mar­tin Gy­sin, Bell CEO ad in­te­rim und Fi­nanz­chef, be­stä­tig­te. Hil­co­na, die da­zu kei­ne An­ga­ben macht, dürf­te noch ren­ta­bler ar­bei­ten. Kon­kur­rent Ori­or je­den­falls er­ziel­te mit ähn­li­chen Pro­duk­ten 2009 ei­ne Ge­winn­span­ne von fast 15%.

Bell er­öff­nen sich mit dem Schritt zu­dem eu­ro­päi­sche Märk­te. Rund ein Vier­tel der Ein­nah­men Hil­co­nas stam­men aus dem Aus­land, wo­bei das Un­ter­neh­men vor al­lem in Deutsch­land, Ös­ter­reich und den Nie­der­lan­den ak­tiv ist. Die­se Län­der sol­len in­ten­si­ver be­ar­bei­tet wer­den. Weil dort fri­sche Fer­tig­pro­duk­te we­ni­ger ver­brei­tet sind als in der Schweiz, ist das Po­ten­zi­al gross. «Das Wachs­tum von Bell Con­ve­ni­ence be­trug in der Ver­gan­gen­heit 5 bis 8%. In den Aus­land­märk­ten dürf­te dies künf­tig et­was hö­her lie­gen», sag­te Gy­sin zu «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Hil­co­na hat vo­r­erst das Sa­gen

Fi­nan­zi­el­le De­tails zur Trans­ak­ti­on ge­ben die Un­ter­neh­men nicht be­kannt. Die An­le­ger be­ur­teil­ten den Schritt Bells po­si­tiv, die Ak­ti­en rück­ten nach Be­kannt­ga­be des Deals rund 2% vor. In der Rech­nung kon­so­li­diert wird Hil­co­na erst 2015. Bell holt sich da­mit auf mitt­le­re Sicht ein mar­gen-und wachs­tums­star­kes Un­ter­neh­men ins Boot. Die letz­ten grös­se­ren Ex­pan­si­ons­schrit­te mach­te die Ge­sell­schaft 2008 in Frank­reich und Deutsch­land. Hil­co­na kann sich wie­der­um den mit Ab­stand wich­tigs­ten Ab­satz­ka­nal Co­op si­chern und im Um­feld här­te­rer Preis­kämp­fe im Schwei­zer De­tail­han­del Kos­ten spa­ren. Mi­gros nahm vor ei­ni­gen Jah­ren das Ge­schäft mit Con­ve­ni­en­ce­pro­duk­ten selbst in die Hand.

Die Liech­ten­stei­ner be­hal­ten vo­r­erst das Sa­gen im Un­ter­neh­men. Hil­co­na-CEO Gerhard Evers wird die Ge­sell­schaft wei­ter­hin füh­ren, und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent soll Jür­gen Hil­ti, Spross der Grün­der­fa­mi­lie, blei­ben.

Der seit April 2010 ko­tier­te Schwei­zer Mit­be­wer­ber Ori­or re­agier­te ge­las­sen auf die Nach­richt. Das Un­ter­neh­men sieht in der neu­en Markt­kon­stel­la­ti­on Chan­cen, wie ei­ne Spre­che­rin sag­te. Als un­ab­hän­gi­ges Un­ter­neh­men könn­ten sich neue Re­tail­ka­nä­le für Ori­or öff­nen. Das Ri­si­ko, we­gen des neu­en Mit­be­wer­bers Um­satz zu ver­lie­ren, schätzt das Un­ter­neh­men als ge­ring ein, ob­wohl Co­op zu den wich­tigs­ten Kun­den Ori­ors zählt.

Im Ver­gleich zwi­schen Bell und der viel klei­ne­ren Ori­or be­vor­zu­gen wir die Ak­ti­en Bell. Das Un­ter­neh­men weist die grös­se­re Wachs­tums­dy­na­mik auf und ist brei­ter ab­ge­stützt. Die Ori­or-Va­lo­ren sind we­nig li­quid und der Leis­tungs­aus­weis noch kurz. Für Ori­or spricht die ho­he an­ge­kün­dig­te Aus­schüt­tungs­quo­te von min­des­tens 40%. Bei­de Ti­tel sind mit ei­nem Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis von 12 be­wer­tet.

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