Kon­sum ist an­ge­sprun­gen

Deut­sche kon­su­mie­ren mehr – Dou­glas legt im Hei­mat­ge­schäft zu – Me­tro sind Tur­naround-Wet­te

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DIETEGEN MÜL­LER,

DSor­gen in Frank­reich

er pri­va­te deut­sche Kon­sum ist aus lang­jäh­ri­ger Lethar­gie er­wacht. Im lau­fen­den Jahr soll er als Kon­junk­tur­stüt­ze wich­ti­ger wer­den und ge­schätzt 1,6% zu­le­gen. Zu spü­ren war die für deut­sche Ver­hält­nis­se schon fast über­schweng­li­che Kon­s­um­stim­mung be­reits im Weih­nachts­ge­schäft. Die Kun­den­fre­quen­zen zeig­ten nach oben, was auch ein Au­gen­schein in den Ge­schäf­ten ent­lang der Frank­fur­ter Ein­kaufs­stras­se Zeil – die fünft­gröss­te Shop­ping­mei­le Deutsch­lands – be­leg­te. In­fla­ti­ons­be­rei­nigt soll der De­tail­han­dels­um­satz 2010 ge­schätzt rund 1,3 bis 1,6% ge­stie­gen sein.

Die schnel­le Wirt­schafts­er­ho­lung nach der Kri­se und die Aus­sicht auf stei­gen­de Ge­häl­ter – die Re­gie­rung pro­gnos­ti­ziert no­mi­nal ein Brut­to­lohn­plus von 2,1% – stei­gert auch die An­schaf­fungs­nei­gung. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sinkt und wird de­mo­gra­fisch be­dingt bald wei­ter fal­len. Das min­dert Kauf­hem­mun­gen. Über­schäu­mend ist die Stim­mung aber nicht: «Struk­tu­rell hat sich an den Rah­men­be­din­gun­gen für den Kon­sum nicht viel ver­bes­sert», heisst es in der Bran­che. Die ho­he Steuer­und Ab­ga­ben­quo­te, ei­ne wei­ter aus­ge­präg­te Spar­nei­gung so­wie die Schnäpp­chen­men­ta­li­tät set­zen all­zu küh­nen De­tail­han­delsträu­men Gren­zen. Dass die Deut­schen ge­willt sind, mehr Geld aus­zu­ge­ben, zeigt sich in den Un­ter­neh­mens­kas­sen. Der Bril­len­spe­zia­list Fiel­mann und die Han­dels­grup­pe Dou­glas (Par­füm, Bü­cher, Schmuck) ha­ben im Hei­mat­markt Zu­wachs ver­bucht. Im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr (per En­de Sep­tem­ber) stei­ger­te die Par­fü­me­rie-, Bu­chund Schmuck­ket­te Dou­glas auf ver­gleich­ba­rer Flä­che in Deutsch­land den Um­satz 2%. Im Aus­land fie­len die Er­lö­se 2,7%. Dies lie­ge an der schwie­ri­gen La­ge der Wirt­schaft in den Eu­ro-Pe­ri­phe­rie­län­dern und in Ost­eu­ro­pa.

Spe­zi­fi­sche Pro­ble­me be­las­ten der­zeit das Frank­reich­ge­schäft von Dou­glas: Dort ha­ben im Weih­nachts­ge­schäft die Par­fü­me­rie-Markt­füh­rer Ma­ri­onn­aud und Se­pho­ra ei­nen Preis­krieg an­ge­zet­telt, der of­fen­bar hart auf Dou­glas durch­schlug. Die Com­merz­bank er­war­tet des­we­gen zu­sätz­li­che Good­will-Wert­be­rich­ti­gun­gen, und die Ak­ti­en, die im Herbst kräf­tig avan­ciert sind, ha­ben in den ver­gan­ge­nen Wo­chen kor­ri­giert.

Ein Spre­cher er­klär­te auf An­fra­ge, ei­ne Wert­be­rich­ti­gung sei nicht aus­zu­schlies­sen, aber am fran­zö­si­schen Ge­schäft wer­de fest­ge­hal­ten. Dou­glas ver­steht sich als de­zen­tral ge­führ­tes Un­ter­neh­men, das «auf die Stär­ken lo­ka­ler Ent­schei­dungs­trä­ger» setzt. Es muss sich wei­sen, ob die Grup­pe ih­re Län­der­ge­sell­schaf­ten nicht straf­fer füh­ren muss. Dies könn­te wo­mög­lich Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten be­deu­ten. Für die Ak­ti­en Dou­glas spricht aber das Auf­hol­po­ten­zi­al in Ost­eu­ro­pa und die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung in Deutsch­land.

