An­ge­bot für Ge­no­lier

Vie­les pas­siert hin­ter den Ku­lis­sen – An­toi­ne Hu­bert hält über 55% – In­vest­ment nicht at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - CAR­LA PALM

Ge­no­liers Mehr­heits­ak­tio­när und Ver­wal­tungs­rats­de­le­gier­ter An­toi­ne Hu­bert und der fran­zö­si­sche Un­ter­neh­mer und Mil­lio­när Mi­chel Rey­bier hal­ten zu­sam­men 55,28% an der Spi­tal­grup­pe. Sie un­ter­brei­ten nun den Ak­tio­nä­ren ein öf­fent­li­ches Pflicht­an­ge­bot von 19 Fr. pro Ak­tie. Das ent­spricht ei­ner Prä­mie von 7,7% ge­mes­sen am Durch­schnitts­kurs der letz­ten sech­zig Bör­sen­ta­ge. Es wa­ren be­reits Trans­ak­tio­nen in Op­tio­nen auf Ge­no­lier auf­ge­fal­len, die ei­ne Än­de­rung in den Be­sitz­ver­hält­nis­sen an­deu­te­ten (vgl. Mitt­woch-Aus­ga­be). Hu­bert hält neu 32,4% plus 4,8% via Op­tio­nen an Ge­no­lier. Rey­bier steu­ert die rest­li­chen An­tei­le hin­zu. Bei­de ha­ben ei­ne Grup­pe ge­bil­det und die Ge­sell­schaft MRSI (Me­di­cal Re­se­arch, Ser­vices & In­vest­ments) ge­grün­det, die al­le ih­re Ak­ti­en hält.

Rech­nun­gen nicht be­zahlt?

Dass Hu­bert ver­sucht, auf die­se Wei­se das Ak­tio­na­ri­at von Ge­no­lier in sei­nem Sin­ne zu be­rei­ni­gen und aus­stiegs­wil­li­gen Par­tei­en den Rück­zug aus den il­li­qui­den Ti­teln zu er­mög­li­chen, hat­te sich be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr ab­ge­zeich­net, als er von der Ge­ne­ral­ver­samm­lung zu­rück an die Spit­ze der Spi­tal­grup­pe ge­wählt wur­de.

Dem vor­aus­ge­gan­gen war im Som­mer 2010 ein Streit mit den Ver­wal­tungs­rä­ten Michael Schro­eder, Hans-Rein­hard Zer­kow­ski und zeit­wei­se auch dem Hedge Fund Lin­coln Va­le. Hu­bert ver­lor sei­ne Äm­ter als CEO und VR-Prä­si­dent, kämpf­te sich aber un­ter Auf­bie­tung zahl­rei­cher Al­li­an­zen an der GV zu­rück in den VR.

Die Ge­sell­schaft kos­te­te die Aus­ein­an­der­set­zung An­se­hen und Geld. Un­zäh­li­ge Be­ra­ter und An­wäl­te wa­ren in­vol­viert, ih­re Rech­nun­gen be­lau­fen sich wohl auf mitt­ler­wei­le knapp 9 Mio. Fr. Be­zahlt sind sie of­fen­bar noch nicht, wie «Fi­nanz und Wirt­schaft» aus dem Um­feld von Ge­no­lier er­fah­ren konn­te. Der Ge­no­lier-VR ver­sucht, nach ei­ner Ana­ly­se des Ge­sche­hens aus dem ver­gan­ge­nen Som­mer nun fi­nan­zi­el­le An­sprü­che ge­gen­über Schro­eder, Zer­kow­ski so­wie den Über­gangs-CEO François Brot gel­tend zu ma­chen. Schro­eder und Zer­kow­ski ge­hö­ren nach wie vor dem VR von Ge­no­lier an, was zeigt, dass noch vie­les im Ar­gen liegt. Sie wei­sen die An­sprü­che in vol­lem Um­fang zu­rück. Mög­li­cher­wei­se en­det auch die­ses Ma­nö­ver wie­der in ei­ner lang­wie­ri­gen, kost­spie­li­gen Aus­ein­an­der­set­zung vor Ge­richt. Schro­eder be­kräf­tig­te ge­gen­über FuW: «Ich wer­de mich ver­tei­di­gen.» Er hofft je­doch, dass die Ge­sell­schaft vor­her zur Ver­nunft kommt. Er hält noch 3,1% der Ak­ti­en (vor­mals 13,28%). Im Ok­to­ber und De­zem­ber 2010 hat­te er be­reits grös­se­re Ak­ti­en­pa­ke­te an Hu­bert ver­kauft.

Hedge Fund ist raus

Der Hedge Fund Lin­coln Va­le hat sich die­se Wo­che von sei­ner Be­tei­li­gung (vor­mals 7,4%) an der Spi­tal­grup­pe ge­trennt – al­ler­dings oh­ne Ge­winn: Als Lin­coln die Be­tei­li­gung 2007 und 2008 auf­bau­te, no­tier­ten die Ak­ti­en zwi­schen 30 und 25 Fr.

Die Ak­tio­närs­grup­pe MRSI will die Stra­te­gie von Ge­no­lier «grund­sätz­lich» wei­ter­füh­ren. Auch die Ko­tie­rung soll be­ste­hen blei­ben. Al­ler­dings wird die künf­ti­ge Ent­wick­lungs-und Ak­qui­si­ti­ons­po­li­tik ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung nö­tig ma­chen, wie Hu­bert und Rey­bier mit­teil­ten. Der An­ge­bots­pro­spekt soll am 11. Fe­bru­ar ver­öf­fent­licht wer­den. Ak­tio­nä­re kön­nen das An­ge­bot zum Aus­stieg dann vom 28. Fe­bru­ar bis 11. März nut­zen. We­gen der un­ste­ten Ver­gan­gen­heit und völ­lig un­kal­ku­lier­ba­ren Zu­kunft von Ge­no­lier emp­feh­len wir den Ver­kauf – al­len­falls auch mit Ver­lust. Lie­ber ein En­de mit Schre­cken, als ein Schre­cken oh­ne En­de.

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