Zu­ver­sicht in De­troit

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CB

Wer im Zu­sam­men­hang mit der US-Au­to­me­tro­po­le De­troit von Zu­ver­sicht spricht, muss sich er­klä­ren. Für De­troit selbst gibt es sie kaum mehr; zu lan­ge schon be­fin­det sich die Stadt im Nie­der­gang, und mit der jüngs­ten Kri­se ist er wei­ter fort­ge­schrit­ten. Zeug­nis da­von le­gen die vie­len lee­ren und ver­wahr­los­ten Häu­ser ab, die auf der Fahrt vom Flug­ha­fen zu se­hen sind.

Wer dann in ei­ner frei­en St­un­de durch Down­town geht, trifft bald auf Be­stür­zen­des: Ver­wahr­lo­sung und Zer­fall prä­gen das Bild. Gan­ze Stras­sen­zü­ge sind tot. Die Be­hau­sun­gen ste­hen leer, Fens­ter sind mit Bret­tern ver­na­gelt, die Schei­ben zer­schla­gen. Vie­le ar­chi­tek­to­nisch wert­vol­le Ge­bäu­de ver­lot­tern, dar­un­ter Hoch­häu­ser aus den Zwan­zi­ger­jah­ren. Fo­to­gra­fi­en von And­rew Moo­re oder Yves Mar­chand/Ro­main Meff­re fan­gen den Nie­der­gang eben­so ein­drück­lich wie kunst­voll ein.

Rund 10 000 dem Ver­fall über­las­se­ne Bau­ten müss­ten in De­troit ab­ge­ris­sen wer­den, er­zählt ein pen­sio­nier­ter Po­li­zist («pen­sio­niert ist die bes­te Art, hier Po­li­zist zu sein») in ei­nem spon­ta­nen Ge­spräch. Die Fra­ge, ob er glau­be, dass die Mo­tor Ci­ty die Wen­de zum Bes­se­ren noch schaf­fe, be­ant­wor­tet er pes­si­mis­tisch: Er se­he nichts, was ei­ne sol­che Wen­de her­bei­füh­ren kön­ne. Nein, wer im Zu­sam­men­hang mit De­troit von Zu­ver­sicht spricht, meint nicht die Stadt. Die Zu­ver­sicht be­schränkt sich auf das, was in den ver­gan­ge­nen zwei Wo­chen in den Hal­len des Co­bo Cen­ters zu se­hen und hö­ren ge­we­sen ist. Dort fin­det noch bis zum Sonn­tag die North Ame­ri­can In­ter­na­tio­nal Au­to Show statt. Das Stell­dich­ein der Bran­che ist 2011 von ei­nem Op­ti­mis­mus ge­prägt wie seit Jah­ren nicht mehr.

Be­son­ders viel Zu­kunfts­glau­be ver­sprü­hen die US-Her­stel­ler Chrys­ler, Ford und Ge­ne­ral Mo­tors. Von ih­nen hin­ter­lässt Ford den bes­ten Ein­druck. Nach­dem der Kon­zern er­folg­reich ge­fes­tigt wor­den sei, ste­he nun Wachs­tum im Vor­der­grund, er­klär­te CEO Alan Mul­al­ly. Welt­wei­te In­ves­ti­tio­nen in Wer­ke, Pro­duk­te und Tech­no­lo­gie so­wie die An­kün­di­gung, bis in zwei Jah­ren 7000 neue Stel­len zu schaf­fen, be­stä­ti­gen dies. Ein brei­tes, bald markt­fä­hi­ges An­ge­bot an al­ter­na­ti­ven An­trie­ben wapp­net Ford eben­so für die Zu­kunft wie ei­ne jun­ge, aus­ge­wo­ge­ne Pro­dukt­pa­let­te, die auch klei­ne­re Fahr­zeu­ge für den US-Markt um­fasst und das Un­ter­neh­men auf (bald er­war­te­te) Zei­ten wie­der hö­he­rer Ben­zin­prei­se vor­be­rei­tet.

Die Zu­ver­sicht der Ame­ri­ka­ner stützt sich vor al­lem auf die Aus­sich­ten für den USMarkt. Sie ver­heis­sen Wachs­tum. Das Gros der Ana­lys­ten geht für 2011 von ei­ner zwei­stel­li­gen Ab­satz­stei­ge­rung aus und er­war­tet 2012 wei­te­re Zu­ge­win­ne. Die Hand da­für ins Feu­er le­gen will an­ge­sichts der la­bi­len Wirt­schafts­la­ge al­ler­dings nie­mand.

Auch welt­weit ste­hen die Zei­chen auf Ex­pan­si­on (vgl. FuW Nr. 2 vom 8. Ja­nu­ar). An ihr wol­len die ra­sant wach­sen­den ko­rea­ni­schen An­bie­ter Hy­un­dai und Kia über­pro­por­tio­nal teil­ha­ben. Die Aus­sich­ten da­für ste­hen gut. 2011 stre­ben die zwei Schwes- ter­un­ter­neh­men ei­ne Ab­satz­stei­ge­rung von 10% auf zu­sam­men 6,33 Mio. Fahr­zeu­ge an. Volks­wa­gen er­ach­tet die Hy­un­dai Mo­tor Com­pa­ny in­zwi­schen als ei­ne sehr ernst zu neh­men­de Kon­kur­renz. Volks­wa­gen selbst be­ab­sich­tigt eben­falls, mehr Fahr­zeu­ge ab­zu­set­zen – auch im US-Markt, für den die Grup­pe gros­se Plä­ne hat (vgl. Haupt­text). Mit Blick auf die er­war­te­te Ent­wick­lung des Volks­wa­genKon­zerns im Jahr 2011 liess sich der Vor­stands­vor­sit­zen­de Mar­tin Win­ter­korn von Reuters ent­lo­cken, er hof­fe, es wer­de noch ein biss­chen bes­ser lau­fen als 2010.

Wei­te­res Ab­satz­wachs­tum ver­spricht auch die BMW Group. Nach 1,46 Mio. Ver­käu­fen 2010 strebt sie nun mehr als 1,5 Mio. an. Bei Por­sche war von «be­trächt­li­cher Zu­ver­sicht» die Re­de, was an­ge­sichts von 110 000 Be­stel­lun­gen nicht über­rascht. Al­les in al­lem ha­ben sich die deut­schen Her­stel­ler in De­troit je­doch vor­sich­ti­ger ge­äus­sert als die ame­ri­ka­ni­schen. Wohl sind auch sie gu­ten Mu­tes, doch we­gen der un­si­che­ren wirt­schaft­li­chen La­ge in Eu­ro­pa (und ei­ner hö­he­ren Ver­gleichs­ba­sis) rech­nen sie ge­ne­rell mit rück­läu­fi­gen Zu­wachs­ra­ten.

Für die ja­pa­ni­schen An­bie­ter To­yo­ta und Hon­da ist Zu­rück­hal­tung die Norm. Ein schwa­cher Heim­markt – und der star­ke Yen – sind zu­sätz­li­che Grün­de. Weil sie aber in wich­ti­gen Ab­satz­re­gio­nen wie den USA und Chi­na je­weils mit Vo­lu­men­zu­wachs rech­nen, gilt auch für sie das in die­sem Jahr zen­tra­le The­ma von De­troit: Zu­ver­sicht.

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