Ame­ri­can Air­lines spielt mit dem Feu­er

De­fi­zi­tä­re Flug­ge­sell­schaft for­dert On­line-Bran­che her­aus – Vor­bild­funk­ti­on für die Kon­kur­renz – Del­ta macht die Re­vo­lu­ti­on mit – Ama­de­us und Sab­re in Be­dräng­nis

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JAN SCHWAL­BE

Der Kampf von Ame­ri­can Air­lines mit den gros­sen US-On­line-Rei­se­platt­for­men Ex­pe­dia und Or­bitz lie­fert täg­lich neue Schlag­zei­len. Auf den ers­ten Blick geht es nur dar­um, wie hoch künf­tig die Ge­büh­ren sein wer­den, die Ame­ri­can Air­lines an Or­bitz & Co. für die Bu­chung von Flug­ti­ckets be­zahlt. Doch viel mehr steht auf dem Spiel. Die Flug­ge­sell­schaft will den ge­sam­ten Ti­cket­ver­kauf re­vo­lu­tio­nie­ren und da­für sor­gen, dass so gut wie al­le Bu­chun­gen über ihr ei­ge­nes Sys­tem, Di­rect Con­nect, lau­fen. So sol­len die bis­he­ri­gen Mit­tels­män­ner, die do­mi­nan­ten zen­tra­len Re­ser­vie­rungs­sys­te­me (Glo­bal Dis­tri­bu­ti­on Sys­tems, GDS) Sab­re, Ga­li­leo und die in Eu­ro­pa füh­ren­de Ama­de­us, aus­ge­boo­tet wer­den.

An­ge­fan­gen hat­te al­les vor Weih­nach­ten, als die von Ex-Swis­sair-CEO Jef­frey Katz ge­grün­de­te On­line-Platt­form Or­bitz, hin­ter Ex­pe­dia die Num­mer zwei in den USA, an­kün­dig­te, kei­ne Flü­ge mehr von Ame­ri­can Air­lines an­zu­bie­ten. Or­bitz will die Um­stel­lung auf Di­rect Con­nect nicht ak­zep­tie­ren. Bri­sant dar­an ist, dass Or­bitz zu 48% zu Tra­vel­port ge­hört, die ih­rer­seits Be­sit­zer von Ga­li­leo ist.

Gunst der St­un­de ge­nutzt

Ex­pe­dia zeigt sich mit Or­bitz so­li­da­risch und hat die Flü­ge der US-Flug­ge­sell­schaft eben­falls ge­stri­chen. Auch wenn AMR, die Hol­ding von Ame­ri­can Air­lines, be­teu­ert, dass die Mass­nah­men kei­nen Ein­fluss auf den Ti­cket­ver­kauf hät­ten, ist es kaum vor­zu­stel­len, dass es nicht bald zu ei­ner Ei­ni­gung kommt. Zu wich­tig ist der Ver­trieb für bei­de Par­tei­en. Die Gunst der St­un­de ge­nutzt hat Pri­ce­li­ne.com, die Num­mer drei in den USA. Das Un­ter­neh­men, ein Op­fer der In­ter­ne­tbla­se, ist in der Zwi­schen­zeit wie­der er­folg­reich und wird von der Bör­se mit 20 Mrd. $ be­wer­tet. Der On­line-An­bie­ter hat ein­ge­wil­ligt, sei­ne Da­ten di­rekt über die Platt­form von Ame­ri­can Air­lines zu be­zie­hen. Auch an­de­re Play­er ha­ben da­zu ih­re Be­reit­schaft si­gna­li­siert.

Für AMR ist der Vor­stoss ein Spiel mit dem Feu­er. Die Air­line, die ge­ra­de ihr Er­geb­nis für das ab­ge­lau­fe­ne Jahr vor­ge­legt hat, fliegt mit ro­ten Zah­len (471 Mio. $ Ver­lust). Der Dis­put wird den Ge­schäfts­ver­lauf zu­min­dest kurz­fris­tig be­las­ten. Des­halb ha­ben die Ana­lys­ten der UBS AMR von Kau­fen auf Neu­tral zu­rück­ge­stuft.

AMR ist ein Vor­rei­ter der Ra­tio­na­li­sie­rung des Ti­cket­ver­triebs. 2002 strich die Air­line in den USA Kom­mis­sio­nen für Rei­se­bü­ros, und vor ei­ni­gen Jah­ren ge­lang es, die Lauf­zeit der Ver­trä­ge mit den GDS zu ver­kür­zen. Den­noch wä­re es der Air­line wohl lie­ber ge­we­sen, wenn ei­ne an­de­re Flug­ge­sell­schaft als Ers­te den har­ten Kampf mit Sab­re, Ama­de­us und Ga­li­leo auf­ge­nom­men hät­te. Doch die Ver­trä­ge von AMR lau­fen mit al­len drei GDS noch die­ses Jahr aus, und die bis­he­ri­gen Ver­hand­lun­gen ver­lie­fen har­zig.

Von Air­lines ge­grün­det

AMR steht in ih­rem Kampf nicht oh­ne Rü­cken­de­ckung da. Del­ta Air Li­nes hat die Da­ten­lie­fe­rung meh­re­rer Web­sites ein­ge­stellt. Setzt sich AMR durch, ist die Re­vo­lu­ti­on im Ti­cket­ver­trieb kaum auf­zu­hal­ten. Ama­de­us, Sab­re und Ga­li­leo ste­hen vor ei­ner Be­wäh­rungs­pro­be. Bran­chen­ken­ner ge­hen gar da­von aus, dass das Ge­schäfts­mo­dell der GDS ein Aus­laufmo­dell ist.

Pi­kant ist, dass die elek­tro­ni­schen Bu­chungs­sys­te­me ur­sprüng­lich von den Flug­ge­sell­schaf­ten ins Le­ben ge­ru­fen wur­den. Sab­re wur­de von Ame­ri­can Air­lines ge­grün­det, Ama­de­us von Ibe­ria, Luft­han­sa und Air Fran­ce und Ga­li­leo von United Air­lines. Auf An­wei­sung der Re­gu­la­to­ren ha­ben die Flug­ge­sell­schaf­ten ih­re An­tei­le mitt­ler­wei­le weit­ge­hend ver­kauft.

Die GDS se­hen den An­stren­gun­gen von AMR nicht ta­ten­los zu. Der Markt­füh- Flug­ha­fen-Lounge und Ex­tra-Ge­päck­stü­cke zu ver­kau­fen. Auch wenn sich die­se Ent­wick­lung im Kurs­ver­lauf von Ama­de­us, der ein­zi­gen ko­tier­ten Ge­sell­schaft der Bran­che, noch nicht spie­gelt, bre­chen für die GDS schwie­ri­ge Zei­ten an. An­le­ger soll­ten die Ak­ti­en des­halb mei­den. Die On­line­platt­for­men wie Ex­pe­dia und Pri­ce­li­ne dürf­ten ihr Ge­schäft hin­ge­gen wei­ter aus­bau­en (vgl. Gra­fik). AMR braucht die Un­ter­stüt­zung wei­te­rer gros­ser Flug­ge­sell­schaf­ten. Je län­ger das Un­ter­neh­men im Al­lein­gang agiert, des­to grös­ser ist die Ge­fahr von Kurs­ver­lus­ten.

Kein Weg zu­rück: rer Sab­re, der wie die an­de­ren GDS auch das wich­tigs­te Bin­de­glied der Air­lines zu vie­len Rei­se­bü­ros ist, hat­te die Flü­ge von Ame­ri­can Air­lines jüngst auf ih­rem Sys­tem we­ni­ger pro­mi­nent auf­ge­führt als die An­ge­bo­te der Kon­kur­renz. AMR ist es zwar ge­lun­gen, den Schritt mit ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung rück­gän­gig zu ma­chen. Doch der Dis­put ist da­durch nicht ge­löst.

Ge­lingt es AMR, Di­rect Con­nect zu eta­blie­ren, spart die Air­line künf­tig nicht nur rund 3 $ je Stre­cken­ab­schnitt, son­dern ist auch bes­ser in der La­ge, Zu­satz­leis­tun­gen wie Sitz­re­ser­va­tio­nen, Be­nut­zung der

mit den Be­trei­bern der Bu­chungs­sys­te­me an­ge­legt.

Ame­ri­can Air­lines hat sich als ers­te Flug­ge­sell­schaft

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