Die Fran­ken­stär­ke nut­zen

DE­VI­SEN Eu­ro, Dol­lar und Pfund dürf­ten sich er­ho­len – At­trak­ti­ve Fremd­wäh­rungs­ge­win­ne

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - UR­SI­NA KUBLI,

Das The­ma Eu­ro­kri­se ist all­ge­gen­wär­tig. Die der­zei­ti­gen Ver­wer­fun­gen grün­den je­doch nicht in ei­nem schwa­chen Eu­ro, son­dern in ei­nem star­ken Fran­ken. Zum Dol­lar liegt die Ge­mein­schafts­wäh­rung gar über der Kauf­kraft­pa­ri­tät (Purcha­se Po­wer Pa­ri­ty, PPP) von 1.25 $/€. Der Fran­ken hin­ge­gen ist ge­gen­über den Haupt­wäh­run­gen Eu­ro, Dol­lar und Pfund deut­lich über­be­wer­tet. Der PPPWert für die Paa­re Fran­ken-Eu­ro und Fran­ken-Dol­lar dürf­te auf 1.40 Fr./€ bzw. 1.12 Fr./$ lie­gen, wäh­rend das Pfund auf 1.80 Fr./£ fair be­wer­tet wä­re.

Die Ab­wei­chun­gen von der Kauf­kraft­pa­ri­tät in­di­zie­ren, in wel­che Rich­tung sich die Wech­sel­kur­se in der mitt­le­ren Frist ent­wi­ckeln soll­ten. Da die Va­lu­ten kurz­fris­tig je­doch kräf­tig von ih­rem fai­ren Wert ab­wei­chen kön­nen, ist es wich­tig, die Aus­lö­ser zu iden­ti­fi­zie­ren, die zu ei­ner Kor­rek­tur füh­ren.

Ge­lingt die Sa­nie­rung?

In der Pe­ri­phe­rie der Eu­ro­zo­ne setzt sich 2011 der strik­te Kon­so­li­die­rungs­kurs fort. In Grie­chen­land, Spa­ni­en, Por­tu­gal und Ir­land soll das struk­tu­rel­le Haus­halts­de­fi­zit im Ver­gleich zum Vor­jahr rund 2 Pro­zent­punk­te (Pp) vom Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) ge­senkt wer­den – die Staats­fi­nan­zen sol­len auf ei­nen nach­hal­ti­gen Pfad ge­bracht wer­den und das Ver­trau­en in den Eu­ro stär­ken. Aber die Bud­get­zie­le sind am­bi­ti­ös, zu­mal die Vor­lau­fin­di­ka­to­ren auf ei­nen schlep­pen­den Wirt­schafts­ver­lauf hin­deu­ten.

Steu­er­ein­nah­men könn­ten schwä­cher aus­fal­len und da­mit Zwei­fel we­cken, ob die Sa­nie­rung ge­lin­gen wird. Erst wenn kon­kre­te Fort­schrit­te der Haus­halts­kon­so­li­die­rung vor­lie­gen, dürf­te sich die Ge­mein­schafts­wäh­rung nach­hal­tig er­ho­len. Im Fall von Grie­chen­land und Ir­land, die den Ret­tungs­schirm be­reits in An­spruch neh­men muss­ten, sind die In­for­ma­tio­nen zu den bis­he­ri­gen Spar­fort­schrit­ten um­fas­send: Ne­ben den mo­nat­li­chen Sta­tis­ti­ken, die für al­le Eu­ro­zo­n­e­mit­glie­der vor­lie­gen, ver­öf­fent­licht der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) al­le drei Mo­na­te ei­nen Be­richt zur Fi­nanz­si­tua­ti­on. Ge­mäss bis­he­ri­gen IWF-Pu­bli­ka­tio­nen wer­den in Grie­chen­land die Spar­pro­gram­me ri­go­ros um­ge­setzt und mass­ge­ben­de Struk­tur­re­for­men ein­ge­lei­tet. Dem­zu­fol­ge blei­ben wir zu­ver­sicht­lich, dass die Kon­so­li­die­rung ge­lin­gen wird und im Ver­lau­fe der kom­men­den Mo­na­te ers­te Er­fol­ge sicht­bar wer­den.

