Vor­teil­haf­ter Aus­blick für die Chip­in­dus­trie

Ri­si­ken ei­nes neu­er­li­chen Ab­schwungs sind ge­ring – SIA rech­net für 2011 mit Wachs­tum von 6% – Mo­bil­funk­markt als neu­er Trei­ber – Qual­comm und In­tel kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - FRANK HEI­NI­GER

Als ers­ter gros­ser Chip­kon­zern hat in der ver­gan­ge­nen Wo­che In­tel über das vier­te Quar­tal 2010 be­rich­tet. Ne­ben star­ken Zah­len er­freu­te auch der Aus­blick auf das an­ge­lau­fe­ne Ge­schäfts­jahr. Dar­aus Er­kennt­nis­se für die ge­sam­te Halb­lei­ter­in­dus­trie ab­zu­lei­ten, wä­re ver­fehlt – zu frag­men­tiert ist der Markt, zu un­ter­schied­lich die Ein­satz­ge­bie­te. In der Tat spricht aber vie­les da­für, dass die Chip­bran­che ih­re Er­ho­lung fort­set­zen kann.

Für 2011 pro­gnos­ti­ziert die In­dus­trie­ver­ei­ni­gung SIA, dass der glo­ba­le Chi­pab­satz um 6% auf 319 Mrd. $ wächst. Das Ri­si­ko ei­nes neu­er­li­chen Ab­schwungs scheint ge­bannt: Ein Ab­wärts­zy­klus wird in der Re­gel durch ei­ne glo­ba­le Re­zes­si­on, Über­ka­pa­zi­tä­ten in der Fer­ti­gung, ei­nen La­ger­über­schuss in der Ver­sor­gungs­ket­te oder ei­nem Ein­bruch der Nach­fra­ge nach End­ge­rä­ten aus­ge­löst. Für zu­min­dest drei die­ser Fak­to­ren ist die Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit zur­zeit ge­ring. So dürf­te 2011 die glo­ba­le Aus­las­tung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten laut Da­ten­dienst­leis­ter Si­cas zwi­schen 90 und 95% pen­deln.

Le­dig­lich die Ver­sor­gungs­ket­te ist wie­der gut ge­füllt: So­wohl die durch­schnitt­li­che La­ger­dau­er wie auch der Dol­lar­wert der ge­la­ger­ten Chips ha­ben bei­na­he das Vor­kri­sen­ni­veau er­reicht. Der Auf­sto­ckungs­pro­zess, der jüngst zum Nach­fra­ge­wachs­tum bei­trug, ist da­mit so gut wie ab­ge­schlos­sen. Ein Punkt, der eben­falls zur Vor­sicht mahnt, sind die Be­triebs­mar­gen: Di­ver­se Wett­be­wer­ber ope­rie­ren über den ei­ge­nen Ziel­vor­ga­ben oder gar auf his­to­ri­schen Höchst­wer­ten. Kri­ti­ker mo­nie­ren, die Ni­veaus sei­en kaum zu hal­ten.

Mo­bil­funk im­mer re­le­van­ter

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat der Mo­bil­funk­markt deut­lich an Re­le­vanz ge­won­nen. 2002 wur­den hier 8% des Chi­p­um­sat­zes er­zielt. In­zwi­schen ist der An­teil auf rund 30% ge­wach­sen (vgl. Ku­chen­gra­fik). Die Aus­sich­ten sind er­freu­lich: Wäh­rend in den Schwel­len­märk­ten die Zahl der Han­dy­nut­zer kon­ti­nu­ier­lich steigt, schrei­tet in den In­dus­trie­län­dern die Ad­op­ti­on von Smart­pho­nes wei­ter vor­an. Das ist in­so­fern vor­teil­haft, als der Chip­ge­halt von Smart­pho­nes – ge­mes­sen am Wert – den von Stan­dard­ge­rä­ten um das Zehn­fa­che über­schrei­tet. Zu den di­rek­ten Nutz­nies­sern zählt Qual­comm, der welt­gröss­te Chip­kon­zern, der über kei­ne ei­ge­ne Fer­ti­gung ver­fügt (vgl. Text­box). Im Markt für 3G-Ba­sis­band­chips ist der Kon­zern mit ei­nem Markt­an­teil von 40% do­mi­nie­rend. Auch ha­ben zahl­rei­che Han­dy-und Tablet-PC-Her­stel­ler die Chip­platt­form Snap­dra­gon von Qual­comm zu ih­rer fa­vo­ri­sier­ten Pro­zes­sor­lö­sung er­ko­ren. An­ge­sichts der ho­hen Wachs­tums­chan­cen ist die Be­wer­tung (Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2011 von 19) noch nicht zu hoch. Auch Kon­kur­rent Broad­com ist gut auf­ge­stellt: Das USUn­ter­neh­men ist stark im Be­reich in­te­grier­ter Chi­plö­sun­gen, die meh­re­re Funk­tio­nen wie GPS, Wi-Fi oder Blue­tooth in ei­nem ein­zi­gen Chip­satz ver­ei­nen. Auch bie­tet der Kon­zern Halb­lei­ter für den Netz­werk­markt an, der von stei­gen­den IT-Aus­ga­ben pro­fi­tie­ren dürf­te.

