Oba­ma stiess bei Hu Jin­tao auf tau­be Oh­ren

Die USA und Chi­na kom­men sich in han­dels- und wäh­rungs­po­li­ti­schen Fra­gen nicht nä­her – Gross­auf­trag für Bo­eing

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - PE­TER DE THIER,

Es war der ers­te Staats­be­such ei­nes chi­ne­si­schen Staats­chefs in den USA seit mehr als drei­zehn Jah­ren. Doch nach dem auf­wen­di­gen vier­tä­gi­gen Spek­ta­kel trenn­ten sich Hu Jin­tao und US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma zwar als Freun­de, doch in den wich­tigs­ten han­dels-und wäh­rungs­po­li­ti­schen Fra­gen blei­ben die Fron­ten fest­ge­fah­ren. Zwar will Oba­ma den Druck auf Chi­na zu ei­ner Fle­xi­bi­li­sie­rung des Yuan ver­stär­ken und da­mit dem wach­sen­den ame­ri­ka­ni­schen De­fi­zit im bi­la­te­ra­len Han­del ent­ge­gen­wir­ken. Bei Hu aber sties­sen die mah­nen­den Wor­te des Prä­si­den­ten auf tau­be Oh­ren.

Deut­li­che Wor­te Oba­mas

Nach Ge­sprä­chen mit dem chi­ne­si­schen Staats­chef be­ton­te Oba­ma, dass «der Ren­min­bi ein­deu­tig un­ter­be­wer­tet ist» und füg­te hin­zu, dass Pe­kings ri­gi­de Wech­sel­kurs­po­li­tik ei­ne Mit­ver­ant­wor­tung tra­ge für den Ver­lust ame­ri­ka­ni­scher Ar­beits­plät­ze. Zu­vor hat­te Oba­ma ver­kün­det, dass der Gast aus Pe­king 70 ame­ri­ka­ni­schen Un­ter­neh­men Auf­trä­ge im Ge­samt­wert von 45 Mrd. $ zu­ge­si­chert ha­be. Sie sol­len in den USA bis zu 235 000 neue Ar­beits­plät­ze schaf­fen. Der gröss­te De­al ging an den Flug­zeug­her­stel­ler Bo­eing, der 200 Pas­sa­gier­flug­zeu­ge im Wert von 19 Mrd. $ im Reich der Mit­te ver­kau­fen wird.

Trotz der Me­ga­auf­trä­ge, die un­ter an­de­rem da­zu bei­tra­gen soll­ten, zu­neh­mend kri­ti­sche US-Po­li­ti­ker ver­söhn­lich zu stim­men, ging Oba­ma bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit der chi­ne­si­schen Wech­sel­kurs­po­li­tik hart ins Ge­richt. Er be­ton­te mehr­mals, dass die künst­li­che Ver­bil­li­gung des Yu­ans zu ei­nem kla­ren Wett­be­werbs­nach­teil für ame­ri­ka­ni­sche Ex­por­teu­re ge­führt ha­be. Nach An­sicht von Öko­no­men in Oba­mas Be­ra­ter­stab müss­te die chi­ne­si­sche Va­lu­ta min­des­tens um wei­te­re 3,5% zu­le­gen. Vie­le Öko­no­men hin­ge­gen hal­ten ei­ne Auf­wer­tung um min­des­tens 20% für er­for­der­lich, um lang­fris­tig die Schräg­la­ge im Aus­sen­han­del wie­der ins Lot zu brin­gen.

Nach An­ga­ben aus Re­gie­rungs­krei­sen sprach der Prä­si­dent bei pri­va­ten Be­geg­nun­gen mit Hu auch Pro­dukt­pi­ra­te­rie, Pa­tent­rechts­ver­let­zun­gen so­wie die Markt­ab­schot­tung für di­ver­se ame­ri­ka­ni­sche Pro­duk­te an. Nach An­sicht von Ex­per­ten dürf­ten die Ge­sprä­che aber kaum da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, die an­ge­schla­ge­nen Han­dels­be­zie­hun­gen zu ent­span­nen. Wäh­rend Oba­ma er­klär­te, dass die USA «Chi­nas Auf­stieg zu ei­nem wohl­ha­ben­den und er­folg­rei­chen Mit­glied in der Ge­mein­schaft der Na­tio­nen be­grüs­sen», schien Hu den Sta­tus quo fest­schrei­ben zu wol­len. Er mein­te, dass bei­de Län­der die Ent­schei­dun­gen des an­de­ren re­spek­tie­ren soll­ten, dies gel­te auch für han­dels-und wäh­rungs­po­li­ti­sche Fra­gen. Dass der USPrä­si­dent nicht stär­ker durch­griff, be­grün­den Öko­no­men schlicht­weg mit Chi­nas Rol­le als welt­gröss­ter Gläu­bi­ger des ame- ri­ka­ni­schen Schul­den­staats. Noch die­ses Jahr dürf­te Pe­kings Port­fo­lio an US-Staats­an­lei­hen 1 Bio. $ über­stei­gen.

Nach Darstel­lung von My­ron Bril­li­ant, Vi­ze­prä­si­dent der US-Han­dels­kam­mer, blie­ben die Ge­sprä­che ein­deu­tig hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück. «Ge­ra­de bei der öf­fent­li­chen Auf­trags­ver­ga­be, ver­bes­ser­tem Markt­zu­gang für ame­ri­ka­ni­sches Rind­fleisch und der Le­ga­li­sie­rung von Soft­ware­pro­duk­ten hat­ten wir mehr Fort­schrit­te er­war­tet», er­klär­te Bril­li­ant.

Han­dels­de­fi­zit steigt wei­ter

An­de­re Ex­per­ten äus­ser­ten die Über­zeu­gung, dass an­ge­sichts Hus ri­gi­der Hal­tung, er woll­te zu kei­nem der Kon­flikt­the­men öf­fent­lich Stel­lung neh­men, mit ei­nem wei­te­ren An­stieg des bi­la­te­ra­len Han­dels­de­fi­zits der USA zu rech­nen sei. Das De­fi­zit hat­te 2009 den Re­kord­stand von 226 Mrd. $ er­reicht, lag nach den ers­ten elf Mo­na­ten des ab­ge­lau­fe­nen Jah­res aber be­reits bei 252 Mrd. $. Zum Ab­schluss des vier­tä­gi­gen Staats­be­suchs traf Hu mit füh­ren­den Kon­gress­mit­glie­dern zu­sam­men, die zum Teil har­te Kri­tik an der wett­be­werbs­ver­zer­ren­den Han­dels­po­li­tik Chi­nas üb­ten.

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