Das Pfund ge­hör­te 2010 zu den Wäh­run­gen, die von der Eu­ro­kri­se pro­fi­tier­ten. Doch im lau­fen­den Jahr dürf­te die Va­lu­ta mass­geb­lich von der Kon­junk­tur ab­hän­gen, das zeigt die star­ke Kor­re­la­ti­on mit dem bri­ti­schen Ein­kaufs­ma­na­ger­index (Purcha­sing Ma­na­ger In­dex, PMI). Wir er­war­ten, dass sich die bri­ti­sche Va­lu­ta zum Eu­ro seit­wärts ent­wi­ckeln wird. Zum Fran­ken be­deu­tet das ei­ne kräf­ti­ge Er­ho­lung. Es ist je­doch rat­sam, den Ver­lauf des bri­ti­schen PMI ge­nau­es­tens zu ver­fol­gen. Bricht er frü­her oder kräf­ti­ger ein als an­ge­nom­men, könn­ten die er­war­te­ten Wäh­rungs­ge­win­ne aus­blei­ben. Ein Ri­si­ko für die bri­ti­sche Wirt­schaft ist die ge­plan­te Kon­so­li­die­rung: Das struk­tu­rel­le Bud­get­de­fi­zit soll über 2 Pp vom BIP ge­kürzt wer­den, was das Wirt­schafts­wachs­tum ent­spre­chend brem­sen könn­te.

An­ders als in Gross­bri­tan­ni­en wur­de in den USA die Haus­halts­kon­so­li­die­rung in wei­te Fer­ne ver­scho­ben. Die gross­zü­gi­ge fis­kal­po­li­ti­sche Sti­mu­lie­rung hat da­zu ge­führt, dass die Nach­hal­tig­keit der Staats­fi­nan­zen in Fra­ge ge­stellt wur­de. Auf­grund der lo­cke­ren Geld­po­li­tik ist zu­dem die Angst auf­ge­kom­men, dass ei­ne «Po­li­tik des bil­li­gen Dol­lars» ver­folgt wird, um die Heim­wirt­schaft an­zu­kur­beln.

Bei­de Ängs­te sind je­doch über­trie­ben: Ein schwa­cher Dol­lar nützt der ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schaft auf­grund der niedri- gen Ex­port­quo­te we­ni­ger als häu­fig an­ge­nom­men. Als Land mit der füh­ren­den Re­ser­ve­wäh­rung wird es den USA ge­lin­gen, ih­re Bud­get­de­fi­zi­te zu fi­nan­zie­ren. Die Mass­nah­men der ame­ri­ka­ni­schen Geld-und Fis­kal­po­li­tik tra­gen be­reits jetzt ers­te Früch­te. So wur­de der Ab­wärts­trend des Ein­kaufs­ma­na­ger­index un­ter­bro­chen, und er deu­tet auf so­li­des Wachs­tum hin. So­mit wer­den die Staats­fi­nan­zen in den Hin­ter­grund rü­cken. Trotz bes­se­ren Wachs­tums­aus­sich­ten blieb die To­na­li­tät der ame­ri­ka­ni­schen No­ten­bank in Be­zug auf die quan­ti­ta­ti­ve Geld­po­li­tik un­ver­än­dert. Das Fed steht da­mit in star­kem Kon­trast zur Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank EZB. Letz­te­re er­wähn­te im Ja­nu­ar erst­mals mög­li­che In­fla­ti­ons­ge­fah­ren.

Markt nor­ma­li­siert sich

Erst wenn sich die Si­tua­ti­on am ame­ri­ka­ni­schen Ar­beits­markt auf­hellt, wird auch das Fed an ei­ne Rück­füh­rung der lo­cke­ren Geld­po­li­tik den­ken. Schwenkt die No­ten­bank bis zum Jah­res­en­de in Rich­tung Exit, wird den Markt­teil­neh­mern klar wer­den, dass der Gre­en­back kei­nen zu­sätz­li­chen mo­ne­tä­ren Dämp­fer er­hal­ten wird. Dem­ent­spre­chend soll­te sich das Ver­trau­en in die US-Va­lu­ta fes­ti­gen.

Wir er­war­ten, dass sich die Über­trei­bun­gen an den De­vi­sen­märk­ten be­reits 2011 et­was nor­ma­li­sie­ren. Da­mit sich Eu­ro, Pfund und Dol­lar zum Fran­ken er­ho­len kön­nen, müs­sen fol­gen­de Punk­te er­füllt sein: In der Eu­ro­zo­ne müs­sen ers­te Fort­schrit­te der Haus­halts­kon­so­li­die­rung vor­lie­gen. In Gross­bri­tan­ni­en ist ei­ne ro­bus­te wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung zen­tral, wäh­rend in den USA ei­ne Ar­beits­markt­er­ho­lung not­wen­dig ist. Tre­ten die­se Aus­lö­ser ein, soll­ten Fremd­wäh­run­gen in ei­nem Fran­ken­port­fo­lio at­trak­ti­ve Wäh­rungs­ge­win­ne bei­steu­ern.

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