Ein zen­tra­ler Ein­satz­be­reich für Chips bleibt der Com­pu­ter­markt. Die Quar­tals­zah­len von In­tel las­sen auf di­ver­gie­ren­de Trends schlies­sen. Ei­ner­seits hat sich die Nach­fra­ge aus dem Un­ter­neh­mens­be­reich spür­bar er­höht. Der IT-Er­neue­rungs­be­darf scheint sich hier end­lich in ei­ner stei­gen­den Nach­fra­ge nie­der­zu­schla­gen. Eher zu­rück­hal­tend zei­gen sich der­weil die Pri­vat­kun­den: Mit ei­nem glo­ba­len Wachs­tum des PC-Mark­tes von 3,1% ver­fehl­te das vier­te Quar­tal 2010 die Er­war­tun­gen. Ne­ben der ge­dämpf­ten Kon­s­um­stim­mung hät­ten Tablet-Rech­ner für ei­ne leich­te Kan­ni­ba­li­sie­rung ge­sorgt.

Auch wenn kei­ne gros­sen Kurs­sprün­ge zu er­war­ten sind, stel­len In­tel-Ak­ti­en ei­ne so­li­de Por­fo­li­o­bei­mi­schung dar. Mit ei­nem KGV 2011 von 10 sind sie güns­tig be­wer­tet. Zu­dem wer­fen die Va­lo­ren ei­ne – für den Tech­sek­tor ver­gleichs­wei­se ho­he – Di­vi­den­de von 3,4% ab. We­ni­ger at­trak­tiv sind die Ti­tel des Ri­va­len AMD. Zwar hat das Un­ter­neh­men den Tur­naround er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. Es muss sich aber erst noch wei­sen, wie es den Raus­wurf von CEO Dirk Mey­er ver­kraf­tet. Mey­er sei zwar der rich­ti­ge Mann ge­we­sen, AMD aus der Kri­se zu füh­ren. Für die Her­aus­for­de­run­gen im Ser­ver-und Tablet-PC-Chip­markt sei nun aber ei­ne neue Kraft not­wen­dig.

Hö­he­rer Chip­ge­halt in Au­tos

Für die Chip­in­dus­trie wird auch der Au­to­mo­bil­markt im­mer in­ter­es­san­ter. Rund 10% der Halb­lei­ter kom­men hier zum Ein­satz. Ian Ri­ches, Ana­lyst von Stra­te­gy Ana­ly­tics, geht da­von aus, dass sich der An­teil bis 2017 auf 20% er­hö­hen könn­te. Ei­ner­seits hat die glo­ba­le Fahr­zeug­in­dus­trie die Kri­se hin­ter sich ge­las­sen. So rech­nen die Markt­for­scher von IHS Glo­bal In­sight da­mit, dass der glo­ba­le Ab­satz von Per­so­nen­wa­gen und leich­ten Nutz­fahr­zeu­gen pro Jahr um bei­na­he 5% zu­legt (vgl. FuW Nr. 2 vom 8. Ja­nu­ar 2011). Gleich­zei­tig nimmt der Wert der pro Fahr­zeug ver­bau­ten Halb­lei­ter ste­tig zu: Ana­lys­ten der Cre­dit Suis­se hal­ten in den nächs­ten Jah­ren ei­ne Ver­drei­fa­chung für mög­lich. Bran­chen­ex­per­te Ri­ches sieht das Po­ten­zi­al vor al­lem in der Kraft­über­tra­gung, in Si­cher­heits­lö­sun­gen wie Nacht­sicht­ge­rä­ten oder Ein­park­hil­fen so­wie in der Bord­un­ter­hal­tung.

Glo­ba­ler Markt­füh­rer im Au­to­mo­bil­seg­ment ist In­fi­ne­on Tech­no­lo­gies. Für das Un­ter­neh­men spricht, mit al­len hoch­ka­rä­ti­gen Au­to­kon­zer­nen ei­ne en­ge Ko­ope­ra­ti­on zu pfle­gen. Der deut­sche Chip­kon­zern ist zu­dem in den Seg­men­ten In­dus­trie so­wie Chip­kar­ten und Si­cher­heit gut auf­ge­stellt. Nach dem Kurs­an­stieg der letz­ten Mo­na­te er­schei­nen die Ak­ti­en vo­r­erst aber aus­ge­reizt. Das Glei­che gilt für Te­xas In­stru­ments, ob­wohl sich die Fo­kus­sie­rung auf ana­lo­ge Halb­lei­ter und Em­bed­ded Sys­tems (ein­ge­bet­te­te Sys­te­me) für den US-Kon­zern bis­lang aus­ge­zahlt hat.

Die Spit­ze des ak­tu­el­len Chip-Zy­klus ist noch nicht er­reicht

A

Ei­ne run­de Sa­che: Für die Halb­lei­ter­bran­che blei­ben die Rah­men­be­din­gun­gen at­trak­tiv.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.