Geld­po­li­tik in der Are­na

Ra­re Aus­land­schuld­ner tre­ten auf – Schul­den­be­la­de­ne Swis­sport emit­tiert hoch­ver­zins­li­che An­lei­he

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - PE­TER KUS­TER

Nein, die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ( SNB) kann sich der­zeit wahr­lich nicht dar­über be­kla­gen, dass ihr Wir­ken zu we­nig Auf­merk­sam­keit er­regt. An­fang Wo­che hat die Lei­tung der SVP der Frak­ti­on be­an­tragt (der An­trag darf auf­grund der per­so­nel­len Kon­stel­la­ti­on als «Auf­trag» in­ter­pre­tiert wer­den), ei­ne dring­li­che In­ter­pel­la­ti­on im Zu­sam­men­hang mit dem Re­kord­ver­lust 2010 und den da­für ur­säch­li­chen De­vi­sen­käu­fen ein­zu­rei­chen.

Das Di­rek­to­ri­um und der Bank­rat der SNB sei­en ih­ren Ver­pflich­tun­gen nicht nach­ge­kom­men, mut­masst die SVP, und hät­ten das Ver­trau­en miss­braucht. Wahr­schein­lich hät­ten die Di­rek­to­ri­ums­mit­glie­der und der Bank­rat den Prä­si­den­ten ge­wäh­ren las­sen, statt kor­ri­gie­rend ein­zu­grei­fen, wird ora­kelt. Im Ka­ta­log fin­den sich ne­ben un­er­quick­li­chen Sug­ges­tiv­fra­gen durch­aus er­ör­te­rungs­be­dürf­ti­ge Punk­te, et­wa wenn nä­he­re Aus­künf­te zur von der SNB als Mo­tiv für die Fremd­wäh­rungs­ak­ku­mu­la­ti­on ins Feld ge­führ­te De­fla­ti­ons­ge­fahr an­ge­for­dert wer­den.

Un­ab­hän­gig im Kern­auf­trag?

Die SVP kün­digt zu­dem ei­ne Mo­ti­on an, die Mass­nah­men zur Ri­si­ko­be­gren­zung bei De­vi­sen­käu­fen und ei­ne bes­se­re Auf­sicht for­dern. Im­mer­hin soll die Na­tio­nal-

Zins­kon­di­tio­nen von Schwei­zer Ban­ken bank be­zo­gen auf den «Kern­auf­trag, der Si­che­rung der Preis­sta­bi­li­tät», un­ab­hän­gig blei­ben. Al­ler­dings ge­hö­ren ge­ra­de auch De­vi­sen­käu­fe zwecks De­fla­ti­ons­ab­wehr als Ul­ti­ma Ra­tio per De­fi­ni­ti­on zum SNBKern­auf­trag.

Sup­port er­fährt die Na­tio­nal­bank da­ge­gen von ei­ner Ver­ei­ni­gung, die sich mehr von Bran­chen­an­lie­gen als po­li­ti­schen oder wahl­kämp­fe­ri­schen In­ter­es­sen lei­ten lässt. Han­del Schweiz lobt das Vor­ge­hen der SNB als «vor­bild­lich» und be­dankt sich für die «sinn­vol­le In­ter­ven­ti­on ge­gen den star­ken Fran­ken». Oh­ne die In­ter­ven­tio­nen wä­ren die Auf­wer­tungs­spe­ku­la­tio­nen aus dem Ru­der ge­lau­fen.

Die De­bat­te dar­über, ob im März 2009 wirk­lich De­fla­ti­ons­ge­fahr be­stan­den hat und ob die SNB Au­gen­mass be­wie­sen hat, wird ei­ni­ge Zeit hin und her wo­gen. Dis­kus­si­ons­los er­freu­lich ent­wi­ckeln sich Kon­sum und De­tail­han­del. Der UBS-Kon­su­min­di­ka­tor klet­ter­te im De­zem­ber von 1,62 auf 1,84 Punk­te. Der In­di­ka­tor, der drei Mo­na­te vor den of­fi­zi­el­len Zah­len den Trend des Pri­vat­kon­sums an­zeigt, be­rech­net sich aus fünf kon­sum­na­hen Kom­po­nen­ten. Neuim­ma­tri­ku­la­tio­nen von Au­tos und De­tail­han­dels­ge­schäfts­gang hät­ten zum An­stieg ge­führt, kom­men­tiert UBS. Die Gross­bank rech­net 2011 mit ei­nem Kon­sum­wachs­tum von 1,7%.

Den De­tail­han­del hat Bak Ba­sel Eco­no­mics ana­ly­siert. 2010 sei mit ei­ner rea­len Um­satz­zu­nah­me von 2,8% sehr er­folg- reich ver­lau­fen, für 2011 pro­gnos­ti­ziert Bak ein Wachs­tum von no­mi­nal bzw. re­al 1 bzw. 1,4%, was sin­ken­de Prei­se im­pli­ziert. Auch Cre­dit Suis­se (CS) hat sich op­ti­mis­tisch zum De­tail­han­del ge­äus­sert (vgl. FuW Nr. 4 vom 15. Ja­nu­ar).

Ei­ne zu­ver­sicht­li­che No­te herrsch­te im Emis­si­ons­ge­schäft, ob­schon es nicht mehr so stür­misch zu und her ging wie in der Vor­wo­che. Das Ge­spann aus CS und Roy­al Bank of Scot­land (RBS) ge­lei­te­te 21⁄ 4% Aka­de­mis­ka Hus 2011/2021 über 200 Mio. Fr. und mit Sha­re-Main­ten­an­ce-Klau­sel auf die Emis­si­ons­büh­ne. Der Schuld­ner im Be­sitz des Kö­nig­reichs Schwe­dens of­fe­rier­te 5 Ba­sis­punk­te (Bp) über Swap.

Für ei­nen eben­falls ra­ren Schuld­ner führ­ten wie­der­um RBS/CS die Fe­der. Auf­ge­stockt brin­gen 23⁄ 8% De­xia Mu­ni­ci­pal Agen­cy 2006/2016 450 Mio. statt 200 Mio. auf die Waa­ge. Die mit öf­fent­li­chen Dar­le­hen be­si­cher­ten Ob­li­ga­ti­ons Fon­ciè­res bie­ten ei­nen Zu­schlag von 40 Bp. Sel­te­ne Ein­zel­adres­sen pro­fi­tie­ren da­von, dass für sie die Li­mi­ten der In­sti­tu­tio­nel­len noch frei sind. Das Schwei­zer Gross­ban­ken­duo er­höh­te zu­dem den Floa­ter Ra­bo­b­ank 2011/2013 um 100 Mio. auf 500 Mio. Fr.

Himm­li­scher Cou­pon

Ei­nen wasch­ech­ten Hoch­ver­zins­li­chen lan­cier­te die jüngst von Moo­dy’s mit B2 be­dach­te Swis­sport (vgl. FuW Nr. 5 vom 19. Ja­nu­ar. Sie emit­tier­te über die gleich ein­ge­stuf­te Hol­ding die in Lu­xem­burg ko­tier­ten 77⁄ 8% Agui­la 3 2011/2018 über 350 Mio. Fr. so­wie ei­ne Doll­ar­tran­che mit sel­ber Lauf­zeit und glei­chem Cou­pon (!) über 425 Mio. Pri­va­te-Equi­ty-In­ves­to­ren ha­ben den Bo­den­ab­fer­ti­ger mit Schul­den schwer be­la­den. Die Min­dest­stü­cke­lung von 150 000 Fr. bzw. $ spricht In­sti­tu­tio­nel­le an – hof­fent­lich wis­sen sie das ho­he ak­ti­en­ähn­li­che Ri­si­ko zu be­wer­ten.

Die Bo­ni­täts­spe­zia­lis­ten Von­to­bels stu­fen Georg Fischer (GF) mit BBB neu bzw. er­neut ein, ver­ge­ben ei­nen po­si­ti­ven Aus­blick und emp­feh­len 33⁄ 8% GF 2016 zum Kauf. Vik­tor Senn tritt als Lei­ter der Uni­credit (Schweiz) ab. Für die Nie­der­las­sung in Zü­rich, die schon ei­ni­ge per­so­nel­le Ver­lus­te ver­kraf­ten muss­te, ist of­fen­bar noch kein Nach­fol­ger be­stimmt. Auch auf höchs­ter In­vest­ment-Ban­king-Ebe­ne der Uni­credit herrscht nach dem Ab­gang Ser­gio Er­mot­tis ein Va­ku­um.

Kenn­zif­fern Zin­sen Schweiz

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