Trüf­fel­su­cher im An­marsch

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

Chi­na hier, Chi­na dort, Chi­na über­all – in den Me­di­en ist das Rie­sen­reich der Mit­te ein Dau­er­bren­ner. Kein Wun­der, an­ge­sichts des an­hal­ten­den Wachs­tums­tem­pos im Land der rund 1,3 Mil­li­ar­den Ein­woh­ner. Über 10%, so die of­fi­zi­ell vom Na­tio­na­len Sta­tis­tik­bü­ro ge­mel­de­te Zahl, ist das Brut­to­in­land­pro­dukt Chi­nas im ver­gan­ge­nen Jahr ge­wach­sen. Dass ein der­ar­ti­ges Tem­po Ängs­te aus­löst, ist ei­ni­ger­mas­sen ver­ständ­lich. Im Wes­ten wird be­fürch­tet, Chi­na über­span­ne den Bo­gen und ein Rück­schlag sei nicht zu ver­mei­den, mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen für die west­li­chen In­dus­trie-und Ver­brauchs­gü­ter­her­stel­ler, die vom In­ves­ti­ti­ons-und Kon­sum­hun­ger spür­bar pro­fi­tie­ren.

Die Ängs­te sind aber auch an­de­rer Na­tur. Erst kaum be­ach­tet, nun aber zu­neh­mend mit Arg­wohn ver­folgt, wer­den die In­ves­ti­tio­nen, die (staat­li­che und halb­staat­li­che) Un­ter­neh­men aus Chi­na in den USA, Afri­ka und nun auch in Eu­ro­pa ein­ge­hen. Jüngs­tes Bei­spiel, im deutsch­spra­chi­gen Raum nicht ein­mal ei­ne Rand­no­tiz, ist der Kauf von El­kem, ei­nem an­ge­se­he­nen In­dus­trie­kon­glo­me­rat Nor­we­gens durch die Chi­na Na­tio­nal Blue­star Group. Sie ist be­reit, für das als «fein» gel­ten­de, im Roh­stoffund So­lar­be­reich en­ga­gier­te Un­ter­neh­men 2 Mrd. $ auf den Tisch zu le­gen.

Die Ak­qui­si­ti­on ist ein wei­te­res Zei­chen für den kon­ti­nu­ier­li­chen Vor­marsch Chi­nas. Da­bei spiel­te es of­fen­sicht­lich auch kei­ne Rol­le, dass die Ver­lei­hung des Frie­dens­no­bel­prei­ses zu po­li­ti­schen Dis­so­nan­zen zwi­schen Chi­na und Nor­we­gen ge­führt hat­te. Wenn’s drauf an­kommt, sind Bu­si­nes­sOp­por­tu­ni­tä­ten halt doch wich­ti­ger. Das Vor­drin­gen Chi­nas in die In­dus­trie­welt des Wes­tens wird nicht zu stop­pen sein. Der Hun­ger nach Roh­stof­fen, Tech­no­lo­gie usw. ist längst nicht ge­stillt. Auch die Schweiz wird sich frü­her oder spä­ter mit der Tat­sa­che aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, dass In­ves­to­ren aus Chi­na Ge­fal­len an gut ge­führ­ten, gut fi­nan­zier­ten und im Markt gut eta­blier­ten Un­ter­neh­men hel­ve­ti­scher Pro­ve­ni­enz fin­den. Die Über­nah­me von Sai­aBur­gess durch John­son Electric aus Hong­kong war mög­li­cher­wei­se ein Vor­ge­schmack auf das, was er­folg­rei­che Schwei­zer In­dus­trie­grup­pen in den nächs­ten Jah­ren zu ge­wär­ti­gen ha­ben. Da­mals war der De­al noch als Ret­tung vor Sumida, dem un­er­wünsch­ten An­grei­fer aus Ja­pan, emp­fun­den wor­den.

Chef­re­dak­tor Zum The­ma Bi­jou-Un­ter­neh­men im Vi­sier Chi­nas

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