Spa­ni­en feilt an Ret­tungs­plan für Spar­kas­sen

Ver­staat­li­chun­gen zeich­nen sich ab – Aus­fall­ra­te un­ter Aus­lei­hun­gen an Im­mo­bi­li­en­ent­wick­ler am höchs­ten – Zit­tern vor der Bi­lanz­sai­son

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Die spa­ni­schen Spar­kas­sen, die 50% des ge­sam­ten Kre­dit­vo­lu­mens in Spa­ni­en hal­ten und von der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se schlim­mer als die ka­pi­tal­stär­ke­ren Ban­ken be­trof­fen sind, brau­chen ei­nen neu­en Ret­tungs­plan. Al­ler Vor­aus­sicht nach wird die­ser ei­ne mas­si­ve Re­ka­pi­ta­li­sie­rung nach sich zie­hen – Ver­staat­li­chun­gen in­be­grif­fen. Re­gie­rungs­spre­cher Al­f­re­do Pé­rez Ru­balca­ba nann­te am Frei­tag vor der Pres­se zwar kei­ne De­tails. Er be­stä­tig­te je­doch, dass Re­gie­rung, der Spar­kas­sen­ver­band Con­fe­der­a­ción Es­pa­no­la de Ca­jas de Ahor­ro (Ceca) und die Ban­ken­auf­sicht Ban­co de España der­zeit an ei­ner Re­struk­tu­rie­rung feil­ten.

Ge­schäfts­ein­nah­men sin­ken

Die Mass­nah­men brau­chen ei­ne ho­he Glaub­wür­dig­keit. Die Zwei­fel am Zu­stand der spa­ni­schen Fi­nanz­bran­che sind seit dem Aus­bruch der schwe­ren Kri­se im Im­mo­bi­li­en­markt Spa­ni­ens der Haupt­grund für die ho­hen Zin­s­auf­schlä­ge, die die Re­gie­rung und die Ban­ken für ih­re Fi­nan­zie- rung der­zeit zah­len müs­sen. Zwar sag­te Bank-Gou­ver­neur Mi­guel An­gel Fernán­dez Or­dóñez noch Mit­te De­zem­ber 2010, nach ei­ner ers­ten Fu­si­ons­run­de und der Re­duk­ti­on von 45 auf 17 Spar­kas­sen bräuch­ten die Ca­jas über die be­reits zur Ver­fü­gung ge­stell­ten gut 11 Mrd. € hin­aus kein wei­te­res Ka­pi­tal. Doch die Rea­li­tät lässt sich mit Blick auf die stei­gen­den Kre- dit­aus­fall­ra­ten, die meist rück­läu­fi­gen Ge­schäfts­ein­nah­men und die künf­tig hö­he­ren Ei­gen­ka­pi­tal­quo­ten ge­mäss den Vor­schrif­ten von Ba­sel III of­fen­bar nicht wei­ter ver­leug­nen.

Die Ana­lys­ten von Wert­schrif­ten­häu­sern und die Ra­tin­ga­gen­tu­ren über­bie­ten sich mit ih­ren Schät­zun­gen für den Ka­pi­tal­be­darf der Spar­kas­sen, die tra­di­tio­nell un­ter star­kem Ein­fluss der Re­gio­nal­po­li­ti­ker ste­hen. Die Zah­len rei­chen von 17 Mrd. (Moo­dy’s) bis 120 Mrd. € (UBS). Zwar hiess das Pro­blem in Spa­ni­en nie­mals Sub­pri­me. Doch was zu Zei­ten des Im­mo­bi­li­en­booms und der in­ter­na­tio­nal vor­han­de­nen Geld­schwem­me al­les kre­dit­wür­dig er­schien, gilt kri­ti­schen Be­ob­ach­tern an­ge­sichts der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se mit ei­ner Ar­beits­lo­sen­quo­te von 20% und des Zu­sam­men­bruchs des eins­ti­gen Wachs­tums­mo­tors Im­mo­bi­li­en­markt längst als «spa­ni­sches Sub­pri­mePro­blem».

Pro­blem un­ter­schätzt

Spa­ni­ens Ban­ken­auf­sicht hat bis­her Kre­di­te von 181 Mrd. € als «po­ten­zi­ell pro­ble­ma­tisch» de­kla­riert. Das wä­ren knapp 10% der ge­sam­ten Aus­lei­hun­gen von 1,84 Bio. €, de­ren Aus­fall­ra­te of­fi­zi­el­len Da­ten zu­fol­ge per No­vem­ber 5,7% er­reich­te. Vor ei­nem Jahr scho­ckier­te der Hy­po­the­kar­ver­band Aso­ci­a­ción Hi­po­te­ca­ria Español mit der Aus­sa­ge sei­nes Prä­si­den­ten, Kre- di­te an die Im­mo­bi­li­en­ent­wick­ler im Vo­lu­men von 325 Mrd. € sei­en «un­ein­hol­bar». Seit­her hat man al­ler­dings nichts mehr da­von ge­hört.

Der von Santan­der kon­trol­lier­te Ban­co Español de Cré­di­to (Ba­nes­to) wies vor Kur­zem für 2010 ei­ne Kre­dit­aus­fall­ra­te im Seg­ment der Im­mo­bi­li­en­ent­wick­ler von 24% aus. Ei­ne sol­che Di­men­si­on wur­de bis­her von kei­nem In­sti­tut ein­ge­räumt. Das lässt be­fürch­ten, dass die an­ge­lau­fe­ne Bi­lanz­sai­son nun noch hö­he­re Zah­len über den Qua­li­täts­zer­fall der Kre­dit­port­fo­li­os of­fen­ba­ren wird.

Das im Ju­li 2010 re­for­mier­te Spar­kas­sen­ge­setz sieht vor, dass sich die Spar­kas­sen das nö­ti­ge Ka­pi­tal von pri­va­ten In­ves­to­ren am Markt ho­len kön­nen. Da­nach ha­ben die In­sti­tu­te die Mög­lich­keit, sich in Ban­ken zu ver­wan­deln und an die Bör­se zu ge­hen. Doch in der der­zei­ti­gen Si­tua­ti­on mit un­kla­ren Res­t­ri­si­ken so­wie an­ge­sichts der noch im­mer aus­ge­präg­ten Seil­schaf­ten zwi­schen Po­li­tik und Ca­jas dürf­te kaum ein An­le­ger wil­lens sein, Ak­ti­en von Spar­kas­sen zu er­wer­ben.

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