Kom­ple­xe Ga­le­ni­ca ver­wirrt An­le­ger

We­nig aus­sa­ge­kräf­ti­ger Ge­samt­um­satz – Ge­winn­pro­gno­se er­höht – An­spruchs­vol­les KGV

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - ANDRE­AS MEI­ER

Die Ti­tel des Phar­ma­her­stel­lers-und Me­di­ka­men­ten­händ­lers Ga­le­ni­ca re­agier­ten auf die am Mitt­woch­mor­gen ver­öf­fent­lich­ten Um­satz­zah­len 2010 mit ei­ner Ach­ter­bahn­fahrt. Vom Vor­ta­ges­schluss von 528 Fr. saus­ten die Ti­tel am Vor­mit­tag bis auf 502 Fr., schlos­sen am Abend aber dann doch leicht hö­her auf 530 Fr.

Was ist pas­siert? Ga­le­ni­ca hat 2010 ei­nen Um­satz von 3104 Mio. Fr. er­ar­bei­tet, was 6,6% Zu­wachs ent­spricht. Die­se Leis­tung liegt leicht un­ter den Er­war­tun­gen der Ana­lys­ten, die im Durch­schnitt 3150 Mio. Fr. er­war­tet hat­ten. Die Bör­se quit­tier­te das zu­nächst mit dem be­sag­ten Kur­stau­cher.

Doch der Grup­pen­um­satz sagt im Fall von Ga­le­ni­ca we­nig aus, weil dar­in ganz ver­schie­de­ne Ge­schäf­te, dar­un­ter der um­satz­star­ke, je­doch na­tur­ge­mäss, eng­mar­gi­ge Gross­han­del ein­ge­schlos­sen sind. Wich­ti­ger sind die Leis­tun­gen der ein­zel­nen Be­rei­che, vor al­lem der­je­ni­gen, die be­kannt sind für ho­he Mar­gen.

Phar­ma­ge­schäft gibt Ton an

Das ist im Fall von Ga­le­ni­ca das Phar­ma­ge­schäft, das im Be­richts­jahr 30,1% auf 578,5 Mio. Fr. wuchs und da­mit die Er­war­tun­gen (570 Mio. Fr.) über­traf; al­ler­dings ent­fällt ein gros­ser Teil da­von auf den erst­ma­li­gen Ein­be­zug der im Herbst 2009 ak­qui­rier­ten OM-Grup­pe. Oh­ne sie wä­re der Um­satz 8,2% ge­stie­gen, wo­bei der Wachs­tums­trei­ber das Ei­sen­prä­pa­rat Fe­rin­ject ist, des­sen Um­satz 67,7% auf 69,6 Mio. Fr. stieg. Fe­rin­ject wird in den nächs­ten Jah­ren den Er­folg der Ga­le­ni­caG­rup­pe mass­geb­lich be­stim­men. Wenn die Märk­te das Prä­pa­rat gut auf­neh­men, dann könn­te da­mit der­einst ein Um­satz von 1 Mrd. Fr. er­reicht wer­den.

Der Gross­han­del (Apo­the­ken­be­lie­fe­rung) da­ge­gen schrumpf­te leicht (–2,3% auf 2015 Mio. Fr.), wo­bei das zur Haupt­sa­che auf die Aus­glie­de­rung von Glo­bo­pharm zu­rück­zu­füh­ren ist. Ins­ge­samt hat sich die­ses Ge­schäft ge­mäss Ga­le­ni­ca bes­ser ent­wi­ckelt als der Markt.

Der Be­reich Re­tail (Apo­the­ken­ket­ten) wuchs eben­falls dank Über­nah­men 30,1% auf 1090 Mio. Fr. Das in­ter­ne Wachs­tum be­trug 1,9%, und mit über 400 Stand­or­ten ist Re­tail jetzt vier­mal so gross wie der wich­tigs­te Kon­kur­rent. Der kleins­te Be­reich, He­alth­ca­re In­for­ma­ti­on (Soft­ware für Apo­the­ken), zeig­te ein Wachs­tum von 13,9% auf 49 Mio. Fr.

Über die Er­trags­zah­len wird Ga­le­ni­ca am 15. März be­rich­ten, doch er­war­tet das Un­ter­neh­men jetzt ei­ne Ge­winn­stei­ge­rung. Bis­her galt die Pro­gno­se ei­ner Ge­winns­ta­gna­ti­on, weil der bud­ge­tier­te Ge­winn­zu­wachs in die Ent­wick­lung von Fe­rin­ject ge­steckt wer­de. Of­fen­bar hat sich das Ge­winn­auf­kom­men bes­ser ent­wi­ckelt als er­war­tet, oder Ga­le­ni­ca hat (was we­gen tra­di­tio­nell vor­sich­ti­ger Pro­gno­se­po­li­tik wahr­schein­lich ist) tief­ge­sta­pelt.

Ei­ne Wet­te auf Fe­rin­ject

Dass der Ge­winn trotz Markt­auf­bau­kos­ten für Fe­rin­ject und deut­lich ge­rin­ge­rem Er­trag aus der Cell­cept-Li­zenz (130 bis 140 Mio. Fr., nach 219 Mio. Fr. im Vor­jahr, net­to Ab­schrei­bun­gen) den­noch wächst, lässt bei man­chen Ana­lys­ten Skep­sis auf­kom­men. Die UBS-Ana­ly­se et­wa kri­ti­siert seit län­ge­rem, die In­ves­ti­tio­nen in Fe­rin­ject sei­en zu ge­ring, um des­sen Po­ten­zi­al voll aus­zu­schöp­fen. Im­mer­hin hat Ga­le­ni­ca kürz­lich ein Jo­int Ven­ture mit Fre­se­ni­us ab­ge­schlos­sen, das ge­ziel­te und hö­he­re In­ves­ti­tio­nen in ei­nen Teil­be­reich des Ei­sen­markts zur Fol­ge hat.

Ga­le­ni­ca blei­ben so­li­de Wer­te, doch soll­ten sie an­ge­sichts des für Phar­mapa­pie­re recht ho­hen Kurs-Ge­win­nVer­hält­nis­ses von 16 nur nach Kurs­kor­rek­tu­ren ge­kauft wer­den.

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