Hedge Funds fast so po­tent wie vor der Kri­se

Jah­res­ren­di­te von über 10% bringt ver­wal­te­te Ver­mö­gen in die Nä­he des Re­kord­stands – Erst zag­haf­te Rück­kehr der In­ves­to­ren – Ak­ti­en und Ma­cro gut für 2011

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CLIFFORD PADEVIT,

ET­rend­wen­de?

ine Bran­che kämpft sich zu­rück. Dank so­li­den Ren­di­ten in der zwei­ten Hälf­te des ver­gan­ge­nen Jah­res sind die Ver­mö­gen in Hedge Funds welt­weit wie­der auf Vor­kri­sen­ni­veau. Ge­mäss Zah­len des In­dex­an­bie­ters HFR wa­ren En­de 2010 rund 1900 Mrd. $ in Hedge Funds an­ge­legt (vgl. obe­re Gra­fik). Dank der Er­ho­lung der Fi­nanz­märk­te, die sich in den Ren­di­ten und Be­wer­tun­gen nie­der­schlu­gen, be­wegt die Bran­che da­mit wie­der fast so viel Geld, wie im zwei­ten Quar­tal 2008, als der bis­he­ri­ge Spit­zen­wert ver­zeich­net wur­de. Das vier­te Quar­tal war die letz­te Be­stä­ti­gung des Auf­wärts­trends. Im Schnitt er­ziel­ten die Fonds ei­ne Ren­di­te von 5,6%, die Jah­res­ren­di­te kam da­mit auf 10,5% zu lie­gen.

Neu­al­lo­ka­tio­nen von An­le­gern er­fol­gen erst trä­ge, doch zeigt der Trend auf­wärts. Mit Neu­geld be­dacht wer­den vor al­lem gros­se Hedge-Funds-An­bie­ter, die mehr als 5 Mrd. $ ver­wal­ten (vgl. Gra­fik un­ten). «Gros­se Fonds wer­den grös­ser, das ist nicht un­be­dingt ei­ne gu­te Ent­wick­lung», sagt Charles Ro­bin­son, Chef für Al­ter­na­ti­ve An­la­gen des HSBC As­set Ma­nage­ment, im Ge­spräch. Und er­gänzt: «Wir le­gen die Ka­pa­zi­tät un­se­rer Fonds auf­grund der Li­qui­di­tät der ein­zel­nen An­la­gen fest, was zum Bei­spiel be­deu­ten kann, dass ein Fonds bei 500 Mio. € für neue In­ves­ti­tio­nen ge­schlos­sen wird.» Für Funds of Hedge Funds (Dach­fonds) war es er­neut ein schwie­ri­ges Jahr. «Das An­ge­bot steht nach 2008 we­ni­ger in der Gunst der An­le­ger», sag­te Ken­neth Heinz, Prä­si­dent von HFR, an der Vor­stel­lung der Zah­len die­se Wo­che in London. 2008 ver­lo­ren Funds of Hedge Funds rund 20%, und zahl­rei­che un­ter ih­nen (dar­un­ter vie­le Schwei­zer) muss­ten zu­ge­ben, dem Be­trü­ger Ber­nard Mad­off auf den Leim ge­kro­chen zu sein. 2010 sind Net­to­gel­der aus Dach­fonds ab­ge­flos­sen. Ge­mäss Heinz hat sich die Ent­wick­lung je­doch ab­ge­schwächt. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te wur- den erst­mals seit zwei Jah­ren wie­der Net­to­zu­flüs­se ver­zeich­net.

Chris Man­ser, der bei der Ver­si­che­rungs­grup­pe Axa für rund 6 Mrd. $ in Funds of Hedge Funds zu­stän­dig ist, hält die An­la­ge­form für in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren wei­ter­hin für sinn­voll. «Funds of Hedge Funds ha­ben für in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger den Vor­teil, dass sie Zu­gang zu Ak­ti­en oder Roh­stof­fen schaf­fen, aber mit tie­fe­ren Ri­si­ken als Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen», sagt Man­ser. Das ist für In­sti­tu­tio­nel­le, be­son­ders Pen­si­ons­kas­sen und Ver­si­che­run­gen, ent­schei­dend. Sie hal­ten vor al­lem Ob­li­ga­tio­nen, de­ren Ren­di­te nicht aus­reicht, die künf­ti­gen Ver­pflich­tun­gen zu de­cken.

Was die Ent­schei­dung für In­sti­tu­tio­nel­le er­leich­tert, sind Hedge-Fund-Pro- duk­te, die im re­gu­lier­ten For­mat Ucits-III mit Vor­schrif­ten punk­to Ri­si­ko und Li­qui­di­tät an­ge­bo­ten wer­den. «Rund 40% der Zuflüs­se in neue eu­ro­päi­sche Hedge Funds gin­gen im letz­ten Jahr in Ucits-III ba­sier­te Pro­duk­te» sagt Ro­bin­son.

«1,85 und 19»

Zu­dem gibt es Be­we­gung bei den Ge­büh­ren. «Die For­mel lau­tet im Schnitt heu­te eher 1,85 plus 19», sagt Heinz, in An­spie­lung auf die lan­ge üb­li­che 2%-Jah­res­ge­bühr und die 20%ige ren­di­te­ab­hän­gi­ge Ge­bühr. Al­ler­dings wer­den die Kos­ten meist zu­sam­men mit an­de­ren Kon­di­tio­nen be­trach­tet. Man­ser kon­zen­triert sich ganz auf die Net­to­ren­di­te, sieht aber das Po­ten­zi­al von tie­fe­ren Ge­büh­ren. «Wenn wir ei­nem Fonds ei­ne auf 1% hal­bier­te Jah­res­ge­bühr zah­len, wür­de das die Ren­di­te schon mal um 10% stei­gern», sagt er.

Für 2011 sieht Man­ser Chan­cen in Ri­si­ko­an­la­gen. «Im Ak­ti­en­be­reich könn­ten sich Stra­te­gi­en loh­nen, die spe­zi­el­le Si­tua­tio­nen wie Über­nah­men und Fu­sio­nen oder Ka­pi­tal­rück­zah­lun­gen aus­nut­zen», glaubt er. In Ob­li­ga­tio­nen wird es zu­min­dest schwie­ri­ger. Ein­fach Bonds kau­fen und hal­ten sei «nach zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den gu­ten Jah­ren» wohl vor­bei, meint Ro­bin­son. «An­le­ger be­vor­zu­gen Cre­dit Ma­na­ger, die bes­ser ab­ge­si­chert sind», sagt er. Pro­fi­tie­ren soll­ten auch Ma­croFonds, die ma­kro­öko­no­mi­sche Un­gleich­ge­wich­te aus­nut­zen.

Sta­tus­sym­bo­le lie­gen für Hedge-Fund-Ma­na­ger nach ei­nem gu­ten 2010 eher wie­der drin.

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