Vom Tisch dürf­te die Über­nah­me­fan­ta­sie sein. Im Jahr 2009 hat­te der Ein­stieg Er­win Mül­lers Fan­ta­sie ge­weckt. Der Dro­ge­rie­markt­kö­nig hat­te etap­pen­wei­se ei­ne Be­tei­li­gung von 6,4% auf­ge­baut und sie als «zwei­tes Stand­bein» be­zeich­net. In Ein­kauf und der Lo­gis­tik lies­sen sich Sy­ner­gi­en he­ben, mein­te er. Zeit­wei­lig hiess es, Mül­ler wür­de via Bank Sa­ra­sin bis 18% der Ti­tel kon­trol­lie­ren. Ge­mäss letz­ter Mel­dung hält die zur Ra­bo­b­ank zäh­len­de Sa­ra­sin 5,3% (2,7% via De­ri­va­te).

Mül­lers Sy­ner­gie­aus­sa­gen sieht Dou­glas re­ser­viert: «Wenn wir An­knüp­fungs­punk­te se­hen, wür­den wir das Ge­spräch su­chen», heisst es. Doch die­se Punk­te fehl­ten, mit Mül­ler ha­be es seit knapp ei­nem Jahr kei­ne Ge­sprä­che mehr ge­ge­ben. Oh­ne Ein­ver­ständ­nis der ein­ver­nehm­lich mit­ein­an­der agie­ren­den do­mi- nan­ten Ak­tio­nä­re Oet­ker (25,8%) so­wie des Va­ter-Sohn-Ge­spanns Kre­ke (18,5%) ist ei­ne Über­nah­me von Dou­glas auch so gut wie aus­ge­schlos­sen.

Wann baut Ha­ni­el ab?

Ver­schie­bun­gen zeich­nen sich aber bei der gröss­ten deut­schen Han­dels­grup­pe Me­tro ab. Mehr­heits­ak­tio­nä­re sind die Fa­mi­li­en Ha­ni­el und Schmidt-Ru­then­beck (im In­ter­es­sen­ver­bund 50,01%) so­wie Beis­heim (10%). Ha­ni­el wird nach­ge­sagt, die Be­tei­li­gung re­du­zie­ren zu wol­len, wo­mit die Mehr­heit ver­lo­ren gin­ge. Ei­ne Schlüs­sel­rol­le kommt da­bei Jür­gen Klu­ge zu: Er ver­tritt als Chef von Ha­ni­el die Fa­mi­lie und ist Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der von Me­tro.

Dis­so­nan­zen zwi­schen Klu­ge und Me­tro-Chef Ek­ke­hard Cordes sind da­bei öf­fent­lich ge­wor­den. Das er­höht den Druck auf Cordes, die Re­struk­tu­rie­rung von Me­tro vor­an­zu­trei­ben. Mit «Sha­pe 2012» hat er be­reits ein gros­ses Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­pro­gramm lan­ciert. Die Bau­stel­len sind zahl­reich: In Asi­en ist Me­tro nicht pro­fi­ta­bel, ob­wohl die Grup­pe et­wa in Chi­na schon lan­ge die Um­satz­mil­li­ar­de ge­knackt hat. Zum Sor­gen­kind mu­tiert sind auch die frü­he­ren Wachs­tums­trei­ber Media Markt/Sa­turn. Die Elek­tro­nik­ket­ten lei­den un­ter der On­line-Kon­kur­renz. Me­tro hat den Trend un­ter­schätzt.

Of­fen ist, was mit der Wa­ren­haus­ket­te Kauf­hof ge­schieht. Ein Zu­sam­men­schluss der Top-Stand­or­te mit den Vor­zei­ge­fi­lia­len von Wett­be­wer­ber Kar­stadt ist für Cordes wei­ter ei­ne Op­ti­on, auch nach dem Ein­stieg des US-Fi­nanz­in­ves­tors Nicolas Berg­gru­en in Kar­stadt. Ein wei­te­res The­ma ist die mög­li­che Ve­räus­se­rung des gros­sen Im­mo­bi­li­en­ver­mö­gens, in dem ho­he stil­le Re­ser­ven schlum­mern. Ein sol­cher Schritt wä­re frei­lich zwei­schnei­dig. Kurz­fris­tig wür­de er wohl die Ak­ti­en be­flü­geln, doch lang­fris­tig wür­de das Ge­schäfts­mo­dell Me­tros ris­kan­ter, weil ein Puf­fer für schlech­te Zei­ten fehlt. Ent­schei­den­der ist es, das ope­ra­ti­ve Ge­schäft zu stär­ken und in Asi­en pro­fi­ta­bel zu wer­den. Erst wenn dies wie ge­plant bis En­de 2013 ge­lingt – das wird ein Kraft­akt – sind Me­tro kau­fens­wert. Vom deut­schen Kon­sum­früh­ling pro­fi­tie­ren sie der­zeit we­ni­ger, doch als Tur­naround­wet­te sind sie at­trak­tiv.

Neue Ein­kaufs­zen­tren wie My Zeil in Frank­furt lo­cken mehr Kund­schaft als auch schon an.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.