«Ja­pa­ni­sche Ak­ti­en mas­siv un­ter­be­wer­tet»

Va­lue-Spe­zia­lis­ten von Pru­den­ti­al or­ten Kauf­ge­le­gen­heit – Ope­ra­ti­ve Mar­ge der Ja­pan AG wie­der auf Vor­kri­sen­ni­veau – Cre­dit Sai­son und So­ny zu Un­recht ver­schmäht

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - DO­MI­NIK FELD­GES

De­an Cash­man hat ei­nen tref­fen­den Fa­mi­li­en­na­men für ei­nen Fonds­ma­na­ger. «Wie wun­der­bar, Sie ha­ben wirk­lich Glück, so zu heis­sen», wird ihm vor al­lem von Kun­den in Asi­en im­mer wie­der be­schie­den. Doch Cash­man, der für den bri­ti­schen Le­bens­ver­si­che­rungs­rie­sen Pru­den­ti­al den M&G Ja­pan Fund führt, hat sich mit Ja­pan ei­nes der un­be­lieb­tes­ten Dos­siers in der Ver­mö­gens­ver­wal­tung aus­ge­sucht.

Der hu­mor­vol­le Aus­tra­li­er, der ei­nen Va­lue-An­satz ver­folgt, lässt sich da­von nicht be­ir­ren: Ja­pan­an­la­gen sei­en noch nie so güns­tig ge­we­sen, be­tont er im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Und bes­ser noch: Vie­le ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men hät­ten um­ge­lernt und wür­den den In­ter­es­sen ih­rer Ak­tio­nä­re end­lich an­ge­mes­sen Rech­nung tra­gen.

Die Un­be­liebt­heit Ja­pans spie­gelt sich in der Klein­heit des M&G Ja­pan Fund. Zwar exis­tiert der Fonds be­reits seit 1971, doch be­schränkt sich das Ver­mö­gen der­zeit auf 37 Mio. €. Kaum grös­ser ist der auf Nebenwerte aus­ge­rich­te­te und von Max God­win ge­führ­te M&G Ja­pan Smal­ler Com­pa­nies Fund, der rund 40 Mio. € für Kun­den an­ge­legt hat.

Auch Fix­kos­ten ge­senkt

Erst­mals seit län­ge­rem kön­nen die bei­den Fonds­ma­na­ger bei In­ves­to­ren im­mer­hin vor­spre­chen. «Es gab ei­ne Zeit, wäh­rend der ich nicht ein­mal ei­nen Ter­min er­hielt», er­in­nert sich Cash­man, der seit zwan­zig Jah­ren ja­pa­ni­sche Ak­ti­en­porte­feuilles be­treut. Nach Ein­schät­zung von God­win las­sen sich vie­le In­ves­to­ren zu stark von den ma­kro­öko­no­mi­schen Pro­ble­men Ja­pans be­ein­dru­cken. Ja­pan kämp­fe zwei­fel­los mit ei­ner ho­hen Staats­ver­schul­dung (vgl. Text­kas­ten), De­fla­ti­on und ei­ner schnell al­tern­den Ge­sell­schaft. Doch sei die ge­samt­wirt­schaft­li­che La­ge mit der Si­tua­ti­on vie­ler Pri­vat­un­ter­neh­men nicht zu ver­glei­chen, be­tont God­win.

Die glo­ba­le Fi­nanz­kri­se traf die tra­di­tio­nell ex­port­star­ken ja­pa­ni­schen Kon­zer­ne hart. Noch sind vie­le Ge­sell­schaf­ten ein Stück vom Um­satz­ni­veau vor der Kri­se ent­fernt. Doch die vom Ge­samt­markt durch­schnitt­lich er­ziel­te ope­ra­ti­ve Mar­ge er­reicht fast wie­der den En­de 2007 er­reich­ten Spit­zen­wert von knapp 8%. Cash­man schreibt die­se ein­drück­li­che Er­ho­lung den ri­go­ro­sen Kos­ten­sen­kungs­mass­nah­men zu, die ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men wäh­rend der Kri­se tra­fen. «Erst­mals wur­den nicht nur die va­ria­blen, son­dern auch die Fix­kos­ten im gros­sen Stil re­du­ziert», kon­sta­tiert der Fonds­ma­na­ger.

Die Kon­zer­ne ver­bes­ser­ten ih­re Ren­ta­bi­li­tät vor dem Hin­ter­grund ei­nes ge­gen­über dem Dol­lar und Eu­ro deut­lich fes­te­ren Yens. «Die Ja­pan AG kann mit Wech- sel­kurs­ver­än­de­run­gen in­zwi­schen gut um­ge­hen», meint Cash­man. Vie­le Un­ter­neh­men wür­den sich an­ders als frü­her nicht mehr scheu­en, be­deu­ten­de Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten und da­mit Kos­ten in an­de­re Wäh­rungs­räu­me aus­zu­la­gern.

Der fes­te Yen ver­güns­tigt an­de­rer­seits in­ter­na­tio­na­le Ak­qui­si­tio­nen. Cash­man nennt ei­ne Rei­he von ja­pa­ni­schen Ge­sell­schaf­ten, die sich in letz­ter Zeit im Aus­land ver­stärkt ha­ben. Nicht im­mer spielt da­bei die Ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­kos­ten ei­ne Rol­le. Die Zu­käu­fe die­nen auch wie im Fall des Che­mie­un­ter­neh­mens Ka­n­eka da­zu, neue Kun­den­grup­pen zu er­schlies­sen. Ka­n­eka, die vor al­lem die Phar­ma-und Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie

Auf­hol­po­ten­zi­al mit Che­mi­ka­li­en be­lie­fert, er­warb das bel­gi­sche Un­ter­neh­men Eu­ro­gen­tec, um sich ei­nen bes­se­ren Zu­gang zur eu­ro­päi­schen Bio­tech-In­dus­trie zu ver­schaf­fen. Der tra­di­tio­nell stark auf ja­pa­ni­sche Elek­tro­nik­kon­zer­ne wie Pa­na­so­nic und So­ny aus­ge­rich­te­te Halb­lei­ter­her­stel­ler Rohm ak­qui­rier­te je ei­nen Wett­be­wer­ber in Deutsch­land (Si­crys­tal) und in den USA (Kio­nix), wo­durch sich eben­falls neue Kun­den­kon­tak­te er­ge­ben wer­den.

Ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men ver­fü­gen über reich­lich flüs­si­ge Mit­tel. In kei­nem an­de­ren be­deu­ten­den Ak­ti­en­markt ist die Li­qui­di­tät ge­mes­sen an der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung hö­her (vgl. ers­te Gra­fik). Die ho­hen Cash­be­stän­de sind in­des nicht nur

durch­schnitt­lich 60 bis 70%. das Re­sul­tat ei­ner im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich be­son­ders vor­sich­ti­gen Fi­nan­zie­rungs­po­li­tik. Für Cash­man sind sie auch ein kla­res Zei­chen für die Fä­hig­keit ja­pa­ni­scher Un­ter­neh­men, ei­nen ho­hen frei­en Cash­flow zu er­wirt­schaf­ten.

«Vom Dar­ling zum Pa­ria»

Die ho­he Li­qui­di­tät lässt ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­mens­füh­rer ver­mehrt an Ak­ti­en­rück­käu­fe und hö­he­re Ge­winn­aus­schüt­tun­gen den­ken. Bis­her hat sie dem Markt al­ler­dings nicht zu ei­ner hö­he­ren Be­wer­tung ver­hol­fen – im Ge­gen­teil: Das Kur­sBuch­wert-Ver­hält­nis für die im MSCI Ja­pan ver­tre­te­nen Di­vi­den­den­pa­pie­re be-

Die Fonds­ma­na­ger De­an Cash­man (links) und Max God­win be­zif­fern das

ih­rer Po­si­tio­nen auf

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.