Wie at­trak­tiv ist die selb­stän­di­ge Mo­saic?

Car­gill spal­tet US-Dün­ge­mit­tel­her­stel­ler ab – Bal­di­ge Über­nah­me un­wahr­schein­lich – Auf­nah­me in S&P-500-In­dex steht be­vor

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - STM

Der Dün­ge­mit­tel­her­stel­ler Mo­saic steht bald auf ei­ge­nen Bei­nen. Die pri­vat ge­hal­te­ne Car­gill, ei­ne der welt­weit füh­ren­den Land­wirt­schafts­ge­sell­schaf­ten, wird ih­re Be­tei­li­gung von 64% ab­spal­ten. Die 286 Mio. da­von be­trof­fe­nen Ak­ti­en ha­ben zur­zeit ei­nen Wert von 20,8 Mrd. $ und sol­len an die Car­gill-Ak­tio­nä­re und ge­wis­se Gläu­bi­ger ver­kauft wer­den. Statt Bar­geld er­hält das Un­ter­neh­men Car­gill-An­teils­schei­ne oder Schul­den­er­lass. Die neu­en Mo­saic-Ak­tio­nä­re wer­den die Ti­tel zu spä­te­rem Zeit­punkt an der Bör­se ver­äus­sern.

Mo­saic wird da­mit in die Selb­stän­dig­keit ent­las­sen. CEO Jim Pro­ko­pan­ko zeig­te sich er­freut. Sei­ne Ge­sell­schaft ge­win­ne da­durch an Fle­xi­bi­li­tät und kön­ne so bes­ser an den güns­ti­gen Aus­sich­ten für die Bran­che teil­ha­ben. Er re­la­ti­vier­te je­doch we­nig spä­ter: «Wich­tig ist vor al­lem, dass die­ser De­al kei­ne ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf un­ser Ge­winn­po­ten­zi­al, un­se­re ge­sun­de Bi­lanz oder die Ver­dienst­mög­lich­kei­ten ha­ben wird.» An­lass für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen gibt die Fra­ge, ob die Wahr­schein­lich­keit, dass Mo­saic über­nom­men wird, durch die Selb­stän­dig­keit ge­stie­gen ist oder nicht. Die Ant­wort von Pro­ko­pan­ko dar­auf schafft kei­ne Klar­heit: «Es ist mög­lich, dass Mo­saic über­nom­men wird. So wie es vor dem De­al auch schon mög­lich war.»

Ak­ti­en­über­hang be­las­tet

Aus­ser Fra­ge steht, dass der Dün­ge­mit­tel­pro­du­zent gut po­si­tio­niert ist und von der stei­gen­den Nach­fra­ge nach land­wirt­schaft­li­chen Er­zeug­nis­sen pro­fi­tie­ren wird. Eben­so ist spä­tes­tens seit der ver­such­ten Über­nah­me von Po­tash durch BHP Bil­li­ton klar, dass die Mi­nen­in­dus­trie In­ter­es­se an Dün­ge­mit­tel­pro­du­zen- ten hat. Des­halb wird auch Mo­saic als po­ten­zi­el­ler Über­nah­me­kan­di­dat ge­han­delt. Ne­ben BHP wird die bra­si­lia­ni­sche Va­le als In­ter­es­sen­tin ge­nannt.

Dass al­ler­dings der Kurs der Mo­saicAk­tie nach Be­kannt­wer­den der Selb­stän­dig­keit 14,7% ein­ge­bro­chen ist, zeigt, dass der Markt an ei­ner bal­di­gen Ak­qui­si­ti­on zwei­felt. Wohl zu recht, denn ge­gen ei­ne na­he Über­nah­me spricht die dro­hen­de Nach­steu­er: Da­mit der Spin-off wie ge­plant steu­er­be­güns­tigt ist, darf Mo­saic näm­lich erst zwei Jah­re nach der Ab­spal­tung über­nom­men wer­den. In­si­der­quel­len stell­ten ge­gen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Reuters klar, dass ein frü­he­res Kauf­an­ge­bot die an­fal­len­de Steu­er um­fas­sen muss. Für Ed­lain Ro­d­ri­guez, Ana­lyst von Gle­acher & Co, be­steht des­halb kein Zwei­fel: «Das wird die Über­nah­me von Mo­saic er­schwe­ren.»

Un­ter den An­le­gern be­steht zu­dem die Angst, der nun ent­ste­hen­de Über­hang an Mo­saic-Ak­ti­en wer­de den Kurs über län­ge­re Zeit un­ter Druck brin­gen. Die Sor­gen sind nicht un­be­rech­tigt. Im­mer­hin sol­len in den nächs­ten fünf­zehn Mo­na­ten 157 Mio. Ak­ti­en am Markt ver­kauft wer­den. Das ent­spricht ei­ner Ver­dop­pe­lung der frei ge­han­del­ten Ti­tel. Bar­clays Ca­pi­tal schätzt zu­dem, dass auch die rest­li­chen 129 Mio. Wert­pa­pie­re bis 2015 auf den frei­en Markt kom­men wer­den.

Ein­stieg nicht zwin­gend

Im­mer­hin schafft Mo­saic mit der neu ge­won­ne­nen Selb­stän­dig­keit vor­aus­sicht­lich die Auf­nah­me in den S&P-500-In­dex. Das Kri­te­ri­um, dass höchs­tens 50% der Ak­ti­en in Fest­be­sitz sein dür­fen, er­füllt das Un­ter­neh­men nun. Die Zu­las­sung im In­dex wür­de den Va­lo­ren Schub ver­lei­hen. An­la­ge­stra­te­gi­en, die den S&P 500 ab­bil­den, müss­ten Mo­saic kau­fen.

Für In­ves­to­ren ist zu­dem wich­tig, dass der De­al zu kei­ner Ver­wäs­se­rung führt. Die fun­da­men­ta­le Be­wer­tung des Un­ter­neh­mens bleibt un­ver­än­dert. Für die Ein­schät­zung der Per­spek­ti­ven ist eben­falls zen­tral, dass die Mo­ti­ve von Car­gill nichts mit ge­trüb­ten Per­spek­ti­ven zu tun ha­ben, son­dern ju­ris­ti­scher Na­tur sind. An­le­ger kön­nen die jüngs­te Kor­rek­tur, in der das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) für das Ge­schäfts­jahr 2012 von 16 auf 14 ge­fal­len ist, nut­zen und bei Mo­saic ein­stei­gen. Da­mit rech­nen, dass sich die Ral­ly der ver­gan­ge­nen Mo­na­te fort­setzt, soll­ten sie al­ler­dings nicht.

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