Die Welt wächst mehr

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN IWF er­höht Wachs­tums­pro­gno­sen – zahl­rei­che Leit­zins­er­hö­hun­gen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) hat sei­ne im Rah­men des World Eco­no­mic Out­look im Herbst vor­ge­stell­ten Wachs­tums­pro­gno­sen nach oben re­vi­diert: Die Welt­wirt­schaft wird im lau­fen­den Jahr 4,4% ex­pan­die­ren, 2012 4,5% (vgl. Sei­te 10). Be­son­ders deut­lich er­höht wur­de die er­war­te­te Wirt­schafts­leis­tung der USA, der IWF rech­net nun­mehr mit ei­ner Zu­nah­me des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) von 3% (2011) bzw. 2,7% (2012). In der Eu­ro­zo­ne wird im lau­fen­den Jahr mit 1,5% Wachs­tum ge­rech­net, 2012 mit 1,7%. Mit ei­ner BIP-Zu­nah­me von 6,5% wer­den die Schwel­len­län­der die In­dus­trie­staa­ten (2,5%) er­neut über­tref­fen.

EFSF of­fe­riert 5 Mrd. €

End­lich – be­reits in der Vor­wo­che er­war­tet, doch erst am Di­ens­tag war es so weit: Die Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty (EFSF) emit­tier­te 5 Mrd. €. Die An­lei­he wird am 18. Ju­li 2016 fäl­lig und ist mit ei­nem Cou­pon von 23⁄ 4% aus­ge­stat­tet. Der Ri­si­ko­zu­schlag (Spre­ad) zu deut­schen Bun­des­an­lei­hen wur­de auf 56 Ba­sis­punk­te (Bp) fest­ge­setzt. An­le­ger hat­ten ein Vo­lu­men von 43 Mrd. € nach­ge­fragt. EFSF ist ein Ve­hi­kel der Eu­ro­zo­ne, Teil des Ret­tungs­schirms, und kann ma­xi­mal 421 Mrd. € be­ge­ben. 2013 soll sie durch den Eu­ro­pean Sta­bi­liza­t­i­on Mecha­nism er­setzt wer­den (vgl. letz­te Aus­ga­be).

Die EFSF-Emis­si­on scheint den Eu­ro­zo­ne-Staats­an­lei­hen­markt nicht we­sent­lich zu ent­span­nen. Zehn­jäh­ri­ge por­tu­gie­si­sche Staats­pa­pie­re ren­tie­ren der­zeit 6,9%, 20 Bp hö­her als in der Vor­wo­che. Auch die Ren­di­te spa­ni­scher und iri­scher Pa­pie­re zog auf 5,3 bzw. 8,7% an. Die Ver­zin­sung deut­scher Bun­des­an­lei­hen hin­ge­gen fiel auf 3,1%. Gleich­zei­tig re­du­zier­te die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank das wö­chent­li­che Auf­kauf­vo­lu­men des Se­cu­ri­ties Mar­kets Pro­gram auf 146 Mio. €, zu­vor wa­ren es noch 2,3 Mrd. € ge­we­sen.

Vier Zins­ent­schei­de – drei Leit­zins­er­hö­hun­gen: Am Mon­tag pass­ten die is­rae­li­sche und die un­ga­ri­sche No­ten­bank den Re­fe­renz­wert je 25 Bp auf 2,25 bzw. 6% nach oben an. Is­ra­el hat­te be­reits im Au­gust 2009 auf ei­nem Ni­veau von 0,5% mit Leit­zins­er­hö­hun­gen be­gon­nen. Der jüngs­te Schritt wird mit an­zie­hen­der Teue­rung so­wie ei­ner Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik be­grün­det.

Noch im April 2010 hat­te Un­garns No­ten­bank den Leit­zins re­du­ziert, sechs Mo­na­te spä­ter be­gann sie mit Er­hö­hun­gen. Am Mon­tag folg­te ei­ne wei­te­re An­pas­sung auf 6%. Das In­sti­tut ar­gu­men­tiert eben­falls mit der Teue­rung: Mit dem Schritt sol­len die Er­war­tun­gen wie­der in Rich­tung von 3%, dem In­fla­ti­ons­ziel, ge­bracht wer­den. Im ver­gan­ge­nen Jahr war die Preis­sta­bi­li­tät nicht er­reicht wor­den. Ob­schon die hei­mi­sche Nach­fra­ge rück­läu­fig war und auch die Kern­in­fla­ti­on sank, hielt sich die Teue­rung über 3%. Ver­ant­wort­lich hier­für sei­en die vor­ge­nom­me­nen Steu­er­er­hö­hun­gen, be­grün­det die No­ten­bank.

Am Di­ens­tag folg­te In­di­en mit ei­ner Leit­zins­an­he­bung von eben­falls 25 Bp auf 6,5%. Da­mit hat die Na­tio­nal­bank seit Mit­te März 2010 den Re­fe­renz­wert 175 Bp er­höht. Auch sie be­grün­det den Schritt mit der ho­hen In­fla­ti­on, die pri­mär durch die mas­siv hö­he­ren Nah­rungs­mit­tel­prei­se ge­schürt wer­de. Gleich­zei­tig sei­en aber auch die Roh­stoff­prei­se ge­stie­gen. Zu­dem Raum für ei­ne Zins­er­hö­hung bie­te das Wachs­tum der in­di­schen Volks­wirt­schaft, das sich na­he­zu auf dem Ni­veau vor der Fi­nanz­kri­se be­fin­de.

Still­ge­hal­ten hat die Bank of Ja­pan (BoJ) und den Leit­zins auf 1 bis 0,1% be­las­sen. Kor­ri­giert hat sie je­doch die Wachs­tums­pro­gno­sen: BoJ pro­gnos­ti­ziert für die Fis­kal­jah­re 2010, 2011 und 2012 nun­mehr ein BIP-Wachs­tum von 3,3 bzw. 1,6 und 2%. Das Fis­kal­jahr 2010 en­det am 31. März 2011, und das Fis­kal­jahr 2011 be­ginnt am 1. April.

Chi­nas Ban­ken un­ter Druck?

An­ge­spannt ist die La­ge in Chi­nas In­ter­ban­ken­markt – der Be­leh­nungs­satz be­weg­te sich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen zwi­schen 2,6 und 7,3% (vgl. Gra­fik). Die Ex­per­ten von M&G In­vest­ments be­grün­den die «be­sorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lung» mit ei­ner Kom­bi­na­ti­on des chi­ne­si­schen Jah­res­wech­sels so­wie den hö­he­ren Re­ser­ven, die von der chi­ne­si­schen No­ten­bank ge­for­dert wer­den. Da­durch sei der In­ter­ban­ken­markt na­he­zu ge­schlos­sen. Be­reits zwei Fi­nanz­in­sti­tu­te muss­ten von der No­ten­bank mit Li­qui­di­tät ver­sorgt wer­den.

Saz­ka – der gröss­ten tsche­chi­schen Lot­te­rie­ge­sell­schaft ge­bührt die zwei­fel­haf­te Eh­re, der ers­te Zah­lungs­aus­fall 2011 zu sein. In der­sel­ben Zeit­span­ne des Vor­jah­res wa­ren ge­mäss S&P be­reits elf Un­ter­neh­men zah­lungs­un­fä­hig ge­wor­den. Im De­zem­ber pass­te S&P die Ra­ting­kri­te­ri­en von struk­tu­rier­ten Fi­nanz­in­stru­men­ten an. Nun ist der neue Beur­tei­lungs­an­satz an­ge­wandt wor­den: 1976 Tran­chen über 756 Mrd. € eu­ro­päi­scher Emit­ten­ten wer­den auf ei­ne Her­ab­stu­fung hin ge­prüft. Da­von be­trof­fen sind As­set-ba­cked Se­cu­ri­ties ABS, Com­mer­ci­al Mort­ga­ge-ba­cked Se­cu­ri­ties CMBS, Re­si­den­ti­al Mort­ga­ge­ba­cked Se­cu­ri­ties RMBS so­wie Col­la­te­ra­li­zed Debt Ob­li­ga­ti­ons CDO